EZB-Zinssitzung: Weitere geldpolitische Lockerungsschritte sind ausgemachte Sache


12.09.19 11:45
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Angesichts des Stillstands im Handelskonflikt reichen bereits schon kleine Gesten, um an den Märkten Hoffnung auf Fortschritt bei den für Mitte des Monats angesetzten Gesprächen aufkeimen zu lassen, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG.

So habe China gestern angekündigt, 16 US-Produkte von Strafzöllen ausnehmen zu wollen, woraufhin Trump für den 01.10. geplante Zollerhöhungen auf den 15.10. verschoben habe. Heute im Fokus stehe aber zweifelsohne die EZB-Zinssitzung. Weitere geldpolitische Lockerungsschritte seien ausgemachte Sache, allein die Frage nach dem Umfang sei mit Unsicherheit behaftet. Möglicherweise überzogene Markterwartungen v.a. im Hinblick auf QE seien in den letzten Tagen wieder etwas zurechtgestutzt worden. Alles in allem würden die Analysten der Raiffeisen Bank International AG jedoch eine "dovishe" Beschlussfassung erwarten. Sie würden mit einer Absenkung des Einlagesatzes auf -0,6% (aktuelles Marktpricing) rechnen. Die Reduktion des Einlagesatzes dürfte überdies mit einer Staffelung desselben sowie der Festlegung auf unveränderte bzw. tiefere Leitzinsen bis zumindest Ende 2020 einhergehen. Zudem dürfte die EZB die Wiederaufnahme der Anleihekäufe mit Anfang 2020 zumindest in Aussicht stellen. Ebenso könnten die beschlossenen TLTROs zu besseren Konditionen durchgeführt werden als bislang festgelegt. Als "Aufhänger" für die geldpolitische Lockerung dürften nach unten revidierte Wirtschafts- und Inflationsprognosen fungieren.

Das aktuell verhaltene Konjunkturbild sollte sich auch in der heutigen Euro-Industrieproduktion (Juli) widerspiegeln. Vorliegende Länderergebnisse würden ein Minus im Vormonatsvergleich erwarten lassen. Vor dem Hintergrund des deutlichen Rückgangs im Juni ließe sich damit ein Rückgang im gesamten Q3 nur bei einem merklichen Rebound im August vermeiden.
(12.09.2019/alc/a/a)