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Renten: Begrenzter Anstieg der Anleiherenditen


16.01.20 10:45
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - An den Anleihemärkten der führenden Industriestaaten haben sich die Renditen erholt und seit Anfang Oktober deutlich zugelegt, so die Analysten von Postbank Research.

Der Aufwärtstrend könnte sich im besten Fall im weiteren Jahresverlauf fortsetzen: Weder in den USA noch in Europa würden die jüngsten Konjunkturdaten ein erhöhtes Rezessionsrisiko für 2020 signalisieren, sie würden vielmehr auf eine solide Wirtschaftsentwicklung hindeuten. Der Konsum sei intakt, und eine Beilegung des Handelskonflikts zwischen China und den USA könnte zusätzliche Wachstumsimpulse geben. Die US-Notenbank FED und die Europäische Zentralbank (EZB) würden in diesem Umfeld ihre Geldpolitik auf absehbare Zeit nicht weiter lockern. Eine Straffung sei insbesondere in der Eurozone vor dem Hintergrund einer moderaten Inflation allerdings auch nicht in Sicht.

In den USA habe das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im 3. Quartal 2019 mit einem aufs Jahr hochgerechneten Plus von 2,1% überrascht. Das Schlussquartal könnte ähnlich gut verlaufen sein. So würden die Einzelhandelsumsätze ein anhaltendes Wachstum des privaten Verbrauchs signalisieren. Der noch immer robuste US-Arbeitsmarkt und ein geringer Preisanstieg hätten diese Entwicklung begünstigt. Zusätzlich sei der Konsum von einem starken Aktienjahr und der Preisentwicklung am Immobilienmarkt befeuert worden. Analysten würden schätzen, dass sich das Nettovermögen der US-Verbraucher allein im 4. Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 10% erhöht habe.

In Europa gebe es Anzeichen für eine vorsichtige Konjunkturerholung. Doch nicht nur deshalb erscheinen aggressive Leitzinssenkungen oder eine erhebliche Ausweitung des Anleihekaufprogramms der EZB unwahrscheinlich, so die Analysten von Postbank Research. Die Notenbank habe ihre geldpolitischen Möglichkeiten bereits sehr weit ausgereizt und setze nun auf fiskalpolitische Unterstützung. Diese könnte durch den "Green Deal" ausgelöst werden. Gehe es nach EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, sollten jährlich mindestens 100 Milliarden Euro in den Klimaschutz investiert werden, um Europa bis 2050 klimaneutral zu machen.

Sollte die EZB dennoch gefragt sein, weil die Konjunkturpakete noch länger auf sich warten lassen würden, wären wohl eine stärkere Staffelung des negativen Einlagezinssatzes sowie eine großzügigere Ausgestaltung der Langfristtender erste Wahl. Weder Strafzinsen noch die Liquiditätshilfen, die die EZB Geschäftsbanken zur Ankurbelung der Kreditvergabe anbiete, sollten aber eine zusätzliche Belastung des Renditeniveaus darstellen. Außerdem könne sich die neue EZB-Chefin Christine Lagarde vorstellen, "Green Bonds" in die quantitative Geldpolitik zu integrieren.

Gleichwohl würden Geldpolitik und schwache Preisentwicklung auch in Europa den weiteren Renditeanstieg an den Anleihemärkten begrenzen. Und über allem schwebe das Risiko einer erneuten Eskalation internationaler Handelskonflikte, unerwarteter Entscheidungen von US-Präsident Donald Trump, der dieses Jahr mit allen Mitteln um seine Wiederwahl kämpfen werde, und eines weiterhin möglichen ungeordneten Austritts des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union. Deshalb halte die Deutsche Bank vorerst an ihrer Prognose fest und erwarte für 10-jährige Bundesanleihen auf Jahressicht eine Rendite von -0,35%. Die Prognose für die US-Pendants laute in diesem Szenario 1,85%. (Perspektiven Januar 2020) (16.01.2020/alc/a/a)