Die Pferde wollen das EZB-Geld nicht saufen


28.10.16 11:39
Baader Bank

Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Ist Europa noch zu retten? Diese Frage stellt sich momentan nicht nur die Bevölkerung Europas, sondern rund um den Globus, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.

Bereits in den vergangenen Monaten sei bei diversen Themen überdeutlich geworden, dass nationale Überlegungen zahlreicher Staats- und Regierungschefs immer mehr die Ausgestaltung des europäischen Gedankens beherrschen würden. Dies habe sich bisher in teilweise sehr unterschiedlichen Auffassungen bezüglich der Flüchtlings-, der Haushalts-, der Sicherheits- und der Verteidigungspolitik gezeigt. Habe man zuletzt immer noch den Eindruck gehabt, dass zumindest beim Thema Handelspolitik Einigkeit herrschen würde, so hätten die CETA-Verhandlungen diese Annahme widerlegt.

Die Geheimniskrämerei um das mit den USA auszuhandelnde TTIP-Abkommen und die daraus resultierenden Ängste bei einem Großteil der europäischen Bevölkerung hätten sicherlich auch zum Scheitern des mit Kanada angestrebten CETA-Abkommens geführt. Denn Wallonien habe - gestärkt durch nationales Recht - 28 europäische Staaten (einschließlich Belgien) in die Knie gezwungen und somit die feierliche Unterzeichnung des Abkommens auf unbestimmte Zeit verschoben. Durch diese Beharrlichkeit habe Wallonien einen unrühmlichen Bekanntheitsgrad außerhalb Europas erlangt, den keine Werbeagentur der Welt für Geld hätte garantieren können.

Sollte weiterhin das gemeinsame Haus "Europa" bewirtschaftet werden, so werde man nicht umhin kommen, die "Hausordnung" anzupassen und hierbei auch die nationalen Grundlagen so zu gestalten, dass dieser Fall eine Ausnahme bleiben werde. Ansonsten werde Europa, das bereits durch das Referendum Großbritanniens an Ansehen in der restlichen Staatengemeinschaft eingebüßt habe, scheitern. Es werde Zeit, dass die Europa-Politiker dies verinnerlichen und sich endlich an die Generalsanierung des Gebäudes wagen würden, um dessen Einsturz noch zu verhindern. Der Wettlauf mit der Zeit habe bereits begonnen, denn schon seit vielen Jahren würden rechte Populisten versuchen die Uneinigkeit innerhalb der Europäischen Union für sich und ihre Ziele zu nutzen. Sanierung oder Abriss, das sei hier die Frage!

Sollte wieder ein Europa der nationalen Grenzen entstehen, so würde dies sicherlich nicht geräuschlos vonstattengehen und ganz andere Probleme schaffen. So wäre das höchste Gut der Nachkriegszeit - Frieden im Zentrum Europas - in Gefahr und könnte schon bald nur noch in den Geschichtsbüchern Erwähnung finden.

Vor der anstehenden Übernahme des US-Saatgutspezialisten Monsanto habe die Bayer AG ihre Gewinnerwartungen erhöht. So rechne der Chemie-Konzern für den bereinigten Gewinn je Aktie inzwischen mit einem Plus im oberen einstelligen Prozentbereich. Vor diesem Hintergrund seien neben den Aktien auch die Corporate Bonds der Leverkusener in den Fokus der Anleger gerückt. Gesucht gewesen sei in dieser Woche unter anderem ein bis 1/2021 laufender Titel (ISIN XS1023268573 / WKN A1YC3K), der bei einem Kurs von ca. 107,10% mit rund 0,20% rentiere. Ebenso notiere ein weiterer Bond von Bayer, der am 13.11.2023 endfällig werde, mit ca. 105,50% und einer Rendite von rund 0,45%.

