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Kommt mit einem starken Wirtschaftsaufschwung die Inflation?


08.03.21 12:15
BNY Mellon IM

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Ein Jahr ist es her, dass die Weltgesundheitsorganisation die Verbreitung des Coronavirus als Pandemie eingestuft hat. Shamik Dhar, Chefvolkswirt von BNY Mellon Investment Management, gibt einen Ausblick auf die zukünftige wirtschaftliche Erholung nach einer Öffnung der Wirtschaft und nennt drei Faktoren, die Investoren in ihre Anlageentscheidungen einbeziehen sollten:

Sobald der Lockdown vorüber sei, würden die Experten von einer sehr deutlichen Erholung der Wirtschaft ausgehen. In einer Reihe von Volkswirtschaften bestehe ein großer Nachholbedarf. Die Sparquoten der Haushalte seien viel höher als normal - größtenteils, weil die Menschen ihr Geld nicht ausgeben könnten. Sobald die Wirtschaft wieder geöffnet sei, werde die Sparquote sich wieder auf einem normalen oder leicht gestiegenen Niveau bewegen, und die Konsumausgaben würden stark angekurbelt - je nach Land zwischen fünf und zehn Prozent. Genauso hätten die Unternehmen zurückgehaltenes Kapital, von dem ein Teil in zusätzliche Investitionsausgaben fließen könnte.

Anleger sollten sich darüber bewusst sein, dass man relativ schnell wieder das Vorkrisenniveau erreichen könnte. Die Wirtschaft habe sich allerdings durch die Coronakrise strukturell verändert. Die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen im lokalen Umfeld wie Reisen, Pendeln, stationärer Handel etc. könnten sich nach einem kurzfristigen Aufschwung auf einem niedrigeren Niveau einpendeln. Im Gegensatz dazu würden Waren und Dienstleistungen, die "auf Distanz" konsumiert werden könnten, wie zum Beispiel durch Online-Bestellungen oder Essenslieferung, wahrscheinlich weiterhin stark nachgefragt. Im Ergebnis werde dies einen großen Effekt auf Preise und Erträge in den unterschiedlichen Wirtschaftssektoren haben.

Last but not least sollten Anleger auf die Inflation achten. Die Märkte würden sich sorgen, dass die enormen fiskalischen und geldpolitischen Hilfsmaßnahmen im Zuge der Coronakrise - gekoppelt mit einer starken Wirtschaftserholung -, die Inflation in naher Zukunft anheizen würden. Diese Sorgen seien wahrscheinlich etwas übertrieben. Denn es gebe immer noch viele freie Produktionskapazitäten. Die Inflationserwartungen würden sich nahe der Zielmarke bewegen, und die Sektoren, die quasi stillgelegt seien, seien vor allem kundennahe Dienstleistungen, die nach Öffnung schnell wieder bereitstünden, sodass die Nachfrage sofort durch das Angebot gedeckt werden könne.

Trotzdem steige das Inflationsrisiko deutlich. Wenn die Inflation doch sehr anziehen sollte, hänge es ganz davon ab, wie die Zentralbanken darauf reagieren werden. Eine solche Entscheidung sei maßgeblich für die Auswirkungen auf Aktien und Anleihen. Wenn die Zentralbanken zu einer strafferen Geldpolitik übergehen würden, würden beide Anlageklassen darunter leiden. Würden die Zentralbanken die Wirtschaft weiterlaufen lassen, würden konventionelle Anleihen abverkauft. Indexgebundene Anlagen und andere reale Vermögenswerte könnten sich weiter gut entwickeln. In beiden Szenarien werde es aber wahrscheinlich zu Turbulenzen am Markt kommen.

Trotz der anhaltenden Unsicherheiten gebe es aus Sicht der Experten für Anleger allen Grund, die wirtschaftlichen Aussichten optimistisch zu beurteilen. (08.03.2021/alc/a/a)