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Euroraum: Konjunkturelle Talsohle bald durchschritten?


14.11.19 09:00
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Das EWU-BIP ist im dritten Quartal stärker als erwartet um 0,2% zur Vorperiode gewachsen, so die Analysten von Postbank Research.

Das Wachstum bleibe damit aber niedrig. Während Frankreich (+0,3%), Spanien (+0,4%) und selbst Italien (+0,1%) im dritten Quartal positiv überrascht hätten, habe Deutschland wohl im Sommerhalbjahr eine technische Rezession durchlaufen.

Zuletzt leichte Anstiege der PMIs für das Verarbeitende Gewerbe sowie der ifo-Geschäftserwartungen seien nicht ausreichend, um bereits ein Ende der Konjunkturschwäche zu vermelden. Sollte sich das Bild aber in den kommenden Monaten bestätigen, würden die Analysten eine konjunkturelle Wiederbelebung im Frühjahr 2020 für denkbar halten.

Die EWU-Inflation habe im Oktober angesichts einer dämpfenden Energiepreisentwicklung nur noch bei 0,7% und damit weiterhin klar unter dem EZB-Ziel gelegen.

Aussagen Mario Draghis nach seiner letzten EZB-Ratssitzung würden zeigen, dass die EZB sich angesichts des fundamentalen Umfelds in ihrer wieder expansiveren Geldpolitik bestätigt sehe. Mit einem Kurswechsel sei unter seiner Nachfolgerin Christine Lagarde nicht zu rechnen - der im EZB-Rat wohl ohnehin keine Mehrheit fände.

Die Rentenmarktakteure hätten Fortschrittssignale bei Handelsstreit oder Brexit zuletzt möglicherweise zu positiv bewertet. Da zudem die EZB das Niedrigzinsumfeld im Euroraum auf absehbare Zeit zementiert habe, würden die Analysten bei zehnjährigen Bundesanleihen (-0,24%, Stand: 12.11.2019) in den nächsten zwölf Monaten mit leicht sinkenden Renditen rechnen. Der 3M-Euribor dürfte auf -0,46% sinken. (Ausgabe November 2019) (14.11.2019/alc/a/a)