Klassische Geldpolitik, adieu?


09.05.19 12:15
Baader Bank

Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Egal, ob es zu einer Einigung im Brexit-Streit kommt oder nicht, die Briten nehmen an der Europawahl teil, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.

Nach einem zweimaligen Aufschub des EU-Austritts habe Premierministerin Theresa May eine Teilnahme an der Wahl eigentlich vermeiden wollen. Doch selbst bei einer Einigung zwischen den Torys und der Labour Party vor der Wahl am 23. Mai würde die Zeit für eine Ratifizierung des Vertrags zu knapp werden. Aber nach einem Durchbruch sehe es ohnehin nicht aus. Damit sei eine absurde Situation eingetreten: Das Vereinigte Königreich mühe sich weiterhin um einen Austritt aus der EU und kämpfe parallel dazu um Sitze im neuen EU-Parlament. Je nachdem, wie stark dann die EU-feindlichen Brexiteers würden, könnte dies der EU erhebliche Probleme einbrocken, die der Lage in einer Schraubzwinge gleichen würden. Während seitens der Briten die EU-Gegner im eigenen Parlament pöbeln würden, dürften auf der anderen Seite Ungarn und Rumänien, die viele der gemeinsamen EU-Werte ohnehin missachten würden, weiter für Unruhe sorgen. Umso wichtiger scheine es, dass bei der Wahl die integrativen, pro-europäischen Kräfte gestärkt würden.

Die Frage sei nun, ob ein Kompromiss zwischen der Regierung und der Labour Party möglich sei - und wie dieser aussehen könnte. Bekanntlich habe May ja schon angeboten, dass ein möglicher Deal die zeitlich begrenzte Mitgliedschaft in der europäischen Zollunion beinhalten könnte. Dies aber würde die Spaltung der Torys bedeuten. Hundert konservative Abgeordnete hätten bereits angekündigt, bei einem solchen Deal mit "Nein" zu stimmen. Dabei tauche immer wieder die Forderung nach einem zweiten Referendum auf. Wie "The Guardian" berichte, fordere eine Gruppe von Labour-Abgeordneten, dass jeder Deal, der mit der Premierministerin verhandelt werde, dem Volk als Referendum vorgelegt werden müsse. Das möchten nach jetzigem Stand weder May noch Labour-Chef Jeremy Corbyn.

Sollte es aber dennoch zu einem zweiten Votum des Volkes kommen, stelle sich die Frage, über was denn abgestimmt werden solle. Laut "Daily Telegraph" sehe hier May eine Chance in einem neuen Referendum, das drei Optionen zur Wahl stellen würde: Einen Brexit nach Vorstellung der Regierung mit der Hilfe von Labour, einen No-Deal-Brexit sowie "Remain", also in der EU bleiben. Egal, wie es dann ausgehen würde, müssten alle 28 EU-Staaten erst einmal zustimmen. Sicher sei nur, dass der ganze Prozess mit einer Vielzahl an Unbekannten versehen bleibe, was die EU auf lange Sicht lähmen dürfte. Und dabei stehe doch jede Menge an existenziellen Problemen zur gemeinsamen Lösung an, wie beispielsweise Maßnahmen gegen die Klimakatastrophe, die Migrationsthematik oder Antworten auf die geopolitischen Pläne der USA und Chinas.

Vor einigen Wochen sei ein Aufschrei durch die Finanzbranche gegangen, als sich die jüngste Abgeordnete im US-Repräsentantenhaus, Alexandria Ocasio-Cortez, als Befürworterin der so genannten Modern Monetary Policy (MMT) geoutet habe. Darin werde die bisher gängige Theorie des Zusammenspiels zwischen Staatsregierungen und Notenbanken auf den Kopf gestellt. Hierbei werde auf eine aktive Finanzpolitik gesetzt, welche auf eine Vollbeschäftigung abziele. Die Notenbanken würden also auf die Rolle des Finanzierers des Staates reduziert werden. Die Regierungen könnten somit ihr eigenes Geld drucken und in Zeiten geringer Inflation deutlich höhere Schulden machen.

