Inverse Zinsstruktur in den USA - Alarmglocken klingeln massiv!


14.08.19 16:31
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Heute Mittag geschah etwas historisch Bemerkenswertes: Erstmals seit 2007 fiel die Rendite der zehnjährigen US-Treasuries wieder unter jene der zweijährigen, so die Analysten der NORD LB.

Bedeutsam sei diese Entwicklung vor allem aus einem Grund: Eine negative Zinsdifferenz 10J minus 2J - also eine inverse Zinsstruktur - sei in der Vergangenheit oftmals ein Vorbote für eine baldige Rezession gewesen. Über viele Monate hinweg sei bereits über die Möglichkeit einer 10J-2J Inversion in den USA diskutiert worden, mit den wahrscheinlichen Folgen für die zu erwartende globale konjunkturelle Entwicklung - nun sei der Fall tatsächlich eigetreten!

Angekündigt habe sich diese Bewegung auf den Rentenmärkten bereits vor Monaten - tatsächlich hätten aber vor allem die letzten 2,5 Wochen für den entscheidenden Schub gesorgt. Als Ausgangpunkt müssten wohl die Befürchtungen angesehen werden, dass die diversen, vor allem politisch motivierten "Unruheherde", über kurz oder lang die weltweite Konjunktur zunächst signifikant verlangsamen und dann einige Länder in die Rezession führen würden. Dabei würden zwar die Notenbanken wie gewohnt mit Zinssenkungen reagieren, da aber der wirtschaftliche Einbruch markanter sein werde als üblich, sei wieder mit unkonventionellen Maßnahmen wie Quantitative Easing zu rechnen, was die langfristigen Zinsen stärker nach unten drücke als die (an den Leitzinsen hängenden) kurzfristigen Zinsen. Flucht in Safe Haven-Anlagen sei zudem das Gebot der Stunde, wenn es düster mit der Konjunktur - und der Politik aussehe.

Und an der Politik scheine es derzeit zu liegen, wenn man den Befürchtungen folge: Merkwürdige politische Maßnahmen, die man nach den Wirrungen des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts schon zu den alten Zöpfen der Wirtschaftspolitik gezählt habe, schienen zuletzt wieder aus der Mottenkiste geholt zu werden. Es sei ein altertümlich anmaßender Mix von Entscheidungen aus den Bereichen Zollpolitik, Abschottungspolitik, Immigrationspolitik, Drohungen und Ultimaten gegenüber anderen Ländern, die überhaupt keinen Hauch von seriöser Diplomatie mehr beinhalten würden. Die sich hieraus ergebene Unsicherheit auf den Finanzmärkten ziehe einen zunehmenden Attentismus bei den Unternehmenslenkern nach sich und führe vielleicht bald auch einer zaghafteren Konsumneigung.

Aufzuführen seien konkret die Problemfelder Brexit, Zölle zwischen den USA und China, weitere mögliche Zölle zwischen den USA und Europa, die italienische Regierungskrise, Zank zwischen Südkorea und Japan und zuletzt die Auseinandersetzungen zwischen dem chinesischen Staat und den Bürgern Hong Kongs. Einzeln wären diese wohl behandelbar, in der Summe aber bedenklich! Wäre man nach drei Jahren Ausflug auf einer einsamen Insel heute wieder zurück im Lande, würde man sich verwundert die Augen reiben.

Es gebe noch durchaus Hoffnung: So scheine der wichtigste Wirtschaftsblock der Welt - die USA - solide dazustehen. Der Arbeitsmarkt brumme, der Konsum sei robust, der Immobilienmarkt kühle sich leicht ab, so dass er nicht überhitze. Vermutlich werde in 2019 ein Wirtschaftswachstum von immerhin 2,3% herausspringen. Die Anhebung der US-Zölle gegenüber China sei auf Mitte Dezember verschoben worden. Es bleibe dabei: Trump möchte sicherlich ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl eine Rezession vermeiden und keine komplette Konfrontation mit China riskieren. Die Analysten würden also mit einer (Teil-)Einigung in Sachen Zöllen mit dem Reich der Mitte rechnen. Bis dahin werde die FED noch einmal die Zinsen senken, die EZB dürfte agieren und auch die PBoC wird Maßnahmen verkünden.

Fazit: Weltweite Konjunktursorgen hätten in den letzten Tagen zugenommen. Ein Mix aus Brexit, US-Zöllen, Italien, Chinas Vorgehen in Hong Kong würden verunsichern. In diesem Zuge seien Safe-Haven-Anlagen gefragt. Abzulesen sei dies vor allem in der erstmals seit 2007 zu beobachtenden negativen Zinsdifferenz 10J-2J US-Treasuries, was in der Vergangenheit oftmals eine Rezession angekündigt habe. Die Hoffnung liege auf einer (Teil-)Einigung im Zollstreit zwischen den USA und China, da beide Länder von einer solchen profitieren würden. (14.08.2019/alc/a/a)