Erweiterte Funktionen

FED setzt als geldpolitische Kernbotschaft unverändert auf Geduld


03.05.19 08:15
State Street

Boston (www.anleihencheck.de) - Lee Ferrigde, Leiter der Abteilung Multi Asset Strateg Nord- und Südamerika bei State Street Global Markets, Sophia Ferguson, Senior Portfoliomanager bei State Street Global Advisors und Antoine Lesné, Leiter der EMEA-Strategie und Research für SPDR ETFs, äußern sich zum Ergebnis der geldpolitischen Sitzung der U.S. Federal Reserve.

Ferridge habe kommentiert: "Die FED setzt als geldpolitische Kernbotschaft unverändert auf Geduld, denn die extrem lockeren Finanzbedingungen (der Chicago FED National Financial Conditions Index ist auf einem historischen Tiefstand) stehen im Gegensatz zu den uneinheitlichen Konjunkturdaten und der sich verlangsamenden Inflation, was die FED etwas in der Schwebe lässt. Während sich der Markt zunehmend auf die Möglichkeit einer Verschiebung zu einem durchschnittlichen Inflationsziel konzentriert, was zu einer Leitzinssenkung führen könnte, zeigt die FED keine Anzeichen dafür, dass sie ihre Rahmenbedingungen in naher Zukunft ändern wird.

Etwas überraschend beschloss die FED den Zinssatz für Überschussreserven (IOER, Interest on Excess Reserves) um fünf Basispunkte zu senken. Die Konsensusmeinung war, dass dies erst auf der Juni-Sitzung passieren wird. In jedem Fall sollte dieser Schritt nicht als Leitzinssenkung missverstanden werden. Der Schritt war rein technischer Natur und ein Versuch, den FED Funds Effektivzins zu senken und ihn vom oberen Band wegzubewegen, dem er sich zuletzt angenähert hat. Insgesamt zeigten sich die Märkte nach der Sitzung wenig verändert. Die Aktienmärkte sind gut in das Jahr gestartet und die Botschaft der FED sollte diesen positiven Trend nicht stören. Allerdings ringen die G10-Devisenmärkte um eine Richtung und das Warteschleifen-Mantra der FED wird daran kaum etwas ändern."

Ferguson habe kommentiert: "Wieder einmal sieht sich das Komitee mit einem Tauziehen zwischen solidem Wachstum und schwacher Inflation konfrontiert. Seit der März-Sitzung haben sich die Wirtschaftsdaten wieder erholt, was darauf hindeutet, dass das Wachstum auch 2019 über der Potenzialrate liegen wird. Die jüngsten Mitteilungen haben jedoch deutlich gemacht, dass der Straffungszyklus wegen des nachlassenden Preisdrucks und der überwiegenden Bereitschaft, ein Überschießen der Inflationsschub zu tolerieren, zu Ende ist.

Allerdings gehen wir nicht davon aus, dass die FED die Leitzinsen wegen Befürchtungen einer rezessiven Wachstumsverlangsamung senken muss, sondern dass sie zunächst wahrscheinlich unverändert bleiben werden. Mittelfristig besteht nach wie vor das Risiko, dass eine Kürzung notwendig sein könnte, um die Konjunktur zu stützen, wenn sich die Steuersenkungsimpulse schneller als erwartet auflösen. Allerdings müssten die Wachstumsprognosen schon deutlich nach unten korrigiert werden, um so einen Schritt rechtfertigen zu können. Sollte die Inflation ungeachtet dessen niedrig bleiben, ist die eingepreiste Markterwartung einer Zinssenkung von 25 Basispunkten in 2019 angemessen. Bis in die Sommermonate hinein sollten daher Durationpositionierungen, die auf fallende Zinsen setzen, überdurchschnittlich abschneiden."

Lesné habe kommentiert: "Trotz des in der vergangenen Woche gemeldeten überraschend starken Wachstums des Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal gibt die zugrunde liegende Schwäche der Kerninflation der FED weiterhin Spielraum, um den Leitzins beizubehalten und zunächst die weitere Entwicklung der Konjunktur zu beobachten. Die Auswirkungen der Stimulierungsmaßnahmen verblassen, und die weniger expansiven monetären Bedingungen als Ergebnis der Bilanzverkürzung der FED könnten das Wirtschaftswachstum weiter belasten. Der Fokus wird sich nun schnell darauf richten, wann die Bilanzverlängerung nach Beendigung der Normalisierung wieder beginnen kann. Inzwischen dürfte die relative Stärke der Konjunkturdaten aus dem Euroraum den USD vom jetzigen Niveau aus unter Druck setzen. Dieses Gesamtbild könnte sich positiv auf in Landeswährung denominierte Anleihen der Schwellenländer auswirken. Es sollte die Anleger auch dazu veranlassen, die ein bis drei und sieben bis zehn Jahre langen Laufzeitsegmente der US-Renditenkurve zu bevorzugen." (Ausgabe vom 02.05.2019) (03.05.2019/alc/a/a)