Diese beispielsweise von Harvard-Professor Larry Summers als "Voodoo-Wirtschaftswissenschaft" verspottete Doktrin werde allerdings immer mehr salonfähig. Einer der bekanntesten Anhänger dieser Lehre sei u.a. Senator Bernie Sanders, der 2016 für das Amt des US-Präsidenten kandidiert habe. Und auch der Milliardär und Hedgefonds-Manager Ray Dalio bezeichne das bisherige Zentralbankwesen als Auslaufmodell, das durch eine Art moderner Geldtheorie ersetzt werden solle. In einem Punkt habe sogar Larry Summers inzwischen umgedacht und sich dafür ausgesprochen, die Fiskalpolitik stärker als Instrument zu nutzen. Hierbei werde allerdings die größte Herausforderung sein, wirtschaftlichen Wohlstand für die meisten Menschen zu schaffen. In der Vergangenheit sei immer wieder versucht worden, die Wirtschaft mittels Zinssenkungen oder den Kauf von Wertpapieren im Rahmen von Ankaufprogrammen (QE) zu stimulieren. Jedoch scheinen diese Instrumente nicht für immer und ewig die richtige Medizin zu sein, so die Analysten der Baader Bank. Es sei nach Ansicht von Ray Dalio an der Zeit, umzudenken und den Regierungen die Möglichkeit zu geben, ihre Wirtschaft durch Ausgaben und Steuern zu lenken.

Kritiker würden allerdings betonen, dass angesichts der Haushaltsdefizite und der enormen Staatsschulden dies der falsche Ansatz sei. Denn wie die Erfahrung mit der Steuerpolitik des amtierenden US-Präsidenten Donald Trump zeige, hätten die meisten Amerikaner nur in geringem Maße davon profitiert. Lediglich die Staatsverschuldung sei angewachsen. Jedoch scheinen sich die Wähler von D.T., dem Unberechenbaren, nicht sonderlich für die hohen Fehlbeträge zu interessieren, so die Analysten der Baader Bank. Noch nicht!

Grundsätzlich sollte eine gesunde Mischung aus Alt und Neu helfen, die Probleme der Gegenwart in den Griff zu bekommen. Denn wie bei jeder Medizin gelte auch für alle Instrumente der modernen Geldpolitik, dass sie nur in verträglicher Dosierung verabreicht werden dürften, da sie ansonsten auch tödlich sein könnten.

Bei der Europawahl vom 23. bis 26. Mai werde nicht nur über die Zusammensetzung des Parlaments in Brüssel entschieden. Ihr Ergebnis werde sich auch auf die Nachfolge des scheidenden Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, auswirken. Denn das Land, das den Kommissionspräsidenten stellen werde, habe keine Chancen auf einen anderen Spitzenposten. Und so sei das Schicksal von Manfred Weber (CSU), der die Nachfolge von Jean-Claude Juncker als Kommissionspräsident anstrebe, eng mit der Zukunft von Bundesbank-Chef Jens Weidmann, der gerne Draghi beerben würde, verknüpft. Überraschenderweise habe nun ausgerechnet Juncker im "Handelsblatt" für Weidmann Partei ergriffen, den er als einen überzeugten Europäer und erfahrenen Zentralbanker für das Amt an der EZB-Spitze für geeignet halte. Weidmann möge es freuen, ebenso die Sparer, die sich von dem Deutschen höhere Zinsen erwarten würden. Weiter im Rennen sei auch Olli Rehn, der Gouverneur der Finnischen Zentralbank, der in vielen Punkten ähnliche Ansichten wie Weidmann habe.

Aber auch Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron dürfte die Botschaft aus Brüssel mit Freuden hören. Schließlich habe er selbst für Frankreich Ansprüche auf den Posten des EU-Kommissionspräsidenten erhoben. Michel Barnier, derzeitiger Brexit-Chefunterhändler der EU, käme hierfür infrage. Würde aber ein Franzose Juncker beerben, hätte François Villeroy de Galhau, Chef der Französischen Zentralbank, keine Chance mehr auf die Draghi-Nachfolge. Und die Aussichten von Weidmann würden sich verbessern. Hinzu komme, dass Deutschland als größtes EU-Land seit Gründung der EZB im Jahr 1999 noch keinen Präsidenten gestellt habe. Allerdings habe sich Weidmann durch seinen häufigen Widerstand gegen Draghis expansive Geldpolitik immer wieder den Unmut anderer EU-Länder zugezogen.

Müsse man also über andere deutsche Kandidaten nachdenken, weil Deutschland einen neuen, für andere Länder akzeptableren Anwärter brauche? Deshalb werde bereits über mehrere alternative Kandidaten spekuliert. Da seien etwa Klaus Regling, der Chef des Europäischen Stabilitätsmechanismus, oder Claudia Buch, die Vizepräsidentin der deutschen Bundesbank, die genannt würden. Und auch die Namen Marcel Fratzscher, Chef des einflussreichen DIW-Instituts für Wirtschaftsforschung, sowie Jörg Asmussen, der bereits einmal im EZB-Direktorium gesessen habe, würden die Runde machen. Ob diese Spekulationen allerdings alle ernst zu nehmen seien, dürfe redlich bezweifelt werden. Vielmehr dürfte die Neubesetzung des Chefpostens bei der EZB erst nach Klärung der Juncker-Nachfolge entschieden werden. Diese werde wiederum vom Ausgang der Europawahlen abhängen und somit werde wahrscheinlich erst wenige Tage vor dem Ende der Amtszeit von Mario Draghi über den nächsten EZB-Präsidenten entschieden werden. Es sei sogar zu befürchten, dass es auf einen Kuhhandel hinauslaufen werde und nicht unbedingt die fachliche Kompetenz den Ausschlag gebe.

Zwei sehr unterschiedliche Institutionen hätten dieser Tage vor wachsenden Risiken an den Finanzmärkten gewarnt. Zum einen habe die US-Notenbank Federal Reserve in ihrem aktuellen Report auf einen rasanten Anstieg der riskanten Unternehmensschulden hingewiesen, was aufzeige, wie verletzbar die USA, als die größte Volkswirtschaft der Welt, seien. Und zum anderen habe die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) angesichts des sich eintrübenden konjunkturellen Umfelds neue Risiken für die Finanzstabilität beschrieben.

Wie die FED schreibe, sei das Volumen von Hochrisiko-Krediten 2018 in den USA um ein Fünftel auf 1,1 Bill. USD angestiegen - ein Niveau, das über den Höchstständen während der Finanzkrise liege. Die Notenbank bezeichne diese Entwicklung der Verschuldungsspirale als besonders beunruhigend, weil die stärksten Zuwachsraten bei "unsicheren" Unternehmen zu verzeichnen seien. Diese würden über eine relativ niedrige Kreditwürdigkeit verfügen und seien ohnehin bereits stark verschuldet. Noch seien die Ausfallraten laut FED zu vernachlässigen, doch warne die Notenbank davor, dass sich dies bei einem Konjunktureinbruch ändern könnte. Jedoch versuche man auch zu beruhigen und verweise darauf, dass die "Collateralized Loan Obligations" (CLO), mit denen Hochrisiko-Kredite in Paketen gehandelt würden, weniger ansteckend als die Subprime-Hypotheken seien, die während der Finanzkrise verkauft worden seien. Allein mir fehlt der Glaube, so Klaus Stopp weiter.

Ungeachtet dieser Risiken umfasse das Volumen von Staatsanleihen mit einer negativen Rendite mittlerweile 10 Bill. USD, das seien 20% mehr als zum Jahresanfang. Damit übernähmen Investoren vorübergehend einen erheblichen Teil der Staatsschulden.

Eine Warnung anderer Art sei indessen von der BaFin gekommen. Ihr Präsident Felix Hufeld habe bei der Jahrespressekonferenz der Aufsicht auf die möglichen Folgen niedriger Zinsen hingewiesen, welche die Finanzbranche weiter stark belasten würden. Parallel dazu habe er auf die rekordhohen Verschuldungsraten aufmerksam gemacht, während in den Bankbilanzen einiger EU-Länder viele faule Kredite "gären" würden. Vor dem Hintergrund, dass die Finanzmarktakteure untereinander stark vernetzt seien, sehe Hufeld hier eine große Ansteckungsgefahr. Für die deutschen Kreditinstitute konstatiere die BaFin aufgrund der guten wirtschaftlichen Entwicklung eine Halbierung der Risikovorsorge seit 2014. Um gleich die Warnung hinterherzuschieben, wonach eine mögliche Erosion der Kreditvergabestandards in Verbindung mit einer reduzierten Risikovorsorge eine Gefahr für die Finanzstabilität darstellen könnte.

Wenn es sein müsse, reiße die italienische Regierung auch die EU-Defizitgrenze und fühle sich nicht mehr an die erst kürzlich mit Brüssel getroffene Vereinbarung gebunden. Hauptsache, die Steuern könnten 2019 - wie im Wahlkampf versprochen - wesentlich gesenkt werden. Dies sei nun nach jüngsten Aussagen von Lega-Chef und Innenminister Matteo Salvini klar geworden, der sich einmal mehr als unzuverlässiger Kantonist geoutet habe. Für das kommende Jahr rechne die EU-Kommission mit einem Defizit von 3,5%, sollte die Regierung in dem ohnehin wachstumsschwachen Italien nicht umsteuern.

Aber nicht nur um die Schuldenpolitik Italiens sei es schlecht bestellt. Nach Planungen der EU-Kommission werde jetzt wohl auch Frankreich 2019 die Maastricht-Regeln verletzen und dieses Jahr ein Defizit von 3,1% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausweisen. Dies werde von der Senkung der Lohnsteuer im Umfang von etwa 5 Mrd. Euro verursacht, mit der Präsident Emmanuel Macron auf die monatelangen Proteste der regierungsfeindlichen "Gelbwesten" reagiert habe. Finanziert werden solle die Steuersenkung durch das Stopfen von Steuerlöchern für Unternehmen und durch niedrigere Staatsausgaben.

Anders als für Italien beurteile die Kommission allerdings die Zukunft für Frankreich positiv. So erwarte die EU, dass durch die haushaltspolitischen Maßnahmen in Paris die Kaufkraft der Franzosen gesteigert und damit der private Konsum insgesamt angekurbelt werde. In der Folge gehe die EU davon aus, dass der französische Fehlbetrag 2020 wieder auf 2,2% sinken werde.

Steuern senken wolle auch die Regierung in Athen, was die Opposition als massives Wahlkampfmanöver kurz vor der Europawahl einordne. Ministerpräsident Alexis Tsipras habe angekündigt, die während der Sparprogramme auf 24% erhöhte Mehrwertsteuer für Lebensmittel und Gastronomie-Betriebe auf 13% zu senken. Ebenso solle es Sonderzahlungen für Rentner geben. Bei den Wahlgeschenken dürfte der Umstand mit eine Rolle spielen, dass in Griechenland nicht nur die Europawahl, sondern spätestens im Oktober die eigene Parlamentswahl anstehe. Ministerpräsident Tsipras möchte mit den Steuererleichterungen und der Sonderzahlung für Rentner zeigen, dass Athen die Sparvorgaben der Geldgeber-Länder mehr als erfüllt habe und somit in der Lage sei, Korrekturen bei verschiedenen Maßnahmen vorzunehmen.

Die Ankündigung der Wiederholung der Bürgermeisterwahl in Istanbul habe den Wert der Türkischen Lira (TRY) deutlich gedrückt. Ein US-Dollar habe Anfang der Woche erstmals seit Oktober 2018 wieder mehr als 6 TRY gekostet und der Euro habe sich sogar auf 6,93 TRY verteuert. Seit Jahresanfang habe die Lira damit ca. 11% ihres Wertes verloren. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan habe eine Wiederholung der Wahl gefordert, weil es nach seiner Ansicht Unregelmäßigkeiten gegeben haben solle. Der Kandidat der Republikanischen Volkspartei CHP, Ekrem Imamoglu, sei im März mit 0,2 PP knapp als Sieger gegen den Kandidaten von Erdogans Partei AKP hervorgegangen.

Damit bleibe das Misstrauen der Märkte in die türkische Politik erhalten. Das Land befinde sich seit Ende 2018 in einer Rezession, die Inflation liege bei ca. 20% und nicht zuletzt die schlechte wirtschaftliche Lage habe zu den Wahlergebnissen beigetragen. Entsprechend blicke die Ratingagentur Fitch mit Sorge auf die Situation in der Türkei, habe aber dennoch das bisherige Rating von "BB" mit negativem Ausblick bestätigt. Besonders erwähnt worden seien in diesem Zusammenhang auch die doch sehr niedrigen Devisenreserven und die politischen Risiken.

In dieser Berichtswoche sei es am Primärmarkt für Unternehmensanleihen verhältnismäßig ruhig zugegangen. Lediglich zwei namenhafte Unternehmen hätten sich an den Markt gewagt und sich somit frisches Geld besorgt. Dabei habe der Tankstellenbetreiber EG Group über eine Finanzierungstochter EG Global Finance PLC gleich zwei neue Anleihen emittiert und Carrefour, ein französisches Einzelhandelsunternehmen, habe sich langfristig über acht Jahre refinanziert. Beide Unternehmen hätten für ihre Gattungen die eher für institutionelle Investoren interessante Mindeststückelung von 100.000 Euro gewählt.

In Deutschland besitze der Tankstellenbetreiber EG Group seit Oktober 2018 gut 950 Esso Tankstellen und habe sich über die EG Global Finance PLC mittels zwei neuer Bonds am Kapitalmarkt refinanziert. Die erste Tranche (ISIN XS1992918661 / WKN A2R1X3) sei am 07.02.2024 fällig und zahle den Investoren bis zur Endfälligkeit Zinsen in Höhe von jährlich 3,625%, die halbjährlich im Mai und November eines jeden Jahres ausgezahlt würden. Das 300 Mio. Euro schwere Papier sei zu pari begeben worden, was einen Emissionsspread von +407 BP über der vergleichbaren Bundesanleihe bedeutet habe. Neben einer Make Whole Option habe sich das Unternehmen zahlreiche Kündigungstermine zu einzelnen Zinszahlungsterminen jeweils zu 100% eingeräumt. Diese könnten in den Anleihebedingungen nachgelesen werden.

Mit der zweiten Anleihe (ISIN XS1992087996 / WKN A2R1XQ) habe der Konzern aus Blackburn erfolgreich 670 Mio. Euro einsammeln können und entlohne die Gläubiger bis zur Fälligkeit am 07.02.2025 mit einem jährlichen Zins von 4,375%. Die Zinsen würden ebenfalls halbjährlich im Mai und November gezahlt. Ausgegeben worden sei der Bond zu 100% (+475 BP über der vergleichbaren Bundesanleihe). Auch bei diesem Bond seien eine Make Whole Option sowie drei optionale Kündigungsrechte ab dem 15.05.2021 zu 102,188%, ab dem 15.05.2022 zu 101,094% und ab dem 15.05.2023 zu 100% in die Anleihebedingungen aufgenommen worden.

