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EZB: Eine erste Zinserhöhung im vierten Quartal 2022?


24.01.22 08:45
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Federal Reserve war eines der bestimmenden Marktthemen in den ersten Wochen des Jahres, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Dass dem diese Woche stattfindenden FED-Meeting daher besondere Aufmerksamkeit geschenkt werde, erscheine logisch, auch wenn es nicht eines jener "wichtigeren" Zinssitzungen zu Quartalsende sei. Nach der Beschleunigung des Tapering im Dezember würden die Analysten der RBI im Januar eine Reduktion der Netto-Anleihekäufe im ähnlichen Ausmaß erwarten - also auf USD 20 (10) Mrd. Treasuries (MBS). Darüber hinaus werde wohl auch das Ende des Tapering für den Folgemonat beschlossen.

Des Weiteren würden die Analysten der RBI eine verbale Vorbereitung einer ersten Erhöhung der Federal Funds Rate im März erwarten, beispielsweise mit dem Hinweis, dass sich der Arbeitsmarkt rasch dem Vollbeschäftigungsziel nähere. Powell könnte sich in der anschließenden Pressekonferenz noch expliziter dazu äußern, dass im Rahmen des aktuellen Wirtschaftsausblicks eine Zinserhöhung im März wahrscheinlich sei. Nicht ganz klar sei, ob auch bereits eine Kommunikation zum Bilanzabbau im Statement landen werde. Die Diskussion darüber sei im Dezember gestartet worden und werde auf der bevorstehenden Zinssitzung fortgesetzt. Prinzipiell werde eine Reduktion der Reinvestitionen des FED-Portfolios im zweiten Halbjahr 2022 erwartet, weswegen eine Aufnahme der Forward Guidance auch im März ausreichen würde.

Aus Sicht des Treasury-Markts sei neben den Leitzinserwartungen die Forward Guidance zur Bilanzpolitik ein sehr wesentliches Lenkungsinstrument, weswegen der Markt durchaus sensibel auf Andeutungen zum Bilanzabbau reagieren könnte.

Das in der abgelaufenen Woche veröffentlichte Protokoll zur EZB-Sitzung im Dezember habe recht ausführlich Einblicke in die Diskussion gegeben. Zur Erinnerung, