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Mexiko: Notenbank greift erneut ein


30.06.20 11:15
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die Corona-Krise in Mexiko verschärft sich, so die Analysten der Nord LB.

Die Regierung scheine sich dennoch optimistischer präsentieren zu wollen. Präsident López Obrador möchte die Wirtschaft möglichst schnell wieder ins Laufen bringen. Mexiko, das im internationalen Vergleich ohnehin nur schwache einschränkende Maßnahmen umgesetzt habe, habe den Gesundheitsnotstand inzwischen für beendet erklärt. Vor allem die wichtige Tourismusbranche solle nach dem Einbruch wieder zügig in Gang kommen und sei daher zu einem essenziellen Sektor erklärt worden. In die Liste der zentralen Aktivitäten seien im Mai zudem die Bereiche Bau, Bergbau sowie Transportausrüstung aufgenommen worden. Weiterhin sei ein vierstufiges System eingeführt worden, das zur Beurteilung der Situation in den einzelnen Bundesstaaten herangezogen werde, um individueller auf sich verändernde Zustände reagieren zu können.

Von großen Staatshilfen sei in Mexiko bisher nichts zu sehen. Der Fokus liege weiterhin eher darauf, den ärmeren Teil der Bevölkerung zu unterstützen. Die Notenbank habe sich jüngst erneut zur Senkung des Leitzinses auf nun 5% gezwungen gesehen. Der Peso habe im Zuge der Pandemie zwischenzeitlich auf rund 25 MXN pro USD abgewertet. Die Gefahr des Kapitalabflusses aus dem Land steige und die Liquidität der Unternehmen bleibe gefährdet. Die Zentralbank scheine gewillt ihre Möglichkeiten im Kampf gegen das Virus auszuschöpfen, um das Finanzsystem am Laufen zu halten. Inmitten des Kampfes gegen die Pandemie sei Mexiko nun auch noch von einem Erdbeben der Stärke 7,5 heimgesucht worden. Vielerorts sei der Strom ausgefallen und die Bevölkerung sei angewiesen worden, zu Hause zu bleiben. Diese neue Katastrophe werde kurzfristig zu weiteren Belastungen führen.

Im April hätten die OPEC-Staaten und ihre Partner zur Stabilisierung des Ölpreises, der im Zuge der Corona-Pandemie erneuet stark unter Druck geraten sei, eine Drosselung der Ölproduktion für die Monate Mai und Juni um 9,7 Millionen Barrel pro Tag vereinbart. Nun sei eine Verlängerung dieses Vorhabens um einen Monat beschlossen worden. Mexiko stimme diesem Vorhaben allerdings nicht zu und werde die Produktion nicht mehr reduzieren. Grund hierfür solle die Nichteinhaltung des Abkommens durch mehrere andere Länder sein. An die Vereinbarung vom April wolle man sich aber vollständig halten. Im Zuge des Erdbebens sei es beim staatlichen Ölkonzern Petróleos Mexicanos nun aber zu einem außerplanmäßigen Produktionsstopp gekommen, nachdem eine Explosion ein Feuer ausgelöst habe. (Ausgabe Juli 2020) (30.06.2020/alc/a/a)