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Primärmärkte: Finanzwerte im Rampenlicht


07.04.21 09:15
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die gestrige nachösterliche Primärmarktaktivität war von Finanzunternehmen dominiert mit dem japanischen Kreditgeber Mizuho, Frankreichs CFF, BNP Paribas und der Santander Consumer Bank in der Pipeline, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Nachdem Mizuho das letzte Mal im Oktober 2020 den EUR-Markt mit einer grünen Dual-Tranche angezapft habe, seien gestern je EUR 750 Mio. einer normalen 5- und 12-Jahres-Anleihe fixiert worden. Auf den europäischen Staatsanleihemärkten hätten sich Österreich und Litauen gestern reibungslos finanziert. Am Rande sei erwähnt, dass Österreichs oberster Schuldenmanager zitiert worden sei, die baldige Aufstockung seiner - anno für Schlagzeilen sorgenden 100-jährigen RAGB - nicht auszuschließen. Neben einer deutschen EUR 4 Mrd. schweren Emission heute, gebe es auch Pläne für eine neue portugiesische 10J-Benchmark. Darüber hinaus plane Italien die Aufstockung einer 2028er Anleihe sowie die Einführung einer neuen 50J-Benchmark.

Unter den SSA-Mandaten heben wir die Pläne der KfW für eine 8-jährige grüne EUR-Benchmark-Anleihe, des deutschen Bundeslandes Niedersachsen für eine 15-jährige EUR-Benchmark-Anleihe und Athora Netherlands' Ambitionen hervor, nachdem man Investorengespräche über eine EUR 250 Mio. - EUR 300 Mio. Anleihe begonnen hatte, so die Analysten der RBI. Dies werde das (relativ verhaltene) gesamte Primärmarktvolumen von EUR 4,75 Mrd. in dieser Woche/April etwas erhöhen.

Südeuropäische Staatsanleihen hätten im gestrigen Handel einen gewissen Rendite-Aufwärtsdruck trotz recht stabiler Bundesanleihen und fallender US-T-Renditen am langen Ende erlebt. Dies könnte im Zusammenhang mit den Tapering-Überlegungen von EZB-Wunsch stehen, die gestern auf Bloomberg Schlagzeilen gemacht hätten. In diesem Zusammenhang stehe die abschließende Pressekonferenz der G20 Finanz- und Zentralbankpolitiker als Top-Down-Treiber Nummer Eins in dieser Woche im Rampenlicht, während die heutige Veröffentlichung des Beige Book der FED inmitten eines sonst dünn besäten Datenkalenders ebenfalls Aufmerksamkeit verdiene. Auf Unternehmensanleihenseite liefen alle Spreads, welche wir auf Indexbasis verfolgen, ein, wobei einmal mehr das HY- und CoCo-Segment am stärksten reagierte, so die Analysten der RBI. CDS-Indices hingegen seien gestern mehr oder weniger unverändert geblieben.

CEZ habe ein Rückkaufangebot in Höhe von EUR 450 Mio. für seine drei Anleihen gestartet: a) USD 288,6 Mio. (Emissionsvolumen USD 700 Mio.) 4,25% Anleihen fällig 2022, b) EUR 750 Mio. 5% Anleihen fällig 2021 und c) EUR 500 Mio. 0,875% Anleihen fällig 2022. Der Rückkaufpreis für die USD-Anleihen sei auf 100,25 festgesetzt worden, mit einer zusätzlichen Prämie von 30 Basispunkten für eine frühzeitige Andienung, wenn diese bis zum 19. April erfolge. Die Rückkaufsrenditen für EUR-Anleihen seien mit -0,50% und -0,25% für Anleihen mit Fälligkeit 2021 bzw. 2022 bekannt gegeben worden. Verfallstermine: 3. Mai für USD-Anleihen und 19. April für EUR-Anleihen.

CEZ habe angekündigt, sein 600-MW-Steinkohlekraftwerk in Detmarovice bis spätestens 2023 abzuschalten und stattdessen 45-MW-Gaskraftwerke für Strom und Wärme zu bauen. Die Ankündigung folge auf den Abschluss des Verkaufs seiner rumänischen Vermögenswerte, wobei der Erlös für den Abbau von Schulden und Investitionen - möglicherweise in die grüne Transformation - vorgesehen sei.

