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EZB: Steht die Tür für weitere expansive Maßnahmen offen?


14.10.19 08:45
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In den kommenden Tagen ist der Datenkalender in der Eurozone eher dünn besetzt, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Mit den ZEW-Konjunkturumfragen würden Frühindikatoren veröffentlicht, welche in der Regel einen deutlichen Vorlauf zu realwirtschaftlichen Entwicklungen hätten. Die artverwandte sentix-Erhebung habe für den Monat Oktober eine merkliche Stimmungseintrübung ausgewiesen. Der Newsflow in den letzten Tagen sollte das Sentiment ein wenig stabilisiert haben (Hoffnung auf konstruktive Gespräche zwischen den USA und China, sowie EU und UK). Die Analysten der RBI würden daher den Rückgang der ZEW-Indikatoren vergleichsweise geringer ansetzen als die sentix-Ergebnisse signalisieren würden.

Des Weiteren von gewissem Interesse seien nach Meinung der Analysten der RBI die Industrie- und Bauproduktionsdaten für den Monat August. Mit Kenntnis dieser Ergebnisse sei eine erste aussagekräftige Schätzung für die BIP-Entwicklung im dritten Quartal möglich. Die vorliegenden Länderdaten würden auf eine Zunahme des Outputs in der Industrie und auf einen Rückgang der Aktivität am Bau hinweisen (jeweils im Vergleich zum Vormonat).

In den letzten Wochen sei klar geworden, dass es der maßgeblichen EZB Führungsriege nicht gelungen sei, den Rat einhellig hinter die jüngsten Beschlüsse zur geldpolitischen Lockerung zu sammeln. Das in der abgelaufenen Woche veröffentlichte Protokoll zur EZB-Zinssitzung am 12. September habe die zuletzt offen ausgesprochene Kritik einzelner Ratsmitglieder noch einmal zusammengefasst. Zudem habe ein Eindruck über die Mehrheitsverhältnisse gewonnen werden können. Laut Mitschrift sei die Zinssenkung auf großen Zuspruch gestoßen. Eine klare Mehrheit habe sich für die Wiederaufnahme an Anleihekäufen ausgesprochen. Ein Teil des Rates erachte dagegen Anleihekäufe als Krisenmaßnahme und dementsprechend aktuell als nicht gerechtfertigt. Der gestaffelte Einlagesatz sei am kritischsten gesehen und nur von einer Mehrheit unterstützt worden. Interessanterweise sei aber das Gremium einhellig der Meinung gewesen, dass eine geldpolitische Lockerung zum gegebenen Zeitpunkt angebracht sei.

Nach unserer Leseart des Protokolls steht die Tür für weitere expansive Maßnahmen - trotz des zuletzt offen geäußerten Widerspruchs zu einzelnen Maßnahmen - in den kommenden Monaten offen, so die Analysten der RBI. Nach Meinung der Analysten der RBI werde sich die Konjunkturschwäche in den kommenden Monaten fortsetzen und die EZB veranlassen, ihre sehr optimistische BIP-Wachstumsschätzung für 2020 (EZB-Prognose sei 1,2% p.a.) nach unten zu nehmen. Damit einhergehen dürfte eine nochmalige Senkung des Einlagesatzes. Somit würden die Analysten der RBI bis Jahresende sowohl bei den Geldmarktsätzen als auch den Renditen für deutsche Staatsanleihen einen Drift nach unten erwarten. (Ausgabe vom 11.10.2019) (14.10.2019/alc/a/a)