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EZB-Ratssitzung: Weiterer Schritt beim Ausstieg aus der ultraexpansiven Geldpolitik erwartet


14.06.18 09:40
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Die EWU-Industrieproduktion ist im April um 0,9% gegenüber dem Vormonat gesunken, so die Analysten von Postbank Research.

Damit sei das Ergebnis noch hinter den Markterwartungen zurückgeblieben. Jedoch sei der März-Wert leicht von +0,5% auf +0,6% revidiert worden. Nach Güterklassen sei der Rückgang im April auf breiter Front erfolgt. Lediglich bei Kapitalgütern sei ein Zuwachs des Outputs zu verzeichnen gewesen. In der Summe bleibe damit festzuhalten, dass die Industriekonjunktur im Euroraum zuletzt klar an Schwung verloren habe. Für einen positiven BIP-Wachstumsbeitrag durch die Industrie im laufenden Quartal wäre für Mai und Juni schon eine deutliche, positive Gegenbewegung erforderlich.

Das FOMC habe auf seiner gestern Abend zu Ende gegangenen Sitzung den US-Leitzins wie im Vorfeld erwartet um 25 Basispunkte auf 1,75-2,00% angehoben. Zudem würden die aktualisierten Zinsprojektionen der FOMC-Mitglieder zeigen, dass diese vor dem Hintergrund der robusten Konjunktur sowie einer stärkeren Preisdynamik nun im Median vier anstatt bislang drei Zinsschritte für dieses Jahr erwarten würden. Dies stehe in Übereinstimmung mit der Erwartung der Analysten von Postbank Research von zwei weiteren Schritten bis zum Ende des Jahres. Auf der Pressekonferenz habe FED-Präsident Jerome Powell mit der Ankündigung überrascht, künftig im Anschluss an jede FOMC-Sitzung - bislang jede zweite - eine Pressekonferenz abhalten zu wollen. Er habe dies jedoch nicht als Signal für eine veränderte geldpolitische Ausrichtung des Komitees verstanden wissen wollen.

Für die heutige Ratssitzung der EZB würden die Analysten von Postbank Research mit einem weiteren Schritt beim Ausstieg aus der ultraexpansiven Geldpolitik im Euroraum rechnen. So dürfte Mario Draghi auf der begleitenden Pressekonferenz ankündigen, wie es nach September dieses Jahres mit den Anleiheankäufen durch die Notenbank weitergehe. Während sie die EZB-Sitzung im Juni schon länger für eine diesbezügliche Entscheidung im Auge gehabt hätten, hätten sich die Signale hierfür zuletzt noch einmal erheblich verstärkt. Hierzu würden neben dem auch auf der April-Sitzung noch einmal untermauerten, konstruktiven Inflations- und Wachstumsausblick der Währungshüter insbesondere die jüngsten Äußerungen verschiedener EZB-Ratsmitglieder zählen, darunter auch die des EZB-Chefvolkswirts Peter Praet. Dieser habe bestätigt, dass die kommende Ratssitzung mit Blick auf das Ende der Anleiheankäufe sehr wichtig sein werde. Die Analysten von Postbank Research würden daher - trotz der Entwicklungen in Italien - unverändert an ihrer Einschätzung festhalten, dass die EZB nunmehr ein ‚finales Tapering‘ der Netto-Anleiheankäufe von Oktober bis Dezember ankündigen und ab Januar 2019 nur noch im Rahmen des Reinvestments von Rückflüssen aus ihrem Bestand an den Rentenmärkten tätig sein werde. Einen ersten Zinsschritt würden sie weiterhin zur Jahresmitte 2019 erwarten.

Die Mai-Daten für die Einzelhandelsumsätze dürften heute eine weitere positive Vorgabe für den privaten Verbrauch in den USA liefern. Die Analysten von Postbank Research würden - mit und ohne Autos - mit einem weiteren Anstieg um 0,3% gegenüber dem Vormonat rechnen. (14.06.2018/alc/a/a)