EZB-Entscheidung: Inflation und Lohnwachstum sind zurückgekehrt


13.09.18 16:00
State Street

Boston (www.anleihencheck.de) - Nach der heutigen Sitzung des Geldpolitischen Ausschusses (Monetary Policy Committee (MPC)) der Europäischen Zentralbank (EZB) nehmen Michael Metcalfe, Leiter Global Macro Strategy bei State Street Global Markets, Sophia Ferguson, leitende Portfoliomanagerin Active Fixed Income and Currency bei State Street Global Advisors, sowie Antoine Lesné, Leiter Strategie und Marktforschung EMEA bei SPDR ETFs, hierzu Stellung.

Während das Wachstum in der Eurozone enttäusche und die Politik in Italien sich als Unsicherheitsfaktor erweise, seien Inflation und Lohnwachstum wieder zurückgekehrt. Allein schon diese beiden Trends, vor allem letzterer, würden die EZB auf dem Kurs halten, die quantitative Lockerung in diesem Jahr zu beenden. Das bedeute aber nicht, dass eine Anhebung bevorstehe. Die EZB habe wenig dafür getan, um die Markterwartung, dass die erste Zinsanhebung gegen Ende nächsten Jahres komme, zu korrigieren. Ein solcher Stufenplan sei bewusst darauf ausgelegt, die Märkte nicht zu verunsichern, aber er könnte mittelfristig Befürchtungen nähren, dass der EZB die geldpolitischen Mittel fehlen würden, um mit dem nächsten Abschwung in der Eurozone fertig zu werden, wenn er denn irgendwann komme - und nicht bereits da sei, so Metcalfe.

Wie erwartet behalte die EZB ihren Kurs bei und versuche, die quantitative Lockerung bis Ende 2018 zu beenden und die Zinsen gegen Ende nächsten Jahres anzuheben. Auch wenn für diesen Monat keine Zinsanhebung erwartet worden sei, habe es trotz der jüngsten Marktturbulenzen in den Schwellenländern und bei den Risikopositionen keine nennenswerte Abweichung gegenüber der letzten Sitzung im Juli gegeben. Die Lohnbeschleunigung spreche weiterhin für eine Normalisierung, aber nur langsam. Der Euro könnte gegenüber dem US-Dollar steigen und die Renditen von weiteren Marktereignissen bestimmt werden. Dies könnte die peripheren Renditen stützen, sofern es auf der italienischen Haushaltsseite keine politischen Entwicklungen gebe, so Lesné.

Angesichts des Umfangs, in dem die EZB nach den letzten Sitzungen ihre Prognosen übermittelt habe, verwundere es nicht, dass man bei diesem Konzept geblieben sei und die Voraussetzungen für eine allmähliche Reduzierung der geldpolitischen Anpassung geschaffen habe. Angesichts der besser werdenden Wachstums- und Inflationsdynamik in der Eurozone sei der Zeitrahmen für die Reduzierung der geldpolitischen Maßnahmen eindeutig festgelegt worden, wobei die Zentralbank mit dem nahenden Ende der quantitativen Lockerung wohl weiterhin auf die Daten zurückgreifen werde, um ihren Zeitplan für Zinserhöhungen zu untermauern, so Ferguson. (13.09.2018/alc/a/a)