Ins Visier der Anleger seien allerdings auch die Anleihen von Volkswagen geraten, nachdem das Bundesbezirksgericht San Francisco den milliardenschweren Vergleich des Konzerns über rund 15 Mrd. US-Dollar mit den Volkswagen-Besitzern in den USA endgültig abgesegnet habe. Doch für Volkswagen seien damit noch längst nicht alle Schlachten geschlagen. Zu viele Unwägbarkeiten würden weiterhin auf dem Wolfsburger Unternehmen lasten. Dennoch seien die Bonds trotz dieser Risiken standhaft geblieben, wie beispielsweise ein Titel (ISIN XS1216647716 / WKN 780516) von Volkswagen Financial Services verdeutliche. Der Bond, der 10/2021 fällig werde, habe gestern bei ca. 101,25% notiert, was einer Rendite von ca. 0,49% entspreche.

Beim Dünger- und Salzkonzern K+S seien die Kurse der Anleihen nach der Herabsetzung der Kreditwürdigkeit eingeknickt. Die Ratingagentur S&P habe ein Downgrade von "BBB-" auf "BB+" verkündet, das auch als "Ramschniveau" bezeichnet werde, und den Schritt mit anhaltend niedrigen Kalipreisen, Produktionseinschränkungen in Deutschland sowie einer erwarteten leichten Verzögerung bei einem Kaliminen-Projekt in Kanada begründet. Nachdem die Bond-Kurse von K+S bereits Mitte August schon einmal abgesackt seien, um nun nach einer zwischenzeitlichen Erholungsphase erneut zu fallen. So notiere ein bis 12/2021 laufender Titel (ISIN XS0997941355 / WKN A1YCR5) bei ca. 112,10% und damit weit von seinem Höchstkurs im Juli 2016 bei 118,48% entfernt.

Unverändert auf einem historischen Rekordtief von null habe die Europäische Zentralbank (EZB) in der vergangenen Woche den Leitzins belassen. Auch die beiden anderen Zinssätze hätten auf dem bisherigen Stand verharrt: Kurzfristig bei der EZB geparktes Geld koste weiterhin einen Strafzins von 0,4%. Und bei kurzfristigen Kapitalspritzen und so genannten Übernachtkrediten würden wie bisher 0,25% Zinsen fällig. Außerdem sollten die monatlichen Ankäufe von Anleihen über 80 Mrd. Euro mindestens bis März 2017 fortgesetzt werden.

Die Geldflut halte also an und doch rühre sich das Pflänzchen Inflation kaum. Die Kreditvergabe in Euroland stagniere und das Wachstum bleibe gering. Damit werde klar, dass die EZB auch nach sieben Jahren expansiver Geldpolitik in der Eurozone an ihre Grenzen stoße.

Wenn Banken das billige Geld nicht als Kredite ausreichen würden, wolle kein Wachstumsimpuls entstehen. Dafür würden zum einen höhere Eigenkapitalanforderungen und zum anderen die eigene Ertragsschwäche der Banken bedingt durch die Nullzinsphase sorgen. Die Katze beiße sich also in den Schwanz. Hinzu kämen zurückhaltende Verbraucher und Unternehmen, die ihr Geld eher horten als ausgeben würden. Und dann wären da noch die Staaten selbst, die just aufgrund des billigen Geldes keinen Anreiz zum Sparen und zur Einleitung von Reformen hätten. In einer entfernt verwandten Situation habe einmal der damalige deutsche Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller sinngemäß in den 1960er Jahren gesagt, es sei zwar angerichtet, aber die Pferde wollten nicht saufen.

Nun würden die Märkte bereits auf die Dezember-Sitzung der EZB blicken, für die ihr Präsident Mario Draghi Entscheidungen angedeutet habe. Bis dahin wolle die EZB ihre aktuellen Konjunktur- und Inflationsprognosen vorlegen. Sollte es notwendig sein, werde die Notenbank alle ihr zur Verfügung stehenden Instrumente einsetzen, habe Draghi betont. Gleichzeitig habe er klargestellt, dass keiner ein abruptes Ende der Anleihekäufe wolle, nachdem in jüngster Zeit Spekulationen über ein absehbares Ende der Geldschwemme aufgekommen seien.

