Geldpolitik, Staatsverschuldung und Inflationsgefahren


15.01.18 09:00
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Das Thema "Inflationsgefahren" könnte im neuen Jahr in das Zentrum der Diskussionen an den Finanzmärkten geraten, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Schon jetzt könne eine große Diskrepanz festgestellt werden zwischen dem Empfinden der Konsumenten und den von den Behörden veröffentlichten Inflationsraten. Während Erstere nicht müde werden zu sagen, alles sei teurer geworden, würden die Statistiker mit ihren ermittelten Lebenshaltungskosten (CPI) auf ein hohes Maß an Preisstabilität verweisen (Eurozone im Dezember 2017 1,4%). Wer hae nun recht? Fehler könne man auf beiden Seiten erkennen, die "wahre Teuerung" dürfte eher in der Mitte liegen.

Dem Konsumenten seien wohl eher die Preise bewusst, mit denen er sehr häufig Umgang habe und Änderungen sich ihm schnell ins Bewusstsein festsetzen würden. Die wöchentliche Fahrt an die Tankstelle und der kontinuierliche Einkauf von Lebensmitteln würden bei ihm das Gefühl aufkommen lassen, die Preise würden steigen. Einen Flachbildschirm werde er dagegen nur alle drei bis vier Jahre kaufen und den Preisrückgang kaum erkennen. Der Statistiker dagegen ermittle die Teuerung anhand eines Warenkorbes, in dem alle Waren und Leistungen für einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt enthalten seien.

Andererseits seien den Statistikern aber auch ständige Änderungen ihrer Berechnungsmethoden vorzuhalten. Das Institut Shadow Government Statistics habe festgestellt, würde man die US Konsumentenpreise nach der Methode errechnen, die bis in die 1980er Jahre angewendet worden sei, habe sich der CPI-Anstieg auf knapp 10% gestellt. Stattdessen liege der vom Arbeitsministerium veröffentlichte Anstieg gegenüber dem Vorjahr bei 2,1%. Zum Standardmaß für die Lebenshaltungskosten in den USA sei die "Kernrate" definiert worden. Sie liege bei 1,7%. Diese "Core Rate" solle die wahre, zugrunde liegende Inflation spiegeln ohne die volatilen Preise für Energie und Nahrungsmittel. Doch welche Verbraucher seien das, die im Alltag ohne Energie und Nahrungsmittel auskämen? Es seien diejenigen Amerikaner, die nichts essen oder trinken, niemals Auto fahren oder fliegen und ihre Wohnungen weder heizen noch kühlen würden.

Andere fragwürdige Rechenmethoden, die die Inflation niedrig ausfallen lassen würden, seien der hedonische Preisansatz, mit dem technologische Fortschritte ein Produkt automatisch gegenüber dem Vorjahresprodukt preiswerter machen und die Teuerungsrate schönrechnen würden oder der Surrogatansatz, bei dem Produkte im Warenkorb mit starkem Preisanstieg gegen andere preisstabilere ersetzt würden (Bsp.: Rindfleisch werde teurer, Schweinefleisch nicht. Also werde die Gewichtung von Rindfleisch zugunsten Schweinefleisch vermindert).

Die FED favorisiere als Benchmark für die Inflationsmessung den "Core PCE", die Kernrate für die Preise der Personal Consumption Expenditures. Immobilienpreise, Aktienkurse oder Vermögenswerte seien nicht enthalten. Auch Energie und Lebensmittel würden fehlen. Die angewandten Rechenmethoden würden dazu führen, dass dieser Index unterhalb von allen anderen Inflationsmaßstäben verharre. Ein gutes Beispiel für die Methode "Schönreden, Reichrechnen, Gesundbeten".

Die wahre Bewährungsprobe für die Notenbankpolitik werde dann kommen, wenn sich Inflationsgefahren doch deutlicher abzeichnen würden. Schon jetzt würden als Vorboten die Metallpreise, die Produzentenpreise und die Großhandelspreise steigen. Die 2%-Marke stehe auf dem Prüfstand! Wie könnten aber die Zentralbanken angesichts der hohen Verschuldung ihre Leitzinsen auf ein normales Maß erhöhen? Die Märkte könnten künftig kritischer hinterfragen, ob es nicht auch andere Arten von Inflation gebe, z.B. die Kurse an den Finanz- und Immobilienmärkten. Eine ultraexpansive Geldpolitik bei gleichzeitig exorbitanter Staatsverschuldung und aufziehenden Inflationsgefahren sei eine gefährliche Mixtur der Einflussfaktoren auf die Finanzmärkte. (Ausgabe vom 14.01.2018) (15.01.2018/alc/a/a)





hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
1,60 % 1,70 % -0,10 % -5,88% 29.01./17:30
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
2,00 % 1,50 %