Renditen fallen am Ende des Leitzinszyklus


02.04.19 13:00
Swisscanto Invest

Zürich (www.anleihencheck.de) - Die Verlangsamung der Weltwirtschaft hat sich auch im 1. Quartal 2019 fortgesetzt, so die Experten von Swisscanto Invest.

Zudem sei in den führenden Industriestaaten die Teuerung auf den niedrigsten Stand seit knapp drei Jahren gefallen. In den USA seien allerdings Sonderfaktoren für das schwache 1. Quartal mitverantwortlich gewesen, sodass künftig wieder mit einer Wachstumsbelebung gerechnet werden dürfe. Der Blick auf Europa falle wenig berauschend aus. Aber immerhin habe sich die konjunkturelle Lage stabilisiert und es gebe erste zaghafte Lichtblicke. Auch für China gebe es einzelne Lichtblicke. Dank diverser Stimulierungsmaßnahmen sei in den nächsten Monaten mit einer Stabilisierung des Wachstums zu rechnen.

Die US-Notenbank FED werde dieses Jahr die Leitzinsen nicht erhöhen. Und die Europäische Zentralbank habe den Zinserhöhungszyklus praktisch abgesagt, bevor er richtig begonnen habe. Hintergrund der geldpolitischen Neuorientierung sei einerseits die anhaltende Verlangsamung der Weltwirtschaft und andererseits der spürbare Rückgang der Inflation. Die Anleger hätten die Änderung der Geldpolitik mit Wohlwollen aufgenommen. Für Aktien ergebe sich daraus ein vorteilhaftes Szenario: Die Anleihenrenditen würden länger tief bleiben und die Investoren müssten auf der Suche nach Rendite verstärkt auf Aktienmärkte setzen. Das lange Zeit für Aktien ins Feld geführte TINA-Argument ("There is no alternative") erhalte damit nochmals mehr Gewicht. Das Rückschlagrisiko dürfte deshalb vorerst gering bleiben. Der steile Aufwärtstrend an den Aktienmärkten werde aber einem deutlich flacheren weichen.

Bei der aktuellen Kursrally falle auf, dass sie vor allem von den so genannten Growth-Titeln, also eher hoch bewerteten Unternehmen mit überdurchschnittlichem Gewinnwachstum angetrieben worden sei und weniger von den niedrig bewerteten, also vermeintlich günstigen Value-Aktien. Zudem würden die kleinen Unternehmen kaum besser abschneiden als die großen. Beide Phänomene zusammen sprächen dafür, dass die Skepsis der Investoren in Bezug auf die globale Wirtschaft sehr hoch sei. Investoren würden relativ sicheres Gewinnwachstum und Aktien von Unternehmen mit hoher Liquidität kaufen, um im Bedarfsfall schnell verkaufen zu können.

Mitte April beginne in den USA die Gewinnberichtssaison für das 1. Quartal. Die Finanzanalysten hätten ihre Erwartungen in den vergangenen Wochen deutlich nach unten geschraubt und würden im Jahresvergleich sogar einen Gewinnrückgang von über drei Prozent erwarten. Wirtschafts- und Umsatzwachstum seien zwar positiv gewesen, aber aller Voraussicht nach deutlich niedriger als im 1. Quartal 2018. Folglich müsste der Gewinnrückgang einer deutlichen Margenverengung geschuldet sein. In den vergangenen Berichtsperioden seien die Margen noch relativ stabil gewesen. Allerdings dürfte es den Unternehmen immer schwerer fallen, Lohnsteigerungen zu kompensieren, zumal Preiserhöhungen im aktuellen Zyklus sehr schwierig seien. Etwas Entlastung biete dagegen der Rückgang bei den Refinanzierungskosten, auch wenn dieser Umstand dem Finanzsektor schade. Ein Rückgang der Margen sei also insgesamt wahrscheinlich, ein Einbruch dagegen nicht. Die Experten von Swisscanto Invest würden deshalb mit überwiegend positiven Überraschungen rechnen. Aufgrund der aktuellen Konjunktursorgen werde das Hauptaugenmerk der Beobachter allerdings auf den Unternehmensprognosen liegen. Dort würden die Experten verhaltene Kommentare erwarten, sodass die Berichtssaison diesmal insgesamt weniger Unterstützung für den Markt bieten könnte als in den vergangenen Quartalen.

Am Anleihenmarkt werde bereits das Ende des US-Leitzinszyklus antizipiert. Historisch betrachtet würden die 10-jährigen Renditen von US-Staatsanleihen in einer ersten Phase nach der letzten Leitzinsanhebung fallen. In der Spätphase des Konjunkturzyklus sei für die Richtung der Renditen dann die Wirtschaftsentwicklung maßgebend. Als die FED im Juni 2006 den Leitzinszyklus beendet habe, hätten sich die Renditen während sechs Monaten im Rückwärtsgang befunden. Mit einem besseren Wirtschafsausblick hätten die Renditen Anfang 2007 nochmals die Trendwende geschafft, bevor dann zwölf Monate nach Ende des Leitzinszyklus der Zyklushöchststand der 10-jährigen US-Rendite erreicht worden sei. Aktuell gebe es für die Konjunktur erst Anzeichen einer Stabilisierung, sodass die Experten von Swisscanto Invest für die kommenden Wochen mit einer volatilen Seitwärtsentwicklung der Renditen rechnen würden. (02.04.2019/alc/a/a)