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Euro-Unternehmensanleihen: Markanter Selloff in Cash-Bonds - Investoren schichten in kürzere US-Durationen um


30.11.18 13:00
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Zunahme der Kapitalmarktvolatilität seit Mitte November hat nicht nur die Aktienmärkte in die Knie gezwungen, auch die Anleihemärkte diesseits und jenseits des Atlantiks waren von starken Verkaufsbewegungen geprägt, so Marius Schad von der HSH Nordbank AG.

Der November-Selloff sei in jeder Hinsicht bemerkenswert. Erstmals seit einer Dekade hätten die Bloomberg Barclays Bond Indices für High Yield und Investment-Grade sowohl in Europa als auch in den USA auf Monatssicht mit einem negativen Total Return geschlossen. Besonders die Entwicklung bei Corporate-Anleihen aus dem US Investment Grade sei bedenklich. Der Abverkauf habe vor allem Blue-Chips mit moderater bis hoher Verschuldung in sowohl zyklischen als auch nicht-zyklischen Sektoren getroffen. Industrials seien tendenziell stärker als Financials betroffen gewesen. Deutliche Warnsignale würden sich auftürmen, die sich auch perspektivisch auf Consumer Credit (u.a. Kreditkarten, Autofinanzierungen, Studentendarlehen) auswirken könnten.

Die iBoxx-Indices hätten eine spiegelbildliche Performance hingelegt. Seit Mitte November sei der Gesamtindex fast 20 Basispunkte ausgelaufen (Non-Financials +15 Bp, Financials +18 Bp). Auch sehr gute Ratings hätten keinen Schutz vor der Verkaufswelle geboten. So seien AAA- sowie AA-Titel deutlich hinausgelaufen (+10 bzw. +11 Bp seit Mitte November). Zum gegenwärtigen Stand lägen sämtliche Zykliker bis auf "Travel & Leasure" und "Basic Resources" oberhalb ihrer langfristigen Durchschnitte. Bis Jahresende sollten auch diese Branchenindices diese Lücke geschlossen haben.

Insgesamt würden sich die Zeichen mehren, dass Investoren am Corporate-Anleihemarkt von längeren Durationen in kürzere umschichten würden, ein typisches Verhalten beim Übergang in die Endphase des Leverage-Cycles. Das Releveraging vergangener Jahre habe, unterstützt durch stabile Cashflows, hohe Profitabilitäten und niedrige Finanzierungskosten, großvolumige M&A-Aktivitäten und Aktienrückkäufe ermöglicht. Die Durationen der Finanzierungen hätten in dieser Phase fast beliebig ausgebaut werden können. Jetzt, da die Fremdkapitalaufnahme vielfach an ihre Grenze gekommen sei und die Kapitalmarktvolatilität ansteige, wolle der Markt einem weiteren Aufbau an Duration nicht zustimmen. In der Folge sinke die Duration schockartig und initiiere den Übergang in die so genannte Blow-Out-Phase, in der der Leverage typischerweise durch eine Erosion der Profitabilität ansteige. Noch würden die hohen Profitabilitäten im S&P 500 diese Entwicklung verhindern.

Diese Entwicklung sei in den letzten Wochen am US-Markt wahrnehmbar gewesen. Die Modified Duration im Bloomberg Barclays US Aggregate Index sei fast um ein Viertel Jahr gesunken. In Verbindung mit dem deutlichen Selloff bei Corporate-Titeln und den ausgereizten Fundamentals würden sich die Hinweise mehren, dass dieser Übergang unmittelbar bevorstehe. (Ausgabe vom 29.11.2018) (30.11.2018/alc/a/a)