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FED nur auf den ersten Blick richtig falkenhaft


14.06.18 10:20
Deutsche Bank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Wie erwartet hat die US-Notenbank die Zielzone für die FED Funds um einen Viertelprozentpunkt (1,75 - 2,0 Prozent) angehoben, berichtet die Deutsche Bank AG in einer aktuellen Ausgabe "MÄRKTE am Morgen".

Dass der Offenmarktausschuss (FOMC) hinsichtlich der Inflation zuversichtlicher geworden ist, zeigt sich an den Zinsprojektionen, den so genannten "dot plots", die für das laufende Jahr nun insgesamt vier Zinserhöhungen - wie dies die Deutsche Bank AG bereits seit langer Zeit immer wieder betont - vorsehen. Für 2020 bleibe die Medianprognose indes immer noch bei 3,4 Prozent, auch die langfristige Zinsvorhersage liege unverändert bei 2,9 Prozent (Median). Bei genauem Hinsehen falle sogar auf, dass die Vorhersagebänder des FOMC gegenüber März an der Oberseite zum Teil sogar zurückgenommen worden seien und insgesamt etwas enger ausgefallen seien.

Für das reale Wirtschaftswachstum sei die mittlere Prognose für 2018 zwar auf 2,8 Prozent (+0,1%) angehoben worden. Gleichzeitig seien die Vorhersagen für 2019 und 2020 gegenüber März unverändert belassen worden und würden den Eindruck vermitteln, dass die Wirtschaft mittelfristig zwar moderat wachsen, aber nicht überhitzen werde. Was die Kerninflation, gemessen am Index der persönlichen Konsumausgaben (PCE), betreffe, werde für dieses Jahr mit einem Anstieg auf 2,0 Prozent (März 1,9 Prozent) gerechnet, während die Mittelwerte für die Folgejahre, aber auch die Obergrenzen der Prognosebänder unverändert bleiben würden.

Vier Zinserhöhungen für dieses Jahr seien eigentlich keine Überraschung, denn bereits im März hätte die Stimme eines einzigen FOMC-Mitglieds genügt, um nicht zum gleichen Schluss zu kommen. Die Vorhersagen seien minimal falkenhafter, aber längst nicht so hawkish ausgefallen, wie dies auf den ersten Blick den Anschein gehabt haben möge. Dies zeige sich auch am Euro, der zwar zunächst einen Rücksetzer habe hinnehmen müssen, sich aber per saldo wieder deutlich erholt habe und sich immer noch in seinem aufwärts gerichteten Korrekturpfad zwischen 1,1700 (modifiziert) und 1,1955/65 bewege. Dafür habe nicht zuletzt die Zurückhaltung gesorgt, die FED-Chef Jerome Powell während der Pressekonferenz an den Tag gelegt habe. Übrigens: Bereits Medienberichten vom Dienstagabend zufolge plane Powell in Zukunft, nach jeder (und nicht wie bisher nach jeder zweiten) Notenbanksitzung eine Pressekonferenz abzuhalten. Anscheinend seien dadurch im Vorfeld der gestrigen Sitzung Spekulationen angeheizt worden, die FED könne in diesem Jahr womöglich sogar mehr als vier Zinserhöhungen beschließen. (14.06.2018/alc/a/a)