Auch Anleihen von Portugal könne die EZB nun weiter ankaufen. Mit der kanadischen DBRS habe die vierte und gleichzeitig einzige Ratingagentur, an denen sich die Zentralbank bei ihren Anleihekäufen orientiere, Portugal gerade nochmal auf "BBB (low)" belassen und dem Land einen positiven Ausblick bestätigt. Damit bleibe Portugal für DBRS ein Investment Grade, was zu den selbst formulierten Voraussetzungen für die EZB gehöre, um Bonds dieser Länder im Rahmen ihres Anleihekaufprogramms zu erwerben.

Indessen hat Fitch den Ausblick für Italien von stabil auf negativ gesenkt. Die Einstufung der Bonität hat die Ratingagentur bei "BBB+" belassen. Auch Frankreich hat bei S & P unveränderte Noten erhalten. Die Einstufung blieb bei "AA", während S & P den Ausblick von negativ auf stabil verbessert hat. Zuletzt wurde auch noch die Kreditwürdigkeit Zyperns überprüft. Hierbei hat Fitch eine Höherstufung auf "BBB-" bei positivem Ausblick beschlossen.

Der Blick aufs eigene Bankkonto stimme die Mehrheit der Bundesbürger recht zufrieden. Immerhin würden 52% ihre finanzielle Situation als gut bis sehr gut bewerten. Dies gehe aus dem Vermögensbarometer des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) für 2016 hervor. Im Vergleich mit den Vorjahren sei der Anteil der Zufriedenen allerdings rückläufig.

Für deutlich mehr Stirnrunzeln als in den Vorjahren sorge indessen die anhaltende Nullzinsphase. So sei für 58% der Befragten die Geldpolitik der EZB das Hauptthema im Blick auf ihre Ersparnisse. Im Vorjahr hätten noch 41% die faktisch abgeschafften Zinsen als ihre größte Sorge genannt. Mehr konsumieren möchten die Bundesbürger aufgrund des billigen Geldes dann auch wieder nicht. Der Umfrage zufolge hätten nur 5% ihre privaten Ausgaben erhöht, was ein Allzeittief bedeute. 20% hätten dagegen ihren Konsum sogar eingeschränkt.

Auf ein gutes Drittel (36%) sei der Anteil derer gesunken, die rein gar nichts fürs Alter zurücklegen würden. Dies dürfte sich wohl auch am 31. Oktober, dem bevorstehenden Weltspartag, nicht ändern. Dieser sei inzwischen zu einer Veranstaltung der Banken und Sparkassen ohne Zinsen geworden.

Ein jährlicher Zins von 1,50% sei dagegen heutzutage ein Wort. Wenn dieser Kupon aber mit einer Laufzeit von 70 Jahren verbunden sei, komme ein fader Beigeschmack auf - wie bei der jüngsten Anleihe (ISIN AT0000A1PEF7 / WKN A188ER) des Staates Österreich, die am 02.11.2086 endfällig werde. Dies bedeute die längste Laufzeit, zu der jemals eine europäische Anleihe begeben worden sei. Erst vor kurzer Zeit habe das Agieren von Österreich und dem Bundesland Kärnten bei den Anlegern ein "G'schmäckle" hinterlassen, als man sich im Zusammenhang mit dem Heta-Streit aus der Verantwortung habe schleichen wollen. Und somit staune man schon, wenn in der Zwischenzeit Kärntens Bonität wieder heraufgesetzt worden sei und die Investoren eine besondere Art der "Demenz" hätten.

Die Schulden würden hoch, die notwendigen Reformen unerledigt bleiben. Dennoch gebe es ein paar kleine Lichtblicke. So lasse sich der Zustand Europas mit Blick auf die Schuldenländer zusammenfassen.