Das Rating der DEMIRE AG sei gestern um eine Stufe auf Ba3 (stabiler Ausblick) herabgestuft worden. Laut Moody's erscheine die von den DEMIRE-Mehrheitsaktionären geforderte zweite Dividendenausschüttung (nach EUR 57 Mio. in Q3 20) bis Q3 21 (EUR 65 Mio.) vor dem Hintergrund eines immer noch unsicheren wirtschaftlichen Hintergrunds aggressiv. Positiv vermerke die Ratingagentur das gut diversifizierte Portfolio von DEMIRE an Gewerbeimmobilien in Sekundärstandorten in Deutschland, die solide operative Performance und die angemessene Liquidität.

Als Teil seines breiteren östlichen Fokus plane Ungarn der Eurasian Development Bank (EDB) beizutreten, einem supranationalen Entwicklungsinstitut, das die wirtschaftliche Integration innerhalb der Eurasischen Wirtschaftsunion erleichtern solle. Sie sei derzeit hauptsächlich Eigentum von Russland (66%) und Kasachstan (33%). Zur Erinnerung: Ungarn sei auch einer der Hauptaktionäre (17,3%) bei einem anderen regionalen multilateralen Kreditgeber für Mittel- und Osteuropa - der Internationalen Investitionsbank mit Sitz in Budapest.

Die "Wiederauferstehung" des ansonsten äußerst lebhaften ESG-Segments nach Ostern könne als unspektakulär zusammengefasst werden. Die Emissionspipeline habe sich dennoch etwas gefüllt und so hätten Emittenten wie das Baskenland mit einer nachhaltigen Anleihe ihre Pläne für anstehende ESG-Emissionen bekannt gegeben. Im gleichen Anleihesegment plane die holländische Agency BNG Bank eine Emission, während die KfW zum wiederholten Male mit einer grünen Emission komme.

Solide RAGB-Aufstockungen gestern mit Tendenz zur 10- gegenüber der 30-Jährigen (RAGB Auction Preview, 1. Apr.). Beide Anleihen seien mehr als zweifach überzeichnet gewesen, wobei EUR 850 Mio. von 0,00% Feb-2031 und 450 Mio. von 0,75% Mar-2051 zugeteilt worden seien (kompetitiv). Inklusive der Bund-Quote seien die geplanten EUR 1,495 Mrd. exakt eingesammelt worden. Laut OeBFA-Chef Stix sei eine Aufstockung der 100J-RAGB nicht auszuschließen. Anderswo sei auch die 0,00% Mar-2028 LITHGB Auktion reibungslos verlaufen (EUR 50 Mio., 2,7x Überzeichnung).

Das IIF schätze, dass im März 21 USD 10,1 Mrd. in EM-Wertpapiere geflossen seien (nach 23,4 und 40,4 im Feb. und Jan.21). Davon hätten die Zuflüsse in EM-Staatsanleihen USD 6,2 Mrd. betragen, nach 17 Mrd. und 29,8 Mrd. im Februar und Januar 2021. Trotz der anhaltenden Neubepreisung der globalen Anleihemärkte stellen wir fest, dass nur die Subregion MEA Abflüsse verzeichnete, und auch diese, nur gering, so die Analysten der RBI. Die aufstrebenden europäischen Staatsanleihenmärkte hätten im März 0,8 Mrd. angezogen, gegenüber 4,1 und 4,9 im Februar und Januar.

IWF sehe Euroraum als Underperformer, CEE auf Spuren der USA. Für den globalen Wirtschaftsausblick sei der IWF gemäß neuen Projektionen äußerst zuversichtlich, für den Euroraum weniger. Hier sowie für sehr viele Länderprognosen in CEE stimmen unsere Prognosen mit denen des IWF größtenteils überein, weniger für Russland, Weißrussland und ausgewählte Länder in Südosteuropa, so die Analysten der RBI. (07.04.2021/alc/a/a)