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Optimistischere FED-Projektionen


18.12.20 10:00
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Bei den Renditen der Staatsanleihen aus Deutschland und den USA konnte in den vergangenen Tagen eine leichte Aufwärtsbewegung beobachtet werden, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt bei der Hamburg Commercial Bank.

Man bewege sich allerdings auch weiterhin innerhalb der Bandbreiten der vergangenen Wochen. So würden die zehnjährigen Bunds derzeit bei -56 BP und die Pendants aus den USA bei 93 BP rentieren. Begleitet worden sei die leichte Aufwärtsbewegung von einer freundlichen Entwicklung der Aktienmärkte. Parallel dazu habe Bitcoin drei Jahre nach dem kurzzeitigen Erreichen der 20.000er Marke diesen Wert erneut überschritten. Die Aktienmärkte hätten zuletzt auch Unterstützung von der FED bekommen, die am 16.12. getagt habe und weiterhin auf einem expansiven Kurs bleibe.

Konkret habe die FED wiederholt, dass sie den Ankauf von Anleihen im Volumen von mindestens 120 Mrd. US-Dollar pro Monat (80 Mrd. US-Dollar T-Notes, 40 Mrd. US-Dollar Mortgage Backed Securities, MBS) so lange fortsetzen werde, bis "substanzieller Fortschritt in Richtung unserer Ziele maximaler Beschäftigung und Preisstabilität" gemacht worden sei. Notenbankpräsident Jerome Powell habe ergänzt, dass im Fall eines zu langsamen Fortschritts die Ankäufe beschleunigt werden könnten.

Angesichts der Tatsache, dass man das Inflationsziel im Zuge der strategischen Neuausrichtung umformuliert habe - man ziele jetzt auf einen mehrjährigen Durchschnitt von 2% - sei davon auszugehen, dass das Erreichen von 2% Inflation nicht der Zielerreichung entspreche. Vielmehr müsse das Ziel eine höhere Inflation sein, um die Zielverfehlung der letzten Jahre wieder auszugleichen. Dies impliziere, dass die Ankäufe vermutlich über das Jahr 2021 hinaus in der jetzigen Größenordnung stattfinden würden. Die FED habe nicht die Erwartung einiger Marktteilnehmer erfüllt, das Ankaufprogramm in Richtung längerer Laufzeiten zu verschieben. Richtigerweise habe Powell festgestellt, dass die Zinsen bereits sehr niedrig seien und die jetzt leidenden Sektoren nicht mit zu hohen Zinsen, sondern mit Covid-19 zu kämpfen hätten. Gefordert sei daher - diese Aussage von Powell sei hinlänglich bekannt - die Fiskalpolitik.

Bei den neuen Prognosen der FED-Mitglieder sei ein allgemeiner Trend der Hochrevisionen festzustellen. Bemerkenswert sei, dass man für das laufende Jahr nur noch einen BIP-Rückgang von 2,4% erwarte. Im September sei man noch von einem Rückgang um 3,7% ausgegangen. Auch für das kommende Jahr sei man bezüglich des Wachstums noch optimistischer als bisher und erwarte im Schnitt einen BIP-Zuwachs um 4,2% (bisher: 4,0%). Entsprechend werde auch bei der Arbeitslosenrate ein deutlicher Rückgang auf 5,0% (bisher: 5,5%) bis Ende 2021 projiziert, von derzeit 6,7%.

Auch bei der Inflation sähen die FED-Präsidenten etwas mehr Dynamik. Sie sollte demnach auf 1,8% Ende 2021 gestiegen sein, 0,1 Prozentpunkte höher als im September veranschlagt. Insgesamt scheine man bei der FED davon auszugehen, dass der Weg zur Herdenimmunität mithilfe von Massenimpfungen relativ rasch und erfolgreich verlaufen werde.

In Bezug auf die Verhandlungen zwischen Republikanern und Demokraten über ein 900 Mrd. US-Dollar schweres Fiskalpaket werde von Fortschritten berichtet. Man könne nicht ausschließen, dass es hier doch noch vor Jahresende zu einer Einigung komme.

Darüber hinaus würden die Brexit-Verhandlungen dafür sorgen, dass die Weihnachtszeit nicht ganz so ruhig verlaufen werde, wie das aus der Vergangenheit bekannt sei. Wir machen auch hier Fortschritte aus und sind zuversichtlich, dass es doch noch zu einer Lösung kommt, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank. Weiter werde es sich nicht vermeiden lassen, die Corona-Zahlen im Blick zu behalten. In Deutschland würden sie allerdings frühestens in zehn Tagen darüber Aufschluss geben, in welchem Ausmaß der gestern gestartete harte Shutdown zu niedrigeren Inzidenzzahlen führe.

Der Datenkalender für die nächsten Tage sei naturgemäß etwas ausgedünnt. Am 18.12. sei auf den ifo-Index zu schauen, der teilweise die Ankündigung des harten Lockdowns bereits widerspiegeln sollte. Interessant sei auch das bislang weiterhin schwächelnde Konsumentenvertrauen GfK in Deutschland (22.12.). Darüber hinaus stehe Weihnachten vor der Tür! (Ausgabe vom 17.12.2020) (18.12.2020/alc/a/a)