Peak-Inflation - die Spitze ist erreicht


27.05.22 15:57
BNP Paribas

Paris (www.anleihencheck.de) - In der kommenden Woche werden wieder neue Inflationszahlen gemeldet: Am Montag der Harmonisierte Verbraucherpreisindex für Deutschland und am Dienstag die Entwicklung der Verbraucherpreise in der Eurozone, so Olaf Hordenbach, Chefredakteur des Kundenmagazins von BNP Paribas "Märkte & Zertifikate weekly".

Für beide würden Experten Rekordwerte erwarten. Für den Harmonisierten Verbraucherpreisindex, kurz HVPI, in Deutschland lägen die Schätzungen bei 8,2 Prozent, nach gemeldeten 7,8 Prozent im Vormonat. Dabei seien es zuletzt vor allem die Energie- und Nahrungsmittelpreise gewesen, die den Index nach oben getrieben hätten. Allein die Energiepreise seien in den zurückliegenden zwölf Monaten um über 35 Prozent gestiegen. Spitzenreiter seien dabei das Heizöl, dessen Preis sich nahezu verdoppelt habe, und das Erdgas, das rund 50 Prozent mehr gekostet habe als im April 2021, gewesen.

Die Gründe für die Preiszuwächse seien bekannt, unter anderem die Auseinandersetzung mit Russland und die Nachwirkungen der Corona-Pandemie - und sie dürften sich noch eine Zeit lang fortsetzen. Das heiße, die Inflation werde erhalten bleiben. Das sei die schlechte Nachricht. Die gute: Die Preissteigerungen würden nicht mehr so saftig ausfallen. Im März etwa seien die Energiepreise im Vergleich zum Vorjahresmonat noch um fast 40 Prozent gestiegen. Und im Vergleich zum Vormonat sei Heizöl im April sogar billiger zu haben gewesen, immerhin um rund 20 Prozent.

Es dürfe also die Hoffnung geäußert werden, dass die Inflation zumindest ihren Höhepunkt überschritten habe. Das heiße nicht, dass morgen alles billiger werde, aber die Preissprünge nach oben würden geringer. Olaf Hordenbach nenne diese Situation einfach mal "Peak-Inflation", in Anspielung an den Begriff "Peak-Oil". Peak-Oil meine, dass die Ölproduktion weiter floriere, das Maximum der Förderung aber erreicht sei. Und so ähnlich könnte es nun auch bei der Inflation sein.

Dafür spreche auch der Umstand, dass natürlich schon rein rechnerisch die Inflationsrate nach einer gewissen Anpassungsphase abflache, da sich ja auch der Bezugszeitraum verändere. Im Moment beziehe sich die jährliche Inflationsrate noch auf eine Phase vor einem Jahr, in der die Preise sehr wenig gestiegen seien. In den kommenden Monaten ändere sich das aber, dann rücke als Bezugszeitraum der Sommer 2021 in den Fokus, und damals habe die Inflation an Fahrt aufgenommen.

Damit sei das Problem Inflation nicht vom Tisch, es werde aber, vor allem an der Börse, an Brisanz verlieren. Nichts sei für Börsianer so langweilig wie das, was sei. Sie würden lieber nach vorne schauen, Prognosen seien wichtiger als Fakten. Mit der Prognose, dass die Inflation ihren Höhepunkt erreich habe, würden andere Themen in den Vordergrund rücken, etwa die Herausforderungen durch den Klimawandel oder auch der Wiederaufbau der Ukraine. Solche Themen möge man an der Börse, was wiederum die Kurse steigen lassen könnte. "Freuen wir uns also auf ein gutes zweites Halbjahr - hoffentlich", so Olaf Hordenbach. (27.05.2022/alc/a/a)