Eurozone: Keine weitere Leitzinssenkung erwartet


17.06.19 10:00
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In den kommenden Tagen werden in der Eurozone die Ergebnisse einiger interessanter Konjunkturumfragen veröffentlicht, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die vorliegenden Informationen (sentix Erhebung) würden auf einen weiteren Rückgang der ZEW-Zukunftserwartungen schließen lassen. Das Konsumentenvertrauen in der Eurozone würden die Analysten der RBI im Juni weitgehend unverändert erwarten (Stabilisierung auf einem hohen Niveau). Das meiste Interesse werde wohl den vorläufigen Schätzungen der Einkaufsmanagerindices (PMI) entgegengebracht. Während wir für den Dienstleistungsbereich einen leichten Rückgang erwarten, sind wir für das Verarbeitende Gewerbe zuversichtlich, so die Analysten der RBI. Das zuletzt ausgewiesene Verhältnis Neuaufträge vs. Lagerbestand spreche in einigen Ländern für ein kräftiges Anziehen der Produktion.

Am Terminmarkt hätten sich in den vergangenen Wochen Zinssenkungsspekulationen fest etabliert. In der EONIA Swap Kurve werde für das erste Quartal 2020 eine Absenkung des EZB-Einlagesatzes um 10 Basispunkte gepreist. Die Analysten der RBI würden diese Positionierung für mutig halten. Immerhin habe die Notenbank in ihrer Sitzung Anfang Juni unveränderte Leitzinsen bis Mitte 2020 klar in Aussicht gestellt. Zudem würden die Analysten der RBI die Meinung der Währungshüter teilen, dass die Wahrscheinlichkeit für eine nahende Rezession sehr gering sei. Viele Marktteilnehmer würden ihre Zinssenkungsannahme auch nicht mit einem drohenden Wirtschaftseinbruch argumentieren. Vielmehr solle der starke Rückgang der langfristigen, am Markt gepreisten Inflationserwartungen Auslöser für eine geldpolitische Lockerung sein. In der Tat müsse der regelrechte Absturz der Inflationsswaps (die gepreiste Teuerung in fünf Jahren für fünf Jahre habe zuletzt unter 1,2% p.a. gelegen) der EZB Sorge bereiten. Allerdings erscheine dem Zinspricing eine Fehlinterpretation der EZB-Reaktionsfunktion zugrunde zu liegen.

Nach Erachten der Analysten der RBI sei viel eher mit einer Quantitativen Lockerung zu rechnen (Neustart des Anleihekaufprogramms), sollte sich die EZB tatsächlich entschließen, gegen das Abdriften der Inflationserwartungen vorzugehen. Eine nochmalige Zinssenkung sähen die Analysten der RBI dagegen eher als Maßnahme im Falle einer negativen Konjunkturentwicklung. Auf Basis ihrer Wirtschaftsprognosen würden die Analysten der RBI mit keiner weiteren Leitzinssenkung rechnen. Ihre Rendite- und Swapsatzprognosen seien unter Revision. (Ausgabe vom 14.06.2019) (17.06.2019/alc/a/a)