Internationale Bondmärkte: Renditen steigen immer weiter an


18.05.18 11:15
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Sei es wie es sei! Auch die Beteuerungen der vermutlich neuen italienischen Regierungskoalition, man habe die Forderung nach einem Schuldenerlass aus dem gemeinsamen Vertrag entfernt, kann nicht über die Euro-kritische Einstellung der neuen Regierung hinwegtäuschen, berichten die Analysten der Helaba.

Die Wahlversprechen Einheitssteuer, Bürgereinkommen und Abschaffung der Rentenreform würden keinerlei Willen zur Einhaltung von EU-Fiskalregeln erkennen lassen. Die Staatengemeinschaft sei entsetzt und werde weiterreichenden Integrationsbemühungen noch skeptischer gegenüberstehen.

Unterdessen würden die Renditen an den internationalen Bondmärkten immer weiter ansteigen. Aufgrund der unverändert guten Stimmung bei der heimischen Industrie sei der zinspolitische Weg für die US-Notenbank klar vorgezeichnet. Trotz latenter Sorgen über Handelsbeschränkungen, die Nahost-Krise oder mangelnden Integrationswillen in der Eurozone könnten sich europäische Zinstitel den Vorgaben aus USA nicht entziehen. Der österreichische Notenbankchef Nowotny fordere ein baldiges Ende der ultralockeren Geldpolitik.

Bundesanleihen hätten einen halbherzigen Erholungsversuch schon bald abgebrochen und auch noch die verbliebenen Gewinne des Vortages eingebüßt. In einem von großer Nervosität geprägten Handel hätten die Umsätze an der Terminbörse spürbar zugenommen. In der Kasse hätten sich Akteure auf den Primärmarkt konzentriert. Frankreich habe sich bei der Versteigerung 3- und 5-jährigen OATs die erwarteten 7,5 Mrd. Euro besorgt, das Interesse der Investoren sei vielversprechend gewesen. Der Abstand zwischen 10- und 30-jährigen Bundestiteln habe sich auf 70 BP ausgeweitet. 10-jährige Bonds aus Frankreich (0,87%) und Belgien (0,90%) hätten ihren Abstand zu Bunds gehalten.

Die Erholung an den Bondmärkten der EU-Peripherie sei gemessen an den kräftigen Abschlägen des Vortages nur verhalten ausgefallen. Die Auktionen spanischer Staatsanleihen seien trotz der angespannten Lage erfolgreich verlaufen. Der Zuteilungsbetrag habe allerdings bei niedrigen 4,356 Mrd. Euro gelegen, die neuen 5-jährigen SPGs hätten mit über 2,5 Mrd. Euro mehr als die Hälfte ausgemacht. Reger Umsatz herrsche weiterhin in BTPs, Anleger würden aber hier weiter Vorsicht walten lassen. Der Risikoaufschlag 10-jähriger italienischer Bonds (2,11%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 3 BP ermäßigt, spanische (1,395%) und portugiesischer Anleihen (1,77%) hätten 4 bzw. 5 BP gutgemacht.

Am US-Bondmarkt seien die Renditen infolge positiver Konjunkturdaten weiter gestiegen. Nach New York melde auch der FED-Distrikt Philadelphia (34,4 nach 23,2) ausgesprochen gute Stimmung beim Verarbeitenden Gewerbe und lasse damit keinerlei Zweifel an einem intakten Wachstumsszenario aufkommen. Auch Erstanträge (222K) würden von der robusten Lage des US-Arbeitsmarktes zeugen. Der Abstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries habe sich auf 32 BP ausgeweitet. In Fernost würden US-Treasuries angesichts freundlicher Vorgaben von den asiatischen Aktienbörsen weiter nachgeben. Die Verbraucherpreise Japans seien im April um 0,6% gegenüber dem Vorjahr gestiegen. China habe den USA angeboten, die Handelslücke durch höhere Abnahme von US-Produkten um jährlich rund 200 Mrd. USD zu senken.

Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)- (157,83) und Bobl-Kontrakt (130,77) hätten 26 bzw. 12 Stellen verloren, der Schatz (111,885) sei 3 Ticks niedriger aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,64% gestiegen, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich um 2 auf 120 BP ausgeweitet. 10-jährige US-Treasuries würden 2 BP höher bei 3,12% rentieren. Der Euro verbillige sich auf 1,18 US-Dollar, der Preis für das Barrel Öl falle unmerklich auf 71,6 US-Dollar.

Zum Wochenschluss liefere der Datenkalender kaum Ansatzpunkte. Auf der Agenda stünden die deutschen Erzeugerpreise (0,3%/1,8%) sowie der Handelsbilanzüberschuss (21 Mrd. Euro) in der Eurozone.

Am Primärmarkt seien heute keine Transaktionen staatlicher europäischer Schuldner geplant. NRW Bank habe eine 7-jährige Anleihe im Volumen von 1 Mrd. Euro bei Midswap -15 BP begeben. Council of Europe Development Bank habe eine 5-jährige Anleihe im Volumen von 1 Mrd. Euro bei Midswap -23 BP emittiert.

Nordea Mortgage Bank Plc habe einen 7-jährigen finnischen Covered Bond im Volumen von 1 Mrd. Euro bei Midswap -3 BP platziert. Die Commerzbank AG habe das Mandat für einen 7-jährigen Hypothekenpfandbrief vergeben. (18.05.2018/alc/a/a)