Immerhin, die Zeit der politischen Agonie in Spanien scheine vorüber. Die Sozialisten in Madrid hätten dafür gestimmt, den Weg für eine weitere Amtszeit von Ministerpräsident Rajoy freizumachen. Damit bekomme das Land nach einer zehnmonatigen Phase des Stillstands wieder eine handlungsfähige Regierung. Hätten sich die Parteien bis zum 31. Oktober nicht geeinigt, so hätte König Felipe VI. das Parlament auflösen und die Bürger zum dritten Mal innerhalb eines Jahres zur Wahl rufen müssen. Für Rajoy gebe es viel zu tun. Trotz aufkeimenden Wachstums dürfte das Land seine von der EU-Kommission auferlegten Defizitvorgaben verfehlen.

"Stetige Fortschritte" bei Reformen bescheinige der Euro-Rettungsfonds ESM der Regierung in Athen und gebe weitere 2,8 Mrd. Euro an Hilfen für Griechenland frei. Die griechische Regierung habe Schlüsselreformen im Rentensystem, im Bankensektor, im Energiebereich und bei der Steuererhebung umgesetzt, habe Fonds-Chef Klaus Regling erklärt. Zudem habe das Land weitere Schritte unternommen, um den neuen Privatisierungs- und Investmentfonds einsatzbereit zu machen. Aufgrund der hohen Staatsverschuldung von mehr als 170% des Bruttosozialprodukts habe Hellas noch einen weiten Weg vor sich. Zumal sich nach den jüngsten Berichten bei der Rentenkasse Außenstände von 17 Mrd. Euro angehäuft hätten.

Mit Mauern drohe indessen Italiens Wirtschaftsminister Carlo Padoan, sollte die EU dem Land nicht erlauben, seinen Haushalt angesichts des Flüchtlingsstroms und des jüngsten Erdbebens aufstocken zu dürfen. Dann bliebe dem Land nur derselbe Weg, wie ihn Ungarn mit seiner Abschottungspolitik betreibe. Italiens Ministerpräsident Renzi erhöhe allerdings auch auf andere Weise nochmals den Druck und drohe den Osteuropäern mit einem Veto bei der künftigen EU-Finanzplanung. Italien erwarte für 2017 ein Defizit von 2,3% nach angekündigten 2%. Der Haushaltsentwurf des hoch verschuldeten Landes müsse von der EU-Kommission abgesegnet werden.

Geradezu im Rekordtempo sinke in Frankreich die Arbeitslosigkeit. Gegenüber dem Vormonat habe Paris im September einen Rückgang um 1,9% auf knapp 3,5 Millionen registriert, den besten Wert seit Januar 2015. Trotz der spürbaren Erholung liege die Zahl der Arbeitslosen damit aber immer noch um knapp 600.000 höher als zum Amtsantritt von Francois Holland im Jahr 2012, und das sei sicherlich anders geplant gewesen.

Der Oktober neigesich dem Ende entgegen und die Finanzchefs würden final ihren Refinanzierungsbedarf für die kommenden Monate checken. Denn bereits in ca. acht Wochen sei Weihnachten und dann müssten die Unternehmen fit sein für die neue Rechnungsperiode und die anstehenden Projekte.

Vor diesem Hintergrund habe Danone die Marktentwicklung genutzt und sich attraktive Konditionen für zukünftige Aufgaben gesichert. Das Unternehmen habe insgesamt 6,2 Mrd. Euro refinanziert, verteilt auf fünf Anleihen. Die Investoren hätten entsprechend ihrer Vorlieben und Bedürfnissen zwischen Laufzeiten von zwei bis zwölf Jahren wählen können. Die erste Tranche sei ein 2-jähriger Floater (ISIN FR0013216884 / WKN A188JJ) im Volumen von 1,35 Mrd. Euro mit Laufzeitende am 03.11.2018 und einer quartalsweisen Verzinsung in Höhe von +15 Bps über 3-Monats-Euribor.

