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EZB dürfte Ende der Asset-Ankäufe für September endgültig bestätigen


14.06.18 10:40
ETHENEA

Munsbach (www.anleihencheck.de) - "Beim heutigen Treffen der Europäischen Zentralbank (EZB) dürfte es nach mehr als einem Jahrzehnt beispiellos expansiver Geldpolitik einen ersten Schritt in Richtung einer Reduzierung der geldpolitischen Anreize geben", sagt Yves Longchamp, Head of Research bei ETHENEA.

"Wir gehen davon aus, dass das zentrale Thema der EZB-Sitzung das Programm zum Ankauf von Vermögenswerten (Asset Purchase Programme, APP) sein wird, da es nicht mehr notwendig zu sein scheint. Bei der Inflationsentwicklung ist eine nachhaltige Korrektur erkennbar."

Das APP solle laut der aktuellen Forward Guidance der EZB "bis Ende September 2018 oder, falls erforderlich, darüber hinaus" Bestand haben. "Vergangene Woche hat EZB-Chefökonom Peter Praet in einer Rede angedeutet, dass er die drei wichtigsten Kriterien für eine solch nachhaltige Korrektur erfüllt sieht", sage Longchamp und teile diese Auffassung. "Aktuell können wir beobachten, dass sich erstens die Inflation ihrem Zielwert von zwei Prozent annähert", so der Experte, "zweitens spricht derzeit vieles für eine dauerhafte Stabilisierung der Inflation um dieses Niveau und drittens könnte die Inflationsrate sich auch nach dem Ende des Programms als widerstandsfähig erweisen." Für gewöhnlich bestehe ein Unterschied zwischen den EZB-Statements unmittelbar nach einer Ratssitzung und den Schlusskommuniqués. Erstere seien eher vage und würden als breiter Leitfaden für Investoren verstanden, während letztere detaillierte Pläne beinhalteten. "Wir gehen davon aus, dass die EZB in ihrem ersten Statement nach der Sitzung das Ende ihrer Asset-Käufe bestätigen wird", sage Longchamp. "Die Details dazu dürften dann zum nächsten EZB-Meeting im Juli verkündet werden."

"Einer der wichtigsten Punkte wird darüber hinaus sein, ob es ein Update hinsichtlich der geldpolitischen Aussage zu einer möglichen ersten Leitzinserhöhung geben wird", so der Experte. Laut aktueller EZB-Policy würden die Leitzinsen für "längere Zeit" und auch "weit über den Zeithorizont des Nettoerwerbs von Vermögenswerten hinaus" auf ihrem derzeitigen Niveau verbleiben. "Wir gehen davon aus, dass diese Formulierung unverändert bleibt, weil die EZB nicht in Eile ist, die Zinsen zu erhöhen", sage Longchamp. "Wir könnten aber eine einschneidende Veränderung der Kommunikation erleben, sollte die Wortfolge "weit hinaus" aus dieser Erklärung gestrichen werden."

Auf der Pressekonferenz werde ferner die makroökonomische Prognose für die Eurozone vorgestellt. Der aktuellen Prognose zufolge solle das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 2,4 Prozent wachsen. "Weil das Wachstum im ersten Quartal schwächer ausgefallen ist als erwartet und sich die meisten Frühindikatoren in den letzten Monaten verschlechtert haben, ist eine Abwärtskorrektur sehr wahrscheinlich", sage Longchamp.

Den Einfluss der politischen Situation in Italien auf die anstehende Entscheidung halte Longchamp indes für begrenzt. "Obwohl Italien zuletzt für Schlagzeilen sorgte und der Preisdruck bei BTPs anhält, sind wir der Meinung, dass dies keinen Einfluss auf die Reaktion der EZB hat, da diese Spannungen auf die Halbinsel beschränkt sind", so Longchamp. (14.06.2018/alc/a/a)