Euroraum: Die Inflationsdaten im April dürften gute Nachrichten bringen


25.04.22 09:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Q1 BIP-Zahlen für den Euroraum sollten noch sehr wenig von den Auswirkungen des Ukraine-Krieges geprägt sein, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Zwar sei in vielen Kommentaren zu lesen, dass bereits ab März die gestiegene Unsicherheit auch realwirtschaftliche Konsequenzen gehabt habe. Nach Meinung der Analysten der RBI würden sich die Sorgen und verschlechterten Rahmenbedingungen (Rohstoffpreise, Handels- und Geschäftsbeschränkungen, etc.) aber erst später in die gesamtwirtschaftlichen Aktivitätsdaten fressen. Zudem sei der Jahresbeginn in vielen Ländern noch geprägt gewesen von den jeweiligen Corona-Beschränkungen, genauer gesagt vom Abbau von Restriktionen.

Somit würden die Analysten der RBI in Österreich mit einem deutlichen Rebound des BIP rechnen und auch für Deutschland seien sie für Q1 etwas zuversichtlicher als zuletzt die Bundesbank (diese rechne mit einer Stagnation). Für den Euroraum würden die Analysten der RBI mit einem BIP-Zuwachs von 0,3% bis 0,6% p.q. rechnen. Die zuletzt veröffentlichten Schnellschätzungen der Einkaufsmanagerindices würden die Argumentation der Analysten der RBI unterstreichen: Während der Industriesektor den Gegenwind zunehmend spüre (ohne dabei schockartig einzubrechen), zeige sich die Aktivität im Dienstleistungsbereich noch robust. Dieses Bild würden nach Erwartung der Analysten der RBI auch die anstehenden EU-Sentimentindices zeichnen. Die beschriebene Diskrepanz werde sich nach Meinung der Analysten der RBI im Frühjahr zunächst fortsetzen. Sobald aber der Rebound im Dienstleistungssektor abklinge, sei mit einer deutlichen Konjunkturabschwächung zu rechnen (Stagnation in H2/22).

Die Inflationsdaten im April dürften endlich gute Nachrichten bringen. Die Analysten der RBI würden einen Rückgang der Energieinflation erwarten. Die Kraftstoffpreise seien mit Sicherheit deutlich gesunken, doch werde das Ausmaß des Rückgangs der Energiepreise entscheidend davon abhängen, wie sich die verzögerten Effekte auf die Strompreise für Haushalte auswirken würden (die Großhandelspreise seien im April ebenfalls gesunken). Die Energieinflation dürfte im weiteren Verlauf langsam zurückgehen, werde aber aufgrund des zurückliegenden Anstiegs bis zum Jahresende hoch bleiben (Basiseffekt). Die Analysten der RBI würden erwarten, dass die Kerninflation im April 3,2% im Jahresvergleich erreichen werde. Der leichte Anstieg gegenüber März (2,9% p.a.) sei auf die Weitergabe der höheren Energiepreise zurückzuführen (indirekter Effekt).

Leider habe die Inflation auch schlechte Nachrichten in petto. Während der Energieschock langsam abklinge, baue sich ein Lebensmittelpreisschock auf. Die Lebensmittelpreise stünden infolge des Krieges in der Ukraine unter Aufwärtsdruck. Russland und die Ukraine seien nicht nur weltweit wichtige Weizenproduzenten (und die Ukraine auch Maisproduzent), sondern Weißrussland und Russland, die mit Sanktionen belegt seien, seien dazu wichtige Exporteure von Düngemitteln. Die höheren Risikoprämien für Nahrungsmittel-Rohstoffe würden sich bereits in den Endverbraucherpreisen niederschlagen.

Die Analysten der RBI würden davon ausgehen, dass diese im April um 0,8% gegenüber dem Vormonat und damit um 5,2% gegenüber dem Vorjahr steigen würden, wobei in den kommenden Monaten eine weitere Beschleunigung des Preisauftriebs möglich sei. Insgesamt würden die Analysten der RBI davon ausgehen, dass die Gesamtinflation im April 7,5% im Jahresvergleich erreichen werde. Die Inflationsdynamik in den kommenden Monaten werde in hohem Maße von der Entwicklung der Lage in der Ukraine abhängen, sowohl bei den Energie- als auch bei den Lebensmittelpreisen.

Ale etwas spärlicher, aber dennoch reichlich bestückt, erweise sich der Datenkalender für die USA. Eine Woche vor der wichtigen FED-Zinssitzung stünden Konjunkturindikatoren im Vordergrund - allen voran die BIP-Veröffentlichung für das erste Quartal. Im Vergleich zu den Vorquartalen werde ein deutlich schwächeres Wachstum erwartet, welches durch einen negativen Beitrag der Nettoexporte sowie der Lagerveränderungen bei anhaltend positivem Konsumbeitrag privater Haushalte verursacht sein sollte. Sowohl Konsensus-Schätzungen als auch der Nowcast der Atlanta FED würden auf ein Quartalswachstum von etwa 1% (annualisiert und saisonal bereinigt) hindeuten, was in der in Europa üblicheren Notation nicht-annualisierter Quartalswachstumsraten 0,25% p.q. entsprechen würde.

Neben dem BIP werde auch die Inflationsentwicklung diese Woche Beachtung finden. Da im Zuge des monatlichen Berichts zum privaten Konsum bzw. Einkommen die PCE Inflation für den Monat März veröffentlicht werde. In welchem Ausmaß die PCE-Kerninflation dem Rückgang der monatlichen Dynamik der Verbraucherpreisinflation folge, welche von einer Bandbreite zwischen 0,5% und 0,6% p.m. (s.b.) auf 0,32% gefallen sei, werde dabei im Fokus stehen. Auch in Hinblick auf die Konsumentenstimmung bleibe Inflation das bestimmende Thema, da rasch steigende Preise die Kaufkraft belasten und somit das Konsumverhalten negativ beeinflussen könnten. Seit Jahresbeginn sei die Konsumentenstimmung in den USA zurückgegangen.

Am Zinsmarkt hätten zuletzt Aussagen von EZB-Ratsmitgliedern für Schlagzeilen gesorgt, die eine erste Zinsanhebung im Juli ins Spiel gebracht hätten. Die Stellungnahmen würden aber nach Meinung der Analysten der RBI lediglich die Kommunikation der Zinssitzung vor rund einer Woche unterstreichen. Die Netto-Anleihekäufe würden in Q3 ein Ende finden und eine erste Zinsanhebung könne auch rasch folgen. Ein erster Zinsschritt bereits dieses Quartal sei also weiterhin nicht wahrscheinlich. Zudem dürfte es weiterhin der Plan sein, den Einlagesatz bis Jahresende auf die 0%-Marke zu heben. Den Versuch, den Markt bei den Leitzinsen auf ein verschärftes Tempo einzustimmen, könnten die Analysten der RBI nicht erkennen. (Ausgabe vom 22.04.2022) (25.04.2022/alc/a/a)