Bei den anderen vier Gattungen handle es sich um Anleihen mit fixen Kupons und folgenden Ausstattungen: (ISIN FR0013216892 / WKN A188JL), fällig: 03.11.2020; Vol.: 1 Mrd. Euro; Kupon: 0,167% p.a.; +28 Bps über Mid Swap; (ISIN FR0013216900 / WKN A188JG), fällig: 03.11.2022; Vol.: 1Mrd. Euro; Kupon: 0,424% p.a.; +40 Bps über Mid Swap; (ISIN FR0013216918 / WKN A188JH), fällig: 03.11.2024; Vol.: 1,25 Mrd. Euro; Kupon 0,709% p.a.; +50 Bps über Mid Swap; (ISIN FR0013216926 / WKN A188JK), fällig: 03.11.2028; Vol.: 1,6 Mrd. Euro; Kupon 1,208% p.a.; +65 Bps über Mid Swap.

Alle hier beschriebenen Bonds seien zu pari emittiert worden und würden mit Ausnahme des Floaters über ein optionales Sonderkündigungsrecht zugunsten des Emittenten (Make-Whole-Option) verfügen. Insbesondere institutionelle Anleger seien aufgrund des Mindestanlagebetrages von 100.000 Euro als Zielgruppe auszumachen.

Darüber hinaus sei die TUI AG am Primärmarkt aktiv geworden. Der bekannte Reiseveranstalter habe 300 Mio. Euro mittels einer 5-jährigen Anleihe (ISIN XS1504103984 / WKN A2BPFK) und zahle dafür jährlich bis zum 26.10.2021 einen Kupon in Höhe von 2,125% refinanziert. Die Anleihe sei mit +275,3 Bps über der entsprechenden Bundesobligation gepreist worden, was einen Emissionspreis von 99,415% ergeben habe. Auch TUI habe sich ein optionales Kündigungsrecht (Make-Whole-Option) mit in die Anleihebedingungen aufnehmen lassen. Durch die gewählte Stückelung von 100.000 Euro richte sich diese Anleihe ebenfalls in erster Linie an institutionelle Investoren.

Nach der EZB-Sitzung am vergangenen Donnerstag und einem kurzzeitigen Abtauchen des Rentenbarometers Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) auf 163,24% sei zum Handelsschluss die Marke von 164% übersprungen worden, die zum Wochenschluss sogar habe gehalten werden können. Dieses Niveau sei zum Auftakt in die neue Handelswoche und in Kenntnis der Kapitalmarkt-Rahmenbedingungen als nachvollziehbar eingestuft worden, aber gemäß dem Motto "unverhofft, kommt oft" sei doch alles anders gekommen.

Hervorgerufen durch eine wahre Flut von Neuemissionen, hätten die Investoren die Qual der Wahl, jedoch nicht den entsprechenden Anlagebedarf gehabt. Seit vielen Jahren könne man den Euro-Bund-Future mit einem Heißluftballon vergleichen, der immer höher und höher steige. Daran habe sich mancher Marktteilnehmer gewöhnt und daher in den vergangenen Tagen gefühlt, als wäre er in ein "Luftloch" geflogen. Die Gefahr unvorhergesehener Marktverwerfungen werde in den kommenden Handelswochen eher höher als geringer werden. Denn diverse Notenbankentscheidungen, Roll-Over-Aktivitäten bei den Futures-Kontrakten und der Ausgang der US-Präsidentschaftswahl würden die Zeit bis zum Jahresultimo kurzweilig gestalten.

Mit dem gestrigen "Absturz" auf 162,89% sei charttechnisch die untere Begrenzungslinie des kurzfristigen Aufwärtstrends seit Mitte September getestet worden. Ein nachhaltiges Abgleiten unter die Marke von 162,90% würde eine Reaktion auf 162,20% ermöglichen. Nach oben sei der Weg sehr steinig geworden, denn aktuell verlaufe die obere Leitplanke des Abwärtstrendkanals bei 164,20% und reduziere sich täglich nur um 0,10 Prozentpunkte. Somit ergebe sich für die kommenden Tage vorerst eine Handelsrange zwischen 162,90% und 164,10%. Gestern habe das Sorgenbarometer bei 163,10% notiert.

