Erweiterte Funktionen

Neue Trends und Investment-Chancen erkennen


26.03.20 19:30
anleihencheck.de

Bad Marienberg (www.anleihencheck.de) - Das Investieren und Anlegen am Markt sind kein Poker Spiel, bei dem ein Anleger basierend auf seinen eigenen Karten Entscheidungen aus dem Bauch heraus trifft. Anlegen bedeutet auf Grundlage von harten Fakten und bestehenden Tatsachen, zukünftige Bewegungen vorherzusagen. Dabei erscheint der anfängliche Vergleich mit Poker als natürlicher Antagonist durchaus passend. Bei genauer Betrachtung jedoch finden sich tatsächlich einige Gemeinsamkeiten. Fair gesprochen, geht es auch hier darum, Vorhersagen zu treffen, welches Blatt der andere hat. Wenn dieser Anzeichen und Verhaltensweisen zeigt, die auf "keine guten Karten" hindeuten, dann ist es sinnvoll, mit einer eigenen "Investition" einzusteigen.

Trends erkennen als Strategie


Das Betrachten von Anzeichen kommt einem Beobachten von Trends gleich. Immer wieder hört man selbst von erfahrenen Investoren, dass sie nur wenig auf neue Trends achten und ihr Investment nur auf den harten Zahlen aufbauen. Dabei ist dies in den meisten Fällen nur Gewäsch. In der Tat ist es nahezu unverzichtbar, die eigene Umgebung, seine Kunden und Absatzmärkte regelmäßig zu scannen, um neue Geschäftsfelder zu erkennen und gegebenenfalls auf Entwicklungen zu reagieren. Gleichzeitig tut dies jeder Investor ganz automatisch.

Statistiken spielen bei der Identifizierung von Trends eine zentrale Rolle. Source: Unsplash, Licence: Unsplash Licence

Wer lauscht, gewinnt


Niemand würde sich in seine Klause sperren, um nur basierend auf einem Ticker Investments zu tätigen. Stattdessen braucht es die Konversation, die Inspiration und den Austausch, der den Fluss an Informationen anregt. In der Netzwerk-Psychologie sind hier die sogenannten Weak-Ties das Stichwort: Wer viele schwache Verbindungen besitzt, erhält mehr heterogenen Input an Informationen als jemand, der stattdessen viele starke Verbindungen besitzt. Der Grund ist, dass starke Verbindungen meist nur bekannte Informationen zirkulieren lassen, ähnlich der erwähnten Klause, in der die Luft steht. Deshalb: Tür auf, und dem Geschwätz auf dem Gang lauschen.

Entdeckung kommt vor Erfahrung


Trends zu erkennen ist dabei keine Sache von großer Vorerfahrung oder Know-how. Die Global Player kochen mit demselben Wasser wie der Kleinstanleger, besitzen nur meistens den besseren Überblick und ein Netzwerk, das Entdeckungen erlaubt. Doch was macht einen Trendsucher erfolgreich? Dieser Artikel soll ein paar der Tipps und Hinweise geben, wie man auf Trendsuche die Puzzleteile der Marktanalyse zu einem aufschlussreichen Gesamtbild zusammensetzen kann.

Was ist die Branche?


In einem ersten Schritt muss man sich zunächst darüber im Klaren sein, was die eigene Branche ist. Einer der größten Fehler der Trendanalyse besteht darin, unfokussiert zu sein und sich von vermeintlichen Trends in einer unbekannten Branche verblenden zu lassen. Die Erfahrung mag an der Basis der Trenderkennung nicht entscheidend sein, trotzdem braucht es Grundwissen im Branchenbereich, allein um mögliche Gefahren abschätzen zu können. Eine Faustregel ist: Sieht man keine (oder wenige) Risiken, kennt man die Branche nicht gut genug. In der Praxis bedeutet das: Scheuen Sie keinen unorthodoxen Anlagemarkt (sofern Sie ihn überblicken).

Wer möchte, kann beispielsweise in vielversprechende eSport-Teams, in Streamer oder in Unternehmen der zugehörigen Spielebranche investieren. Online Casinos sind ebenfalls eine wachsende Branche. Spekulanten haben hier die Möglichkeit, über die Börse direkt in virtuelle Unternehmen wie den etablierten 888 Online Poker Room zu investieren. Die gesamte umliegende Branche befindet sich im Aufschwung, ein Abschwung ist nicht abzusehen. In Kombination mit der aufkommenden Virtual Reality- und Blockchain-Technologie ergeben sich weitere aufregende Wachstumschancen.

