Notenbank-Konferenz in Jackson Hole: "Wenn ein Bogenschütze eine Zielscheibe stets verfehlt..."


21.08.19 11:30
Aberdeen Standard Investment

London (www.anleihencheck.de) - James McCann, Senior Global Economist bei Aberdeen Standard Investments, gibt einen Ausblick auf die bevorstehende Notenbanken-Konferenz in Jackson Hole und legt dar, warum der Versuch der Federal Reserve, die verlorene Glaubwürdigkeit wiederherzustellen, der Institution letztlich nur weiter schaden könnte.

Das Treffen in Jackson Hole am kommenden Wochenende wolle sich mit den 'Herausforderungen der Geldpolitik' befassen. Wahrscheinlich werde aber vor allem über die Verdienste der FED gesprochen. Oder aber darüber, ob die FED die Zinsen weiter senke oder nicht.

Die FED befinde sich in einer schwierigen Situation: Sie müsse den Anlegern einerseits vermitteln, dass sie am Puls der Wirtschaft sei und andererseits sollten die Notenbanker wieder mit einer konsistenten Botschaft auftreten - und dass nach einigen ziemlich großen Kommunikationspannen in den letzten Monaten.

Es gebe jedoch eine noch viel größere Herausforderung, die in Jackson Hole auf der Tagesordnung stehen sollte. Die FED habe im vergangenen Jahr eine Überprüfung ihrer geldpolitischen Ziele sowie der Mittel zu deren Erreichung initiiert, und es bestehe die Gefahr, dass die Notenbank im Vorfeld der Ergebnispräsentation Schlussfolgerungen vorwegnehme.

Diese Überprüfung sei eine einmalige Gelegenheit für die FED, um zu analysieren, was sie tue und wie sie es tue. Das sei wichtig, denn das angestrebte Inflationsziel von 2 Prozent pro Jahr habe die FED seit 2012 - bis auf fünf Monate - jeden Monat unterschritten.

Die Anleger hätten entsprechend wenig Vertrauen, dass die FED Ihr Ziel erreiche und so sei dieses für die Wirtschaft als Referenzpunkt immer weniger wichtig.

Die Art und Weise, wie die Überprüfung ausgestaltet worden sei, deute darauf hin, dass zur Lösung des Problems die verwendeten Leitlinien geändert würden.

Die FED schlage vor, die Leitlinien dahingehend zu ändern, dass eine Art Ausgleich erfolgen solle, falls das Inflationsziel verfehlt werde. Auf diese Weise solle der Referenzrahmen für das Inflationsziel verbessert werden. Das Problem dabei sei, dass die FED die Schuld für ihr Unvermögen, das Inflationsziel zu erreichen, nicht einzig auf die Instrumente schieben könne, die ihr zur Verfügung stünden.

In diesem Kontext habe die FED immer wieder das Maß frei verfügbarer Kapazitäten in der Wirtschaft unterschätzt, und gleichzeitig das Niveau des Gleichgewichtszinses überschätzt und, teilweise als Folge davon, zu hohe Inflationsraten prognostiziert.

Als Konsequenz habe die FED nach der Krise unzureichende politische Unterstützung geleistet und die Maßnahmen mehrfach voreilig zurückfahren wollen. Die FED habe sporadisch QE-Schübe initiiert, einen Politikfehler während des 'Taper Tantrums' begangen und die Geldpolitik in den letzten 18 Monaten zu leichtfertig gestrafft.

Mit anderen Worten, die FED habe Fehler begangen und nicht einmal alle ihr zur Verfügung stehenden Instrumente genutzt. Es sei also nicht offenkundig, wieso neue geldpolitische Leitlinien diese Fehler beheben sollten.

Selbst wenn die geldpolitischen Leitlinien das Problem wären, würde ein einfacher Wechsel zu einer anderen Leitlinie kein Allheilmittel darstellen. Alles was passieren würde sei die Zielsetzung von einer Vorgabe zur nächsten zu verschieben. Wenn ein Bogenschütze eine Zielscheibe stets verfehle, würde niemand auf die Idee kommen, dass die Lösung darin bestehe, mit derselben Technik auf eine anderes Ziel zu schießen.

Um das Vertrauen der Investoren in den Referenzrahmen für das Inflationsziel wiederherzustellen, müsse die FED viel mehr tun, als nur ihre Leitlinien zu betrachten. Sie müsse eine viel grundlegendere Debatte über ihre politischen Fehler führen und wie sie vermieden werden könnten. Auf der grundlegenden Ebene sollte jede Überprüfung ihrer derzeitigen Leitlinie untersuchen, warum die FED bei der Vorhersage der Inflation so schlecht sei.

Generell sollte sich die FED mit dem Inflationsprozess und einigen der Gründe befassen, die das Preiswachstum in den letzten Jahren gebremst hätten. Eine Überprüfung der Instrumente zum Verständnis der Angebotsseite im Allgemeinen wäre ein guter Anfang.

Aktuell deute jedoch nichts darauf hin, dass die FED ihre Fehleinschätzungen in diesem Ausmaß reflektieren werde. Das sei beunruhigend. Wenn die FED den eingeschlagenen Weg unbeirrt weitergehe, würden Anleger zur Überzeugung gelangen, dass sie Lösungen aufzeige, ohne das Problem zu verstehen.

Maßnahmen zur Verbesserung der Glaubwürdigkeit könnten am Ende weiteren Schaden anrichten, niedrige Inflationserwartungen festigen und jeden zukünftigen Versuch, das Vertrauen in die FED wiederherzustellen, erheblich erschweren.

Der Fall der Bank of Japan sollte der FED eine Warnung sein. Sie habe an ihrer Leitlinie gebastelt, um das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen, sei dann nicht einmal in die Nähe ihres Inflationsziels gekommen und habe dabei noch mehr Glaubwürdigkeit verloren.

Jackson Hole wäre das ideale Forum, um die Probleme an der Wurzel der Geldpolitik anzugehen. Doch wenn die falschen Dinge diskutiert würden, riskiere man den Eindruck zu erwecken, das Problem nicht zu verstehen. Noch sei es nicht zu spät, die Fehler auf dem Weg zu korrigieren. Aber die Uhr ticke. (21.08.2019/alc/a/a)