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Emissionsflut am Bondmarkt - Fitch droht den USA mit Verlust des AAA-Ratings


14.01.19 08:30
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der freundliche Jahresauftakt an den Aktienmärkten zeigte auch am Bondmarkt Wirkung, so die Experten von Union Investment.

So seien es vor allem die risikobehafteten Anlageklassen gewesen, die in der letzten Woche bei Anlegern hoch im Kurs gestanden hätten. Nach den starken Abverkäufen zum Jahresende habe nun eine Gegenbewegung eingesetzt. Für Rückenwind habe auch der US-Arbeitsmarktbericht vom 4. Januar gesorgt. In den Vereinigten Staaten seien deutlich mehr neue Stellen geschaffen worden als erwartet. Die weiteren Konjunkturdaten hätten das positive Bild zwar nicht bestätigen können, Anleger hätten sich in der letzten Woche aber vergleichsweise unbeeindruckt von den Wirtschaftsdaten gezeigt. Vielmehr habe sich ein saisonales Muster erkennen lassen, wonach der Jahresauftakt mehrheitlich gut ausfalle. Gerade institutionelle Anleger hätten nun wieder Risikobudgets zur Verfügung, was dazu führe, dass die Nachfrage oftmals gut sei. Die größten Zuwächse hätten nachrangige Industrieanleihen, hochverzinsliche Unternehmenspapiere und Anleihen aus den Schwellenländern verzeichnet. Jene Schuldverschreibungen also, die in den Wochen zuvor besonders stark abgestraft worden seien.

Darüber hinaus sei ein weiteres Muster zu erkennen gewesen. Im neuen Jahr, wenn alle Marktteilnehmer aus dem Urlaub zurück seien, begebe eine Vielzahl an Emittenten neue Anleihen. Viele Anleger hätten dazu bereits vor dem Jahreswechsel die Liquidität erhöht, um attraktive neue Papiere zu zeichnen. In den vergangenen Handelstagen sei es daher zu einer regelrechten Emissionsflut gekommen. Über alle Segmente hinweg seien neue Anleihen platziert worden. Bei Staatsanleihen sei die Nachfrage besonders hoch gewesen. Sowohl Irland als auch Portugal hätten das Umfeld genutzt, um bereits ein Fünftel ihres Finanzierungsbedarfes für das komplette Jahr zu decken. Beide Länder hätten erfolgreich 10-jährige Anleihen im Umfang von vier Milliarden Euro platziert. Das Interesse der Anleger habe um Vielfaches höher gelegen. Die Nachfrage nach den portugiesischen Papieren habe sich dabei auf beachtliche 24 Milliarden Euro summiert.

Auch im Bereich der Unternehmensanleihen sei es den Emittenten gelungen ihre Papiere erfolgreich zu platzieren. Einschränkend müsse man jedoch erwähnen, dass dies nur deshalb so gut gelungen sei, weil hohe Neuemissionsprämien geboten worden seien. Die Telecom Italia - mit Blick auf die politischen Probleme sicherlich kein einfacher Schuldner - habe Käufern ihres neuen Papieres einen Renditeaufschlag von 0,8 Prozent auf vergleichbare Anleihen des Unternehmens gewährt.

Die Ratingagentur Fitch habe in der vergangenen Woche den USA angedroht, deren Kreditwürdigkeit nach unten zu korrigieren. Bislang könne sich die führende Wirtschaftsnation mit dem bestmöglichen Rating von AAA schmücken. Die Bonitätswächter hätten die aktuelle Vorgehensweise des US-Präsidenten kritisiert, der kurz davor sei, den Notstand auszurufen. Trump wolle damit den Druck auf seine Regierung erhöhen, damit diese Mittel für den Bau der Mauer zu Mexiko zur Verfügung stelle. Relevant, so Fitch, sei aber vor allem die hohe US-Verschuldung. Durch die letzten Zinserhöhungen der US-Notenbank steige auch die Zinslast für die Refinanzierung.

Eine mögliche Ratingherabstufung würde zunächst nur die Bonitätsnote für Schulden in fremder Währung betreffen. Da der US-Dollar jedoch die Weltreservewährung Nummer Eins sei, würden die Vereinigten Staaten ohnehin keine Anleihen in anderer Währung begeben. Eine solche Entscheidung für Fitch hätte also zunächst keine unmittelbaren Auswirkungen. Dennoch gehe von dieser Nachricht eine wichtige Signalwirkung aus. Erste Anleger würden sich schon jetzt skeptisch zeigen, denn Anfang März stünden Verhandlungen zur Erhöhung der Schuldenobergrenze an und im Herbst gelte es den Haushalt für 2020 zu verabschieden. Die aktuelle Blockadepolitik von Donald Trump dürfte die Verhandlungen erschweren. Wenn schon jetzt keine Einigung (bei einem von allen Kammern verabschiedeten Haushalt) erzielt werden könne, wie solle dann im März verhandelt werden? (Ausgabe vom 11.01.2019) (14.01.2019/alc/a/a)