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Notenbanken: Der internationale Trend geht klar Richtung Straffung der Geldpolitik


20.12.21 10:15
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Vor den Feiertagen hatten viele Notenbanken (FED, EZB, BoJ, BoE, Schweizer Nationalbank SNB, Norges, CBR u.v.m.) noch einmal einen großen Auftritt, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Der internationale Trend gehe klar Richtung Straffung der Geldpolitik und einige Zentralbanken hätten auch in der abgelaufenen Woche die Leitzinsen angehoben. Die Europäische Zentralbank habe beschlossen, die zusätzlichen Impulse der Corona-Krisenmaßnahmen (PEPP, PELTRO, TLTRO III) auslaufen zu lassen. Der Rückbau der Anleihekäufe solle dabei graduell erfolgen (temporäre Erhöhung des APP). Die Beschlüsse seien einerseits ein Schritt Richtung weniger expansive Geldpolitik und die EZB reihe sich somit in den internationalen Trend ein. Die Straffung der Geldpolitik erfolge andererseits im Vergleich zu anderen Notenbanken sehr maßvoll. Es dürfe nicht vergessen werden, dass allein das aufgebaute Anleihenportfolio des PEPP sowie die ausstehenden TLTROs noch lange eine zinsdämpfende Wirkung entfalten würden.

Die Zeitspanne der Wiederveranlagung abreifender Anleihen, welche im Rahmen des PEPP erworben worden seien, sei zudem von Ende 2023 auf Ende 2024 verlängert worden. Ein Festhalten an der Negativzinspolitik sei für das Jahr 2022 bekräftigt worden, scheine aber nicht mehr unumstößlich. Die Notenbank öffne sich mit ihrer neuen Guidance zum APP (ab Oktober 2022 zeitlich unbegrenzt, aber datenabhängig) Spielraum für eine erste Zinsanhebung Ende 2022/Anfang 2023. Sie selbst halte aber eine Zinserhöhung im kommenden Jahr für sehr unwahrscheinlich. Bestätigt sich das Wirtschaftsprognoseszenario der EZB, mit dem wir weitgehend übereinstimmen, sollte eine erste Zinsanhebung frühestens Ende 2023 ein Thema sein, so die Analysten der RBI.

Die Federal Reserve habe in ihrer Zinssitzung die Einschätzung "großteils vorübergehender Inflationsanstiege" beiseitegelegt und konzentriere sich nun vielmehr auf die Risiken, welche mit einer länger anhaltenden und breiter aufgestellten Inflation einhergehen würden. Dies stelle eine Kehrtwende der Inflationseinschätzung dar und impliziere auch Anpassungen im geldpolitischen Ausblick. Die Reduktion der Netto-Anleihekäufe werde beschleunigt und solle Mitte März enden (zuvor: "zur Jahresmitte"). Dies erhöhe auch den Spielraum der FED, früher einen Leitzinserhöhungszyklus einzuleiten. Und die aktualisierten Prognosen der FED würden in der Tat zeigen, dass die Mitglieder des Offenmarktausschusses nun drei Zinserhöhungen im Jahr 2022 erwarten würden. Unsere Prognose von zwei Zinsschritten erscheint demnach eher konservativ und ein früherer Zinsschritt, etwa auf der Juni-Zinssitzung, hat an Wahrscheinlichkeit gewonnen, wird aber davon abhängen, wie rasch und ob sich die Inflationsdynamik in den kommenden Monaten abschwächt, so die Analysten der RBI. Die Renditeprognosen der Analysten der RBI würden das Risiko einer hawkisher werdenden FED widerspiegeln und seien somit weiter intakt.

Auch die SNB habe im Rahmen ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung getagt und halte an ihrer expansiven Geldpolitik fest. Die Ausführungen von Präsident Thomas Jordan zu Beginn des Mediengesprächs seien in zweierlei Hinsicht interessant gewesen. Zum einen schätze die SNB, im Gegensatz zur FED, die aktuelle Inflationsentwicklung sowohl in der Schweiz als auch global als vorübergehend ein. Zum anderen sei Herr Jordan explizit auf die starke nominelle Aufwertung des Schweizer Franken eingegangen. Demnach bleibe die Franken-Bewertung der SNB unverändert, da die hohe Inflation außerhalb der Schweiz der realen Aufwertung entgegenwirke. Die SNB deute damit an, dass der reale, handelsgewichtete Wechselkurs das Entscheidungskriterium für Devisenmarkinterventionen sei und bestätige damit die Einschätzung der Analysten der RBI von November. (Ausgabe vom 17.12.2021) (20.12.2021/alc/a/a)