EZB hält an expansiver Geldpolitik fest - US-Leitzinshoch wohl erreicht


02.04.19 10:00
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In der Eurozone ist eine unverändert expansive Ausrichtung der Geldpolitik für lange Zeit zu erwarten, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die Europäische Zentralbank (EZB) habe sich auf der Sitzung am 7. März auf unveränderte Leitzinsen bis Anfang 2020 festgelegt. In weiterer Folge hänge eine erste Zinsanhebung von der Wirtschafts- und dabei vorrangig von der Inflationsentwicklung ab. Neben der Klarstellung der Absichten in Bezug auf die Leitzinssetzung versichere die EZB die Versorgung mit Notenbankliquidität noch sehr lange generös zu gestalten. Zum ersten sollten Tilgungen von Anleihen, die im Rahmen des Asset Purchase Programme erworben worden seien, noch bis weit nach einer ersten Zinsanhebung voll reinvestiert werden. Zum zweiten würden von September 2019 bis März 2021 jedes Quartal Refinanzierungsgeschäfte (TLTROs) mit einer Laufzeit von zwei Jahren angeboten. Somit könnten Ausleihungen von Banken aus vorangegangenen TLTROs, welche zwischen Juni 2020 und März 2021 fällig würden und sich auf rund EUR 740 Mrd. summieren würden, ersetzt werden.

In einem Umfeld, in dem die Notenbankliquidität weit über das erforderliche Maß verharre (die überschüssige Notenbankliquidität betrage rund 1.800 Mrd.), bleibe der maßgebliche Referenzzins für den Geldmarkt der EZB-Einlagesatz. Aufgrund unveränderter Leitzinsen bzw. unveränderter geldpolitischer Akkommodation würden also die Geldmarktsätze auf Jahressicht weitgehend unverändert auf dem aktuellen, negativen Niveau verharren.

Nachdem die US-Notenbank noch im Dezember 2018 die Notwendigkeit einer weiteren geldpolitischen Straffung betont und für das laufende Jahr zwei Zinsanhebungen sowie für 2020 eine Zinsanhebung in Aussicht gestellt habe, habe Notenbank-Präsident Jerome Powell Ende Januar eine geldpolitische Vollbremsung erster Güte vollzogen. Anders als noch wenige Wochen zuvor habe er konstatiert, das Leitzinsniveau habe bereits ein neutrales Niveau erreiche. Als Begründung für die Vollbremsung der Notenbank habe Powell diverse Risiken angeführt, die seiner Meinung nach den Konjunkturausblick getrübt hätten. Dies seien unter anderem der Government Shutdown, der Handelsstreit mit China, der Brexit sowie verschärfte Finanzmarktbedingungen gewesen. Mit der Zinssitzung am 20. März sei die geldpolitische 180°-Wende dann zementiert worden. Powell habe betont, die Notenbank habe ihr Inflationsziel seiner Meinung nach nicht erreicht und werde es in diesem Jahr auch nicht mehr erreichen.

Zudem rechne die Mehrheit der FOMC-Mitglieder in diesem Jahr nicht mehr mit einer Zinsanhebung. Bei der Beurteilung der Notwendigkeit einer Veränderung der geldpolitischen Ausrichtung möchte man sehr geduldig vorgehen. Die Analysten der RBI würden eine Zinsanhebung im laufenden Jahr daher nun für äußerst unwahrscheinlich halten. Die FED habe sich quasi selbst die Hände gebunden. Auch wenn sich Konjunktur und Arbeitsmarkt in den nächsten Quartalen besser als von den Währungshütern erwartet entwickeln sollten, werde man wohl nicht riskieren, den Markt durch einen erneuten Kurswechsel aus der Bahn zu werfen. 2020 dürfte das konjunkturelle Umfeld dann erst recht keine Zinsanhebung mehr zulassen. Die FED habe zudem beschlossen, den Bilanzabbau ab Mai zu drosseln und per Ende September 2019 zu beenden. (Ausgabe 2. Quartal 2019) (02.04.2019/alc/a/a)