Jedes Insiderwissen kommt dem Investor entsprechend zugute. Man braucht kein Profi im Texas Hold’em oder Omaha Hi-Lo zu sein (zwei berühmten Poker Varianten), doch ist es sinnvoll, zu verstehen, wie die Poker Szene und insbesondere die Online Poker Szene aufgebaut ist, auch um im Zweifel, Ausstiegszeichen sofort zu erkennen.

Es prüfe, wer sich [ewig?] bindet


An dieser Stelle fällt ein Begriff immer wieder: die Due-Diligence-Prüfung. Sie ist das Bindeglied zwischen Trenderkennung und Kaufentscheidung und besteht aus unterschiedlichen Maßnahmen, mit deren Hilfe ein Käufer kontrolliert, ob die Investmententscheidung rational ist. Es lohnt sich eine sorgfältige Gegenüberstellung anzulegen. Was sind die großen Stärken der Option, aber auch von einem selbst? Was sind moderate und einfache Stärken? Gleiches gilt für die Schwächen.

Eine gute Due-Diligence-Prüfung ist unverzichtbar, um herauszufinden, ob die Investition in einen Trend rational ist. Source: Unsplash, Licence: Unsplash Licence

Wichtig sind hier zwei Punkte: Zum einen muss klar bleiben, dass es sich bei einem Befolgen von Trends immer um eine Risikoaktivität mit automatischen Nachteilen handelt, deren Gewicht bewertet werden muss. Zum anderen muss die Due-Diligence-Prüfung individuell erfolgen. Bestehende Checklisten erfüllen nicht immer die individuellen Anforderungen.

Herr werden über die Daten


Es ist nicht ungewöhnlich, dass im Zusammenhang einer Due-Diligence-Prüfung und allgemein im Zuge einer Trendanalyse große Mengen an Daten anfallen. Wichtige Informationen können entsprechend aus unterschiedlichen Bereichen stammen. Dazu gehören der Markt, die Kunden, andere Wettbewerber sowie das eigene Umfeld. Mit jedem Schritt, der neue Daten in den Pool einspeist, wird es wichtiger, ein System zu implementieren, das diese Daten überschaubar bleiben lässt. Dies ermöglicht unter anderem die folgenden Vorteile.

  • Es entsteht eine Datenbasis sowie eine Datenlogistik, die auch zukünftigen Trendanalysen zugutekommen kann.
  • Die Erkennung und Analyse von Trends läuft flüssiger ab und führt zu besseren Ergebnissen.
  • Chancen, Trends und Risiken werden zielsicherer erkannt und Reaktionen sind schneller.

Das große Ganze


All diese Daten sind allerdings unbrauchbar, wenn sie nicht in einen Gesamtzusammenhang gebracht werden. Die erstellte und geordnete Datenbasis stellt dabei einen guten Ausgangspunkt dar, um gezielt mögliche Rückschlüsse zu ziehen. Die folgenden drei Fragen sind dabei besonders wichtig:

1. Wer wird von dem vermuteten Trend generell betroffen sein?


Diese Frage ist besonders wichtig, denn sie bedingt, ob und wie relevant der Trend überhaupt ist. Ist es nur eine kleine Zielgruppe, die von eventuellen Veränderungen betroffen ist? Oder betrifft es am Ende die gesamte Bevölkerung? Der Trend der mobilen Endgeräte erschien vor mehreren Jahren noch klar auf kleine Geräte mit physikalischen Tastaturen geeicht. Als ausgerechnet "Trendspezialist" Nokia dies 2004 mit einem teilweise sprachgesteuerten Mobiltelefon aufbrechen wollte, waren die Erwartungen an einen Trend niedrig. Heute ist eine Sprachsteuerung in jedem Handy zu finden und zentraler Bestandteil von künstlicher Intelligenz, einem Milliardentrend für die Zukunft.

2. Wer profitiert von den strukturellen Veränderungen?


Des Weiteren muss man sich fragen, wer letztlich zu den Gewinnern des Trends gehört. Beispielsweise sind Endkunden ein offensichtlicher Profiteur von Smartphones, insbesondere dank einer verbesserten Möglichkeit der Verbindung untereinander. Gleichzeitig gehören Unternehmen der Datenverarbeitung und die Werbeindustrie zu noch größeren Profiteuren der weiten Verbreitung von smarten Mobiltelefonen. Es lohnt sich entsprechend, weiterzudenken und über die offensichtlichen Zielgruppen von Trends hinauszusehen.

