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Indonesische Notenbank will geldpolitischen Spagat schaffen


12.07.18 10:35
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die indonesische Notenbank will einen geldpolitischen Spagat schaffen: Auf der einen Seite die Währung durch höhere Zinsen stabilisieren, auf der anderen die schwächelnde Wirtschaft durch ein stärkeres Kreditwachstum stützen, so die Analysten der DekaBank.

Die Währungshüter hätten den Leitzins seit Mitte Mai in drei Schritten um insgesamt 100 Bp auf nun 5,25% angehoben. Sie hätten damit auf die Schwäche der Indonesischen Rupiah reagiert, die seit Jahresbeginn um rund 6% gegenüber dem US-Dollar verloren habe. Unter ihrem neuen Gouverneur Warjiyo wolle die Notenbank offenbar mit aller Kraft verhindern, dass die Rupiah an den Finanzmärkten wieder als anfällig betrachtet werde, nachdem sie im Sommer 2013 nach der berühmten "Tapering-Rede" Ben Bernankes stark unter Druck geraten sei. Inflationssorgen könnten die Währungshüter dagegen nicht zu ihrer Entscheidung veranlasst haben: Die Inflationsrate habe im Juni bei 3,1% gelegen und damit im unteren Bereich des Zielbands von 2,5% bis 4,5%. Die Währungsverluste seien bei weitem nicht hoch genug, um das Inflationsziel zu gefährden.

Auch die Wirtschaftsentwicklung lege keine geldpolitische Straffung nahe: Das BIP sei im ersten Quartal um 5,1% gestiegen und sei damit weit entfernt von mittelfristigen Regierungsziel, das bei 7% liege. Der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe sei im Juni von 51,7 auf 50,3 Punkte gesunken und deute nicht auf eine konjunkturelle Beschleunigung hin. Die Notenbank sei mit der konjunkturellen Entwicklung nicht zufrieden und wünsche sich daher ein höheres Kreditwachstum. Das solle allerdings nicht durch niedrigere Zinsen, sondern durch geringere Eigenkapitalanforderungen an Kreditnehmer erreicht werden. Sollte sich die Rupiah nicht stabilisieren, sei im Juli eine weitere Zinsanhebung wahrscheinlich. Der Popularität von Präsident Joko Widodo habe die eher enttäuschende Wirtschaftsentwicklung bislang nicht geschadet. Bei den jüngsten Regionalwahlen habe seine PDI-P Stimmengewinne erzielen können und die Popularitätswerte "Jokowis" seien nach wie vor hoch. Er gehe als Favorit in die Präsidentschaftswahl, die ebenso wie die Parlamentswahl am 17. April 2019 stattfinde.

Das Wirtschaftswachstum liege seit 2014 nur noch bei rund 5%, nachdem es in den Jahren zuvor meist bei etwa 6% gelegen habe. Da die Wirtschaft rohstoffabhängig sei, hätten Preisverfall und Überkapazitäten im Rohstoffsektor auf der privaten Investitionstätigkeit gelastet. Die Regierung wolle durch den Ausbau der Infrastruktur neue Investitionen im Verarbeitenden Gewerbe anregen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten seien hier mittlerweile Fortschritte erkennbar. Die Infrastrukturinvestitionen würden das Wirtschaftswachstum in den kommenden Jahren anregen. Es werde allerdings lange dauern, bis Unternehmen in Indonesien eine gute Infrastruktur vorfänden. So bleibe das Land vorerst stark von der Nachfrage nach Rohstoffen abhängig.

Indonesien zeichne sich durch stabiles Wirtschaftswachstum, eine moderate Staatsverschuldung und eine gute Liquiditätssituation aus. Die Leistungsbilanz weise seit 2012 ein Defizit auf, das aufgrund der niedrigen Rohstoffpreise auch nicht bald verschwinden werde. Noch 2013 habe Indonesien aus Sicht der Finanzmärkte zu den am stärksten verwundbaren Emerging Markets gezählt, weil das hohe Leistungsbilanzdefizit zur Abhängigkeit von Kapitalzuflüssen geführt habe. Seitdem sei es durch eine vorsichtige Geld- und Fiskalpolitik, durch die Kürzung von Energiesubventionen und die Ausweitung von Infrastrukturinvestitionen gelungen, Vertrauen zurückzugewinnen. So weise der Ratingtrend wieder nach oben. S&P habe das Rating im Mai 2017 auf BBB- angehoben, womit Indonesien nun bei allen drei großen Agenturen über den Investment-Grade-Status verfüge. Moody's und Fitch würden zudem einen positiven Ratingausblick vergeben. (Ausgabe vom 10.07.2018) (12.07.2018/alc/a/a)