Höhere Leitzinsen rücken in weite Ferne


09.07.19 13:45
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Verantwortlichen für die gute Kapitalmarktentwicklung der ersten Jahreshälfte 2019 sind leicht zu identifizieren: Es waren die Notenbanken, so die Analysten der DekaBank.

Die Geldpolitik sei derzeit der dominierende Faktor für die Märkte. Bereits zu Jahresbeginn habe vor allem die Europäische Zentralbank (EZB), aber auch die amerikanische Notenbank FED deutlicher als zuvor auf die gedämpfte Inflationsentwicklung und die konjunkturellen Risiken hingewiesen. Mittlerweile sei es sogar zu einer kompletten Kehrtwende gekommen. Nicht mehr der Ausstieg aus der Niedrigzinsphase, sondern deren Verlängerung und Vertiefung stünden nun auf dem Programm. Die Analysten der DekaBank hätten in diesem Monat mit neuerlichen Zinssenkungen für die EZB und die FED diese Kehrtwende in ihre Prognosen aufgenommen. Das bedeute, dass der Gedanke an positive Geldmarktzinsen auf unbestimmte Zeiten in die Zukunft verschoben werde.

Zu Jahresbeginn sei es um die großen politischen Risikothemen (Handelskonflikt zwischen den USA und China, Brexit, Italien) zunächst noch relativ ruhig geblieben. Doch ab Mai seien überraschend wieder dunkle Risikowolken aufgezogen, insbesondere sei die weltweite konjunkturelle Abschwächung weitergegangen. Dies habe die Besorgnis der Notenbanken erhöht und an den Finanzmärkten Zinssenkungserwartungen aufkeimen lassen. Dabei seien die zuletzt veröffentlichten Konjunkturdaten zwar nicht wirklich stabil gewesen, sondern eher gemischt: Die Weltkonjunktur befinde sich beileibe nicht in einem freien Fall, der unvermeidlich und bald in die Rezession führen würde. Man könne vielmehr von einem "auskühlenden Aufschwung" sprechen. Mit ihrer extremen Reaktion auf diese Entwicklungen sei die Geldpolitik einmal mehr zur Triebfeder an den Finanzmärkten geworden: Die US-Börsen hätten neue Allzeithochs erreicht und die zehnjährige Bundesanleihe habe teilweise auf unter -0,30 Prozent rentiert, so tief wie nie zuvor.

Es sei aus Sicht der Analysten der DekaBank nach wie vor das wahrscheinlichste Szenario, dass die Weltwirtschaft zwar moderater, aber immer noch um etwa 3% wachse. Dank der guten Arbeitsmarktentwicklung in vielen Industrieländern würden die privaten Konsumausgaben eine wichtige Wachstumsstütze bleiben. Doch die Risiken würden weiter schwelen und die Notenbanken vorsichtig und marktstützend agieren lassen. Dabei agiere die Geldpolitik offenkundig asymmetrisch, denn für Absicherungsmaßnahmen nach unten stünden die Notenbanken nach eigenem Bekunden bereit, während sie anziehenden Inflationsraten vergleichsweise gelassen gegenüberstünden. Im Ergebnis bedeute dies mittelfristig ein umso attraktiveres Umfeld für risikobehaftete Anlageklassen, allen voran für Aktien. Dies gelte trotz absehbarer Volatilität und zwischenzeitlicher Korrekturen. Das Niedrigstzinsumfeld werde weiterhin fest einbetoniert. Insofern gebe es nennenswerte Renditechancen nur für diejenigen Anleger, die bereit seien, Risiken zu übernehmen. (Ausgabe Juli/August 2019) (09.07.2019/alc/a/a)