3. Wer bleibt im Rahmen der Trendwende auf der Strecke?


Gleiches gilt für diejenigen, die durch den Trend in Mitleidenschaft gezogen werden. Wer verliert möglicherweise im Rahmen des Siegeszugs künstlicher Intelligenz seinen Beruf? Was sind mögliche weitere, indirekte Folgen für Einzelne? Es ist in jedem Fall sinnvoll, auf dem Markt und seine Teilnehmer zu lauschen, Vermutungen an- und Modelle aufzustellen, die verschiedene Richtungen der Trendentwicklung abdecken. Auf dieser Basis sind fundierte Vorhersagen und letztlich Investments möglich.

Vorsicht vor der Blase


Trendinvestments sind allerdings immer ein Risikogeschäft. Dies wurde bereits oben erwähnt. Wie beim Poker kann es durchaus vorkommen, dass sich anfangs vermutete Trends zunächst hoffnungsvoll bewahrheiten, um dann mit voller Wucht ins Gegenteil umzuschlagen. So ist es in der Vergangenheit bereits häufig geschehen: Die Dotcom Blase 2000, die Immobilienblase 2008 und jüngst der Bitcoin 2017 platzten in atemberaubenden Ausmaßen, nachdem Langezeit kein Ende einer Wertsteigerung absehbar gewesen war.

Liest man über eine geplatzte Blase in der Zeitung ist es zu spät. Leider passiert dies unvorsichtigen Anlegern viel zu häufig. Source: Unsplash, Licence: Unsplash Licence

In diesem Zusammenhang beeinflussen die Erwartungen stark das Geschehen am Markt. Die Aktienkurse von Dotcom-Unternehmen, die Immobilienpreise und der Wert des Bitcoins stiegen aufgrund von erwarteten Werten teils exponentiell an, um dann plötzlich, üblicherweise infolge plötzlicher Unsicherheit in sich zusammenbrechen.
Grundsätzlich ist es schwierig, solche Blasen frühzeitig zu erkennen, auch wenn im Vorfeld des Platzens meist starke Bedenken kursieren. Der einzige sichere Weg für risikoaverse Anleger, anhaltende Trends von Blasen zu unterscheiden ist, nicht zu investieren, wenn die Kurse eine übermäßig ansteigende Tendenz erkennen lassen.

Anleihen handeln für geringeres Risiko


Abseits der unmittelbaren Trends, die Investments ermöglichen, gibt es zudem gerade für Anleger mit einer niedrigen Risikoschwelle weitere sicherere Wege des Investments. So bieten beispielsweise Anleihen mit festen Zinserträgen in Zeiten von niedrigen Zinsen solide Gewinnaussichten. Bei der Auswahl kommt es besonders auf folgende Punkte an:

  • Schuldnerqualität: Die Qualität des Schuldners ist direkt an die Rendite gebunden. Mit niedrigerer Qualität und einem steigenden Risiko steigt auch die Rendite.
  • Anleihenwährung: Die Anleihenwährung sollte immer Euro sein. Mit Anleihen, die in anderen Währungen emittiert sind, steigen zusätzliche Risiken bezüglich der Kursentwicklung dieser Währung.
  • Laufzeit: Je höher die Laufzeit, desto mehr steigt das Risiko für sich steigende Zinskurse, die sich negativ auf die Anleihenqualität auswirken.

Fazit


Insgesamt stellen Aussichten auf Trends attraktive Investmentmöglichkeiten dar. Wer einen solchen Trend rechtzeitig erkennt, kann bereits mit niedrigen Anlagen, hohe Renditen erzielen. Dabei erfordert das Erkennen keine besonderen Erfahrungen oder hellseherischen Fähigkeiten. Stattdessen können der Markt, andere Marktteilnehmer sowie das eigene Umfeld mit einer festen Strategie und guten Vernetzung so analysiert werden, dass vermutete Trends sicher eingeschätzt werden können. Wichtig neben einem offenen Ohr und einer angemessenen Risiko- und Chancenplanung ist immer, den Blick auf das große Ganze zu behalten und sich möglichst vor Finanzblasen zu hüten. Gelingt all dies und ist das Risiko kontrollierbar, dann kann ein Investment in einen Trend eine interessante und spannende Erfahrung sein, unabhängig von ihrem Ausgang. (26.03.2020/alc/a/a)