Das französische Einzelhandelsunternehmen, Carrefour, sei ebenfalls am Primärmarkt für Corporate Bonds aktiv gewesen und habe so erfolgreich 500 Mio. Euro eingesammelt. Das Unternehmen mit Sitz in Boulogne-Billancourt in Frankreich betreibe rund 12.000 Filialen in mehr als 35 Ländern und habe sich bis zum 17.05.2027 bei einem Zins von 1% p.a. refinanziert. Der Bond (ISIN FR0013419736 / WKN A2R17M) sei zu 99,534% begeben worden. Dies habe einen Emissionsspread von +77 BP über Mid Swap bedeutet. Carrefour habe sich eine Make Whole Option sowie ein optionales Kündigungsdatum ab dem 17.02.2027 jederzeit zu 100% in die Anleihebedingungen aufnehmen lassen.

In diesen Tagen habe das Sorgenbarometer seinem Namen wieder alle Ehre gemacht. Denn nicht nur die dramatische Senkung des Wirtschaftswachstums in Deutschland und anderen Euroländern, sondern auch die Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China hätten dem Euro-Bund-Future den Sprung über die psychologische Hürde bei 166% ermöglicht.

Habe man bis zum Sonntagnachmittag noch auf eine Lösung des Konflikts gesetzt, so sei das mit einer einzigen Twitter-Nachricht von D.T., dem Unberechenbaren, zunichte gemacht worden. Doch zum Wochenstart hätten sich, nicht zuletzt wegen des Feiertags in Großbritannien, die Marktpreisveränderungen noch in Grenzen gehalten. Als allerdings am frühen Dienstagnachmittag die EU ihren Wachstumsausblick 2019 für die Eurozone von 1,3% auf 1,1%, für Italien von 0,2% auf 0,1% und für Deutschland sogar von 1,1% auf 0,5% gesenkt habe, habe der Euro-Bund-Future nur noch eine Richtung gekannt. Infolge fallender Aktienkurse seien Staatsanleihen gefragt gewesen wie schon lange nicht mehr.

Charttechnisch sei in Ermangelung positiver Nachrichten durchaus ein Test der 166,75% (Höchstkurs vom 28.03.2019) möglich, was einer Rendite von ca. -0,10% bei der 10-jährigen Benchmark-Anleihe entsprechen würde. Sollte es aber zu Gewinnmitnahmen auf hohem Niveau kommen, so würden bei ca. 165,90% bzw. 165,30% Unterstützungslinien verlaufen.

Aktuell notiere das Sorgenbarometer der Eurozone bei ca. 166,37%, was im Umkehrschluss einer Rendite für 10-jährige Staatsanleihen der Bundesrepublik Deutschland von ca. -0,059% entspreche.

In den USA hätten die Investoren in dieser Handelswoche wieder die Qual der Wahl gehabt. Neben den üblichen T-Bills mit Laufzeiten von vier und acht Wochen sowie drei und sechs Monaten für insgesamt 160 Mrd. USD seien auch noch drei- und zehnjährige T-Notes für weitere 65 Mrd. USD offeriert worden. Den krönenden Abschluss würden am heutigen Donnerstag 19 Mrd. USD als 30-jährige T-Bonds bilden.

In der Eurozone begnüge man sich mit kleineren Volumina und der Emissionsreigen sei am Dienstag von der Republik Österreich mit der Aufstockung von zwei Altemissionen (ISIN AT0000A1PE50 / WKN A188ES, 2023; ISIN AT0000A269M8 / WKN A2RXDK, 2029) um insgesamt 1,2 Mrd. Euro eröffnet worden. Am gleichen Tag habe die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland zwei Linker (ISIN DE0001030567 / WKN 103056, 2026; ISIN DE0001030575 / WKN 103057, 2046) um 500 Mio. Euro auf 16,3 Mrd. Euro bzw. um 200 Mio. Euro auf 8,35 Mrd. Euro erhöht. Die Zuteilung der Gattungen sei bei einer realen Durchschnittsrendite von -1,32% bzw. -0,76% erfolgt. Bei beiden Tendern habe das Kaufinteresse das angebotene Volumen überstiegen und dennoch seien Teile des Aufstockungsbetrages in den Eigenbestand des Bundes umgebucht worden.

