Eurozone: Unveränderte Leitzinsen bis Jahresende erwartet


18.11.19 11:15
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In den kommenden Tagen dürften die - ohnedies viel beachteten - Schnellschätzungen für die Einkaufsmanagerindices (PMI) noch stärker im Fokus stehen als üblich, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Zur Ausgangslage: Die Einkaufsmanager seien zeitnahe und einer der verlässlichsten Frühindikatoren für die unmittelbare Wirtschaftsentwicklung. Die aktuellen Werte der PMI sowie die tatsächliche Konjunkturlage in der Eurozone seien geprägt von einer Rezession im Industriebereich und einer robusten Entwicklung des Dienstleistungssektors. In Summe ergebe dies eine schwache aber nicht rezessive Konjunkturlage. Die jüngsten Indikationen würden darauf hindeuten, dass der Abwärtstrend für den Industriebereich auslaufe und sich der PMI für das Verarbeitende Gewerbe wieder verbessere. Oftmals wird damit die Hoffnung verbunden, dass das Konjunkturtief somit hinter uns liegt und die Gesamtwirtschaft alsbald wieder Schwung aufnimmt, so die Analysten der RBI.

Auch die Analysten der RBI würden für den Monat November einen Anstieg des PMI für das Verarbeitende Gewerbe ansetzen, der ihrer Ansicht nach vor allem für Deutschland sehr deutlich ausfallen dürfte. Allerdings würden die Analysten nicht die Zuversicht teilen, dass der im historischen Vergleich große Unterschied zwischen Industrie- und Dienstleistungssektor allein durch eine Verbesserung des Industriebereichs geschlossen werde. Nach Meinung der Analysten der RBI dürfte sich - so wie in früheren Phasen - die verhältnismäßig große Lücke von beiden Seiten schließen.

Die Analysten würden damit rechnen, dass die Abwärtsentwicklung im Industriesektor an Heftigkeit abnehme, gleichzeitig aber der Dienstleistungssektor etwas an Schwung verliere. Letzteres kommt unter anderem durch unsere vorsichtige Prognose für die anstehenden PMI für den Dienstleistungsbereich zum Ausdruck, so die Analysten der RBI. Zudem würden die Analysten denken, dass das BIP-Wachstum in den kommenden Monaten noch nicht maßgeblich beschleunige. Neben den PMI sei die Schnellschätzung für das Konsumentenvertrauen von Interesse. Die Analysten würden für November mit einem weitgehend unveränderten Wert rechnen.

Die Wortmeldungen von EZB-Ratsmitgliedern in den vergangenen Wochen würden darauf schließen lassen, dass die Mehrheit der Entscheidungsträger zunächst eine Politik der ruhigen Hand favorisiere. Allerdings sei die Kommunikation einer prinzipiellen Bereitschaft für eine nochmalige Zinssenkung unverändert geblieben. Die Analysten der RBI hätten ihre Prognose für eine Senkung des Einlagesatzes im Dezember 2019 revidiert und würden nun bis Jahresende von unveränderten Leitzinsen ausgehen. Die veränderte Einschätzung für den EZB Einlagesatz habe zudem eine Anpassung der Prognosen für die Euribor Sätze, Swapsätze und Renditen für deutsche Staatsanleihen nach sich gezogen. Per Jahresende 2019 hätten die Analysten der RBI alle Prognosewerte um rund 10 Basispunkte nach oben angepasst. (Ausgabe vom 15.11.2019) (18.11.2019/alc/a/a)