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FED-Statement: Symmetrie hat zwei Seiten


04.05.18 10:45
Deutsche Bank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In der Antike gab es Wahrsager, die das Schicksal aus den Eingeweiden von Tieren herauszulesen versuchten. Wer das vorgestrige Communiqué der US-Notenbank zu deuten versuchte, mag sich beim Lesen und Bewerten der einzelnen Worte fast wie ein solcher Haruspex aus dem alten Rom vorgekommen sein, berichtet die Deutsche Bank AG in einer aktuellen Ausgabe "MÄRKTE am Morgen".

Denn tatsächlich sei auf den ersten Blick nicht ganz klar gewesen, ob sich der Offenmarktausschuss der FED (FOMC) in diesem so sorgfältig und ausgewogen formulierten Statement eher ein bisschen tauben- oder doch eher ein wenig falkenhaft geäußert habe. So habe etwa der Fondsmanager Bill Gross erklärt, der Begriff "symmetric" bezüglich des Inflationsziels sei für ihn von besonderer Bedeutung. Möglicherweise weil der Begriff im Communiqué gleich zweimal auftauche. Zumindest werde damit deutlich, dass die Entscheider innerhalb des FOMC gewillt seien, ein leichtes Überschießen beim Inflationsziel zu tolerieren. In der Tat ein wichtiger Hinweis, denn zu Wochenbeginn habe der von der FED besonders beachtete Kostenindex der Privaten Konsumausgaben (PCE) die Zielmarke von 2 Prozent erreicht, was ihm in den meisten Monaten seit April 2012 nicht mehr gelungen sei. Mit anderen Worten: Die Notenbank bleibe entspannt und werde nicht gleich beim ersten Überschreiten des Inflationsziels das Tempo bei den Leitzinserhöhungen rasant beschleunigen.

"Symmetrisch" bedeute konsequenterweise aber auch, dass die Notenbank diese Geschwindigkeit bei den Zinsschritten nicht senken werde, falls das Inflationsziel kurzfristig ein wenig verfehlt werden sollte. Entscheidend dürfte jedoch gewesen sein, dass der Hinweis, man müsse die Inflationsentwicklung genau beachten, nicht mehr im Statement enthalten sei. Und deswegen tendiere man per saldo zu einer leicht hawkishen Interpretation.

Unterdessen brauche man sich hierzulande wahrscheinlich in der näheren Zukunft keine Gedanken zu machen, ob das Inflationsziel erreicht werde. Denn die erste Schätzung des Konsumentenpreisindex der Eurozone für den Monat April bleibe in der Kernrate mit +0,7 Prozent im Jahresvergleich nicht nur hinter der März-Zahl, sondern auch in Bezug auf die Konsenserwartung von +0,9 Prozent zurück. Angesichts dieser schlechten Inflationsdaten im Vergleich zu denen der USA hätte der Euro gestern umgehend eigentlich einen weiteren Schlag hinnehmen müssen. Man könne natürlich der Ansicht sein, die Statistik sei wegen des frühen Osterfestes in diesem Jahr etwas verzerrt - ein Umstand, den die Ökonomen allerdings bei ihren Prognosen ganz sicher berücksichtigt haben dürften. Auch wenn der EUR/USD nicht stärker gefallen sei - er habe sich im Gegenzug aber auch nicht substanziell im Rahmen seines kurzfristigen Abwärtstrends zwischen 1,2210/15 und 1,1865/70 erholt. (04.05.2018/alc/a/a)