Zur Wochenmitte habe noch die planmäßige Emissionsvolumenerweiterung der 5-jährigen Bundesobligation Serie 179 (ISIN DE0008479023 / WKN 114179) auf der Agenda gestanden. Für nominal 3 Mrd. Euro seien Kaufaufträge von insgesamt fast 3,9 Mrd. Euro abgegeben worden und die Zuteilung von rund 2,4 Mrd. Euro sei bei einer Durchschnittsrendite von -0,46% erfolgt. Fast 620 Mio. Euro seien zur Marktpflege zurückbehalten worden. Aber auch Portugal habe sich am Kapitalmarkt präsent gezeigt und sowohl 800 Mio. Euro als 10-jährige (ISIN PTOTEXOE0024 / WKN A2RWF6, 2029) als auch 450 Mio. Euro als 15-jährige (ISIN PTOTEWOE0017 / WKN A19ZEK, 2034) Staatsanleihe offeriert. Den Euro-Schlusspunkt setze am heutigen Donnerstag Spanien mit der Begebung von Anleihen mit Restlaufzeiten von fünf, zehn und 30 Jahren.

Der Fußball schreibe manchmal verrückte Geschichten und sorge damit von Zeit zu Zeit für sehr überraschende Ergebnisse, wie kürzlich erst an der Anfield Road und in der Johan-Cruyff-Arena bewiesen hätten.

An den Finanzmärkten hingegen sei es der US-Präsident, der mit seinen unkonventionellen Maßnahmen immer wieder für Überraschungen sorge. So schien der Handelskonflikt mit China fast auf der Zielgeraden zu sein, doch mit der neusten Zollankündigung von Donald Trump ist dies wohl in weite Ferne gerückt, so die Analysten der Baader Bank. Das Währungspaar Euro/Dollar habe sich davon allerdings fast gänzlich unbeeindruckt gezeigt. So handle die Gemeinschaftswährung seit Wochenbeginn ohne nennenswerte Schwankungen um die Marke von 1,12 USD. Auch heute Morgen sei der Euro bei ca. 1,12 USD in den Handel gestartet. Das könne sich allerdings sehr schnell ändern, denn auch bezüglich der noch anstehenden Verhandlungen zwischen der EU und den USA sei D.T. immer für eine Überraschung gut.

Weniger überraschend für die Marktteilnehmer sei da die Zinssenkung der neuseeländischen Notenbank (RBNZ) um 25 BP auf ein neues Rekordtief von 1,50% gewesen. Sorgen um die nachlassende Konjunkturdynamik hätten die Notenbanker zu diesem Schritt veranlasst. Infolgedessen habe auch die Währung des Landes reagiert und Verluste hinnehmen müssen. So sei der Euro zeitweise bis auf 1,7153 NZD (Neuseeland-Dollar) gestiegen und habe damit in der Nähe des Jahreshochs (1,7249 NZD) notiert, aufgestellt am 3. Januar 2019.

Im Fokus der Privatanleger hätten in dieser Woche vorwiegend Währungsanleihen lautend auf US-Dollar, Türkische Lira, Norwegische Kronen, Australische Dollar und vereinzelt auch Südafrikanische Rand sowie Brasilianische Real gestanden.

Disclaimer

Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten. (09.05.2019/alc/a/a)





hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
-   -   -   0,00% 01.01./01:00
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
DE0009652644 965264 178,77 167,69
Werte im Artikel
106,67 plus
+3,24%
120,51 plus
+0,96%
101,93 plus
+0,66%
46,76 plus
+0,59%
105,51 plus
+0,54%
114,30 plus
+0,51%
101,91 plus
+0,06%
-    plus
0,00%
98,92 minus
-0,02%
99,00 minus
-0,06%
110,97 minus
-0,55%
162,57 minus
-0,61%