In den USA seien in dieser Woche - nach einer Rückkehr zur Tagesordnung - sowohl Geld- als auch Kapitalmarktpapiere in einem Gesamtvolumen von 229 Mrd. USD begeben worden. Zur Wahl seien den Investoren Wertpapiere mit Laufzeiten von vier Wochen, drei bzw. sechs Monaten, zwei, fünf und sieben Jahre gestellt worden. Bei den 2-jährigen T-Notes habe sogar zwischen einem festen Kupon und einem Floater optiert werden können.

In Euroland hingegen würden auch nicht in der Summe aller Länder (ca. 16 Mrd. Euro) solche Beträge refinanziert. So habe Belgien mit der Aufstockung dreier Altemissionen (ISIN BE0000324336 / WKN A1GSKN, 2026; ISIN BE0000335449 / WKN A1ZWX5, 2026; ISIN BE0000331406 / WKN A1HQ0J, 2045) den Auftakt gemacht und Finnland sei einen Tag später (ISIN FI4000148630 / WKN A1ZX60, 2031) gefolgt. Am Mittwoch habe Deutschland schließlich das Emissionsvolumen der aktuellen 5-jährigen Bundesobligation Serie 174 (114174) um 3 Mrd. Euro auf insgesamt 16 Mrd. Euro erhöht. Die Zuteilung der 1,5fach überzeichneten Gattung sei bei einer Durchschnittsrendite von -0,46% erfolgt. Am gleichen Tag und heute war bzw. wird Italien mit diversen Anleihen am Kapitalmarkt in Erscheinung treten, so die Analysten der Baader Bank.

Für den Höhepunkt der Woche habe allerdings die Alpenrepublik Österreich gesorgt, die mit einer 70-jährigen Staatsanleihe (ISIN AT0000A1PE50 / WKN A188ES) in der Eurozone Neuland betreten und somit ein Zeichen gesetzt habe. Die Platzierung sei trotz der langen Laufzeit unproblematisch gewesen. Man werde sehen, ob auch andere Staaten Bonds mit solchen oder ähnlichen Laufzeiten kreieren würden.

Die europäische Gemeinschaftswährung habe ihre seit einigen Wochen anhaltende Talfahrt weiter fortgesetzt. Seit Anfang Oktober befinde sich der Euro somit fast gänzlich auf der Verliererseite. So sei es gekommen, dass die Einheitswährung in dieser Woche bis auf 1,0851 USD abgesackt sei und damit ein neues Sieben-Monats-Tief markiert habe. Die momentane Robustheit des US-Dollar sei hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Dezember durch die US-Notenbank FED fast täglich zunehme. Dies beflügle den Greenback und bringe die Währung Eurolands zunehmend unter Druck.

Nach den herben Verlusten habe die Gemeinschaftswährung allerdings im vorgestrigen Handelsverlauf wieder etwas Boden gut machen und die Marke von 1,09 USD nachhaltig überwinden können, mit 1,0946 US-Dollar sei sogar ein neues Wochenhoch erreicht gewesen. Die Erholung des Euro sei unter anderem in Gewinnmitnahmen begründet gewesen. Gestern Morgen habe das Devisenpaar EUR/USD bei 1,0905 USD gehandelt.

Ähnlich der Entwicklung zum Greenback präsentiere sich der Euro auch zu weiteren US-Dollar-Währungen sehr anfällig. Zum Australischen Dollar (AUD) sei der Euro innerhalb der vergangenen Berichtswoche zeitweise bis auf 1,41284 AUD zurückgefallen und habe damit so wenig wie zuletzt im Mai 2015 gekostet. Im Vergleich zum Kiwi-Dollar (Neuseeland-Dollar, NZD) habe die Einheitswährung gleichermaßen verloren und sei bis auf 1,5071 NZD abgerutscht, nachdem sie zu Monatsbeginn noch um die Marke von 1,58 NZD gehandelt habe.

So seien verstärkt Aktivitäten in den verschiedenen Dollarwährungen zu beobachten gewesen. Darüber hinaus seien Währungsanleihen lautend auf Brasilianische Real, Türkische Lira und auch Norwegische Kronen auf den Kauflisten zu finden gewesen.

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten. (Ausgabe vom 27.10.2016) (28.10.2016/alc/a/a)





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