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EZB: Statements in der Schweigephase bleiben ungehört


26.04.18 12:45
Deutsche Bank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die meisten gingen gestern wohl davon aus, dass der Handelstag auch mangels wichtiger ökonomischer Daten vor der heutigen Sitzung der Europäischen Zentralbank eher ruhig verlaufen würde, so die Analysten der Deutschen Bank.

Zumal man sich vielerorts ohnehin nichts vom Ausgang der heutigen Sitzung verspreche. Gerade die während der vergangenen Wochen doch immer wieder mit einem leicht negativen Unterton versehenen ökonomischen Daten zum Wachstum in der Eurozone - gestern habe nun die Bundesregierung auch noch ihre Wachstumsprognose für Deutschland um 0,1 Punkte nach unten korrigiert - hätten viele Marktteilnehmer zu dem Schluss kommen lassen, dass sich die EZB heute eher vorsichtig zeigen werde. Mit anderen Worten: Entscheidungen hinsichtlich der Beendigung des Anleihekaufprogramms dürften nur schrittweise und frühestens im Juni getroffen werden. Mit der Gefahr verbunden, dass aus "schrittweise" auch "zeitlupenartig" (Entscheidung erst im Juli) werden könnte.

Umso interessanter sei gestern ein Beitrag von EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch auf der Webseite von Eurofi gewesen. Danach hätten die Entscheidungsträger der EZB ihre Bedenken über die jüngste Schwäche bei den Konjunkturdaten samt Inflation weggewischt, so Mersch. Zumal der vorübergehende Rückgang der Inflationsrate schwächer ausgefallen sei, als dies die internen Berechnungen prognostiziert hätten. Auch Merschs Ratskollege Vitas Vasiliauskas habe auf der Webseite geäußert, sein Vertrauen sei gewachsen, dass die EZB ihr Anleihekaufprogramm werde auslaufen lassen können.

Abgesehen davon, dass sich EZB-Präsident Mario Draghi schwergetan hätte, diese Statements bei der heutigen Sitzung gerade wegen der zuletzt nicht gerade durchweg erfreulichen ökonomischen Daten herunterzuspielen, sollte doch für Mitglieder des EZB-Rates sieben Tage vor einer Ratssitzung ohnehin eine Schweigephase gelten. Glücklicherweise habe die EZB die Klarstellung publiziert, dass der Kommentar von Yves Mersch zwar gestern veröffentlicht, aber bereits am 21. März an Eurofi gesandt worden sei. Egal nun, ob besagtes Statement später richtiggestellt worden sei, bleibe auffällig, dass der Euro davon nicht einmal temporär habe profitieren können.

Stattdessen scheine die Gemeinschaftswährung der unteren Begrenzung ihrer seit Wochen gültigen Konsolidierungszone zwischen 1,2150/55 und 1,2555 - nicht einmal vorrangig wegen eigener Schwäche, sondern aufgrund eines starken Dollar - förmlich entgegen getaumelt zu sein. Eine kurzfristige Trendentscheidung würde jedoch ohnehin erst unterhalb von 1,2070 ausgelöst. (26.04.2018/alc/a/a)