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Euroraum: Geldpolitische Wende schreit voran - wenn auch nur in kleinen Schritten


14.09.18 13:45
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Die geldpolitische Wende im Euroraum schreit weiter voran - wenn auch nur in kleinen Schritten, berichten die Analysten von Postbank Research.

So habe der EZB-Rat auf seiner gestrigen Sitzung beschlossen, die Netto-Anleiheankäufe ab Oktober dieses Jahres von derzeit 30 Mrd. Euro pro Monat auf 15 Mrd. Euro zu reduzieren. Zudem sei die Absicht bekräftigt worden, diese zum Ende des Jahres gänzlich einzustellen, wenn sich Konjunktur und Inflation weiter im Einklang mit den Erwartungen der Währungshüter entwickeln würden. Bei den aktuellen EZB-Projektionen habe es diesbezüglich keine relevanten Änderungen gegeben.

Unberührt vom Ende der Netto-Ankäufe bleibe darüber hinaus bekanntermaßen die Reinvestition von Rückflüssen aus dem existierenden Anleihebestand der EZB, deren Fortsetzung auch gestern noch einmal bestätigt worden sei. Keine Neuigkeiten wiederum habe es mit Blick auf die Leitzinsen in der Eurozone gegeben. Die Währungshüter hätten diese gestern erwartungsgemäß unverändert gelassen und ihre Einschätzung wiederholt, dass diese noch mindestens bis "über den Sommer 2019" auf ihren aktuellen Niveaus bleiben würden. In der Summe habe die gestrige EZB-Sitzung damit keine Überraschungen geboten. Die Analysten von Postbank Research gehen davon aus, dass die EZB ihren Fahrplan einhalten wird und rechnen mit einer ersten Leitzinsanhebung im Oktober 2019.

Das Monetary Policy Committee der Bank of England habe auf seiner gestrigen Sitzung den UK-Leitzins unverändert bei 0,75% gelassen. Diese Entscheidung habe den Markterwartungen entsprochen, zumal die letzte Leitzinsanhebung gerade erst im August erfolgt sei.

Die US-Verbraucherpreise seien im August um 0,2% gegenüber dem Vormonat gestiegen. Die Erwartungen eines kräftigeren Anstiegs seien damit verfehlt worden, obwohl die Energiepreise überraschend deutlich angezogen hätten. Die Kernverbraucherpreise hätten wiederum nur um 0,1% zugelegt. Inflations- und Kerninflationsrate hätten in der Folge um jeweils zwei Zehntel auf 2,7% beziehungsweise 2,2% nachgegeben. Ein überbordender Preisdruck in der US-Wirtschaft sei damit nach wie vor nicht auszumachen.

Der private Verbrauch sei und bleibe der wesentliche Treiber der US-Konjunktur. Dies spiegele sich nicht zuletzt im robusten Aufwärtstrend der US-Einzelhandelsumsätze wider, die im Januar dieses Jahres letztmalig im Vormonatsvergleich gesunken seien. Angesichts steigender Löhne sowie der guten Konsumentenstimmung spreche nach Erachten der Analysten auch für August einiges für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends. Der treibende Einfluss der Tankstellenumsätze dürfte aber angesichts stagnierender Benzinpreise zuletzt weitestgehend ausgefallen sein. Die Analysten von Postbank Research rechnen mit einem Zuwachs der Einzelhandelsumsätze von 0,3% gegenüber dem Vormonat, der damit etwas geringer ausfiele als noch im Juli. Ex Autos dürfte ein entsprechendes Plus zu Buche stehen.

Auch die US-Industrie befinde sich in einem stabilen Aufwärtstrend. Angesichts des sehr guten Sentiments sowie eines witterungsbedingt zu erwartenden, positiven Impulses seitens der Energieproduktion dürfte der Industrieoutput im August weiter um 0,3% gegenüber dem Vormonat gestiegen sein. (14.09.2018/alc/a/a)