Gewinnwarnung von Daimler sorgt für Verunsicherung - Bundesanleihen verbuchen kräftige Kursgewinne


22.06.18 10:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der anstehende EU-Sondergipfel zum Asylrecht, das OPEC-Treffen in Wien, die Auswirkungen des Handelskonfliktes auf Industrie im Allgemeinen und den Automobilsektor im Besonderen sowie zunehmende Spannungen innerhalb der Regierungskoalition veranlassten viele Investoren, risikobehaftete Anlagen zu meiden und den sicheren Hafen qualitativ hochwertiger Staatsanleihen anzusteuern, so die Analysten der Helaba.

Die Zentralbanken würden dagegen weiter die Füße still halten. Während die SNB (Schweizer Nationalbank) an ihrer laxen Zinspolitik festhalte und ihre Bereitschaft zu Devisenmarktinterventionen erkläre, deute die Notenbank Norwegens eine Zinserhöhung für September an.

Im Asylstreit zeichne sich für das Treffen am Wochenende keine Einigung ab. Die osteuropäischen Staaten würden eine Verteilung der Flüchtlinge ablehnen, Italien verweigere sich schon im Vorfeld einer gemeinsamen Lösung.

Einen Lichtblick gebe es dagegen bei der Griechenlandrettung. In der Nacht hätten sich die EU-Finanzminister mit der Regierung aus Athen auf die Laufzeitstreckung für ältere Kredite um zehn Jahre geeinigt und die Auszahlung einer letzten Tranche in Höhe von 15 Mrd. Euro freigegeben. Mit Blick auf die aktuellen Probleme in der Eurozone seien das aber nur Randnotizen.

Bundesanleihen hätten nach der Gewinnwarnung von Daimler von zunehmender Verunsicherung profitiert und kräftige Kursgewinne verbucht. Zudem könne der Bund seine Anleiheplatzierungen im dritten Quartal wegen hoher Steuereinnahmen nochmals um 6 Mrd. Euro auf 37 Mrd. Euro reduzieren. Die Umsatztätigkeit habe sich aber weitestgehend auf den Termin- bzw. Primärmarkt beschränkt. Die Zinsstruktur zwischen 10- und 30-jährigen Bundesanleihen habe sich auf 79 BP ausgeweitet. Frankreich habe neue 6-jährige OATs im Volumen von knapp 4,2 Mrd. Euro emittiert und die im Februar 2021 und April 2022 um 2,4 bzw,1,9 Mrd. Euro aufgestockt. Linker hätten sich auf nochmal 1,7 Mrd. Euro summiert. Die Nachfrage sei trotz niedriger Renditen ausgesprochen lebhaft gewesen. 10-jährige Bonds aus Frankreich (0,70%) und Belgien (0,72%) hätten gegen Bunds 3 BP eingebüßt.

Anleihen der EU-Peripherie hätten im Gegensatz zu ihren Pendants in den Kernländern heftige Verluste verkraften müssen. In Spanien habe die Aufstockung von SPGBs mit den Fälligkeiten 07/2030, 04/2025, Juli 2033 und Oktober 2044 um insgesamt 5 Mrd. Euro belastet, in Rom habe die Ernennung des eurokritischen Universitätsprofessors Bagnai zum Vorsitzenden des Finanzausschusses im Senat für größere Unruhe gesorgt. Für die in der kommenden Woche geplanten Auktionen sei in allen Laufzeitsegmenten Platz geschaffen worden. Der Risikoabstand 10-jähriger spanischer (1,33%) und portugiesischer Bonds (1,82%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 12 BP ausgeweitet, italienische Staatspapiere (2,72%) hätten 28 BP verloren. 2- und 5-jährige Titel habe es mit Ausweitungen von knapp 35 BP noch ärger getroffen.

Am US-Bondmarkt sind die Renditen nach schwachen Konjunkturdaten wieder gesunken. Der Philly-FED-Index ist stärker als erwartet von 34,4 auf 19,9 Punkte gefallen, Frühindikatoren (0,2%) enttäuschten. Nur der Arbeitsmarkt präsentiert sich in unverändert robuster Verfassung. Der Abstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries weitete sich auf 27 BP aus. In Fernost tendieren US- Treasuries trotz schwacher Vorgaben des japanischen Aktienmarktes nur knapp behauptet. In Japan sind die Verbraucherpreise im Mai etwas stärker als erwartet um 0,7% gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)- (162,22) und Bobl-Kontrakt (132,24) hätten 90 bzw. 40 Stellen zugelegt, der Schatz (112,12) sei 9 Ticks höher aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,33% gefallen, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich um 1,5 auf 100 BP verringert. 10-jährige US-Treasuries würden 3 BP niedriger bei 2,91% rentieren. Der Euro klettere auf 1,161 US-Dollar, der Preis für das Barrel Öl steige nach der Einigung auf eine Fördererhöhung von weniger als eine Million Barrel pro Tag auf 66,4 US-Dollar.

Zum Wochenschluss gelte die ungeteilte Aufmerksamkeit den Einkaufsmanagern der größten Volkswirtschaften in der Eurozone. Die vorläufigen Umfragen im Juni dürften belegen, dass Handelskrieg und geopolitische Unsicherheiten Spuren bei Industrie (55 nach 55,5) und im Dienstleistungssektor (53 nach 53,8) hinterlassen hätten. Die Abschläge könnten durchaus höher als bisher prognostiziert ausfallen.

Am Primärmarkt seien heute keine Transaktionen staatlicher europäischer Schuldner geplant. In der kommenden Woche dominiere Italien den Emissionskalender. Das amerikanische Schatzamt versteigere 2-, 5- und 7-jährige Notes.

Die DEUTSCHE/HYPO habe unter Mitführung der Helaba einen 8-jährigen Hypothekenpfandbrief im Volumen von 500 Mio. Euro bei Midswap -5 BP begeben. Royal Bank of Canada habe einen 5-jährigen Covered Bond im Volumen von 1,5 Mrd. Euro bei Midswap +2 BP emittiert. (22.06.2018/alc/a/a)