Erweiterte Funktionen

Geopolitische Spannungen lassen Rentenmärkte kalt - Was treibt die Renditen nach oben?


18.05.18 11:45
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Trotz der zunehmenden geopolitischen Spannungen sind die US-Renditen deutlich gestiegen und liegen im zehnjährigen Bereich nunmehr bei 3,11%, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Die entsprechenden Bund-Titel würden ebenfalls höher rentieren (0,63%). Dabei seien insbesondere die politischen Ereignisse nicht dazu angetan gewesen, die Risikofreude der Anleger anzuregen. Insbesondere die Zuspitzung des Konfliktes zwischen Israel und Palästina, die auch im Zusammenhang mit der Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Israel stehe, habe für erhitzte Diskussionen gesorgt. Gleichzeitig habe der nordkoreanische Präsident Kim Yong Un gedroht, das für den 12. Juni vereinbarte Gipfeltreffen mit Donald Trump platzen zu lassen.

Weiter würden einige Marktteilnehmer befürchten, dass die Stabilität der Eurozone durch die sich abzeichnende Koalition in Italien zwischen den beiden populistischen Parteien 5-Sterne-Bewegung und Lega gefährdet werden könnte. Dies lasse sich bereits in steigenden Spreads italienischer Anleihen ablesen.

Emerging Markets-Investoren würden außerdem aufmerksam nach Argentinien und die Türkei schauen. In beiden Ländern seien die Währungen massiv unter Druck geraten. In Argentinien habe dies damit zu tun, dass das Land etwa 5 Milliarden US-Dollar an Währungsreserven zur Stützung des Argentinischen Peso verbrannt und jetzt den Internationalen Währungsfonds gerufen habe. In der Türkei habe Präsident Recep Tayyip Erdogan mit einem Angriff auf die Unabhängigkeit der Türkischen Zentralbank für eine Beschleunigung des Abwärtstrends bei der Türkischen Lira gesorgt. Die Präsidentschaftswahlen, die am 20. Mai in dem nahe an einem Bürgerkrieg stehenden Venezuela stattfänden, würden das Thema "Stabilität der Emerging Markets" oben auf der Agenda halten.

Angesichts dieser Spannungen stelle sich die Frage, was die Renditen derzeit nach oben treibe. Zum einen sei hier der Ölpreis anzusprechen, der am 17.05. die 80 US-Dollar/Barrel-Marke (Brent) überschritten habe und entsprechend für höhere Inflationserwartungen sorge. Zum anderen spiele sicherlich auch die Überwindung der psychologisch wichtigen Marke von 3% bei den US-T-Notes eine wichtige Rolle. Vielen Investoren und Unternehmen dürfte damit bewusst werden, dass Zinsen doch steigen könnten. Entsprechend würden insbesondere Kreditnehmer, die sich variabel verschuldet hätten, entsprechende Zinsabsicherungen nachfragen, die ihrerseits für höhere Zinsen sorgen würden. Angesichts des Momentums bei den langfristigen Renditen könne dieser Aufwärtspfad noch einige Wochen anhalten. Die Rendite-dämpfenden Effekte vonseiten der Geopolitik dürften jedoch dazu führen, dass am Jahresende die langfristigen Renditen in den USA nicht höher als 3,25% und die Pendants aus Deutschland bei 1,10% liegen sollten. (Ausgabe vom 17.05.2018) (18.05.2018/alc/a/a)