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Primärmarkt: Schwacher Jahresausklang - Starke Aktivitäten im ersten Quartal 2019 erwartet


21.12.18 09:15
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Der Dezember ist weiter geprägt von Themen wie Brexit, dem Patt im italienischer Haushaltsplan und dem Ende der Ankaufprogramme durch die EZB, so Michaela Hessmert und Melanie Kiene, CIIA von der Nord LB.

Die Risikoadjustierung der Portfolios durch die Marktteilnehmer führe zu höheren Spreadlevels bei insgesamt deutlich volatileren Finanzmärkten. Im Resultat habe sich im Jahresverlauf das Funding für die Institute deutlich verteuert. Während beispielsweise der iTraxx Senior Financial das Jahr 2018 bei einem Niveau um 45 Bp begonnen habe, liege der Index mittlerweile bei rund 105 Bp.

Nach dem schwachen Jahresausklang am Primärmarkt erwarten wir im ersten Quartal 2019 starke Primärmarktaktivitäten, die vor allem regulatorisch getrieben sind, so die Analysten der Nord LB. Mit der Deadline (28. Dezember 2018) zur Änderung der Haftungskaskade (BRRD II) und Einführung von Non-preferred Seniors in der EU seien die Voraussetzungen für alle Banken der EU geschaffen, TLAC/MREL-fähige Verbindlichkeiten zu emittieren.

Die Primärmarktaktivitäten für Senior Unsecured Bonds im Euro-Benchmarkformat seien in diesem Jahr aufgrund des ungünstigen Marktumfeldes bereits frühzeitig eingestellt worden.

Der EU-Gesetzgeber stütze neue Vorschriften, welche die Anforderungen zur Deckung von Problemkrediten für Banken erleichtern würden. Noch stehe allerdings die Genehmigung seitens der EU-Regierungen aus. So müssten beispielsweise ungedeckte Kredite erst drei Jahre (ursprünglicher EU-Kommissionsvorschlag: Zwei Jahre) nachdem sie in Schieflage gerieten, vollumfänglich besichert sein. Für Kredite mit unbeweglichen Sicherheiten (z.B. Wohn- und Gewerbeimmobilien) hätten Banken bis zu neun Jahre Zeit, einen vollständigen Puffer zur Deckung der Problemkredite aufzubauen. Bei Krediten mit weniger sicheren, beweglichen Sicherheiten hätten die Banken zur Vollabdeckung sieben Jahre Zeit (ab dem Zeitpunkt ab den die Kredite in den Non-performing-Status fallen würden).

Die Ratingagentur Moody's habe den Ausblick für Portugals Bankensystem von neutral auf positiv angehoben. Dies reflektiere Moody's Erwartung, dass sich die Kreditwürdigkeit der heimischen Banken in den kommenden zwölf bis 18 Monaten verbessere. Der Prozess der Reduzierung von Problemkrediten sollte sich fortsetzen, während sich die Fundamentaldaten inklusive Kapital und Profitabilität verbessern würden und das Funding-Umfeld stabil bleibe. Das Wirtschaftswachstum dürfte sich allerdings nach Einschätzung der Ratingagentur verlangsamen (2018: 2,3%; 2019: 1,7%).

Die EZB werde ab 2019 die direkte Aufsicht für die irischen Töchter von Barclays PLC und Bank of America Merrill Lynch übernehmen. Beide Institute seien als signifikant eingestuft worden, nachdem sie wegen des Brexit Geschäfte von Großbritannien nach Irland verlagert hätten. Auf der anderen Seite falle die Permanent TSB Group Holding PLC aus der direkten EZB Aufsicht heraus, da sie drei Jahre in Folge als nicht signifikant eingestuft worden sei. (Ausgabe vom 20.12.2018) (21.12.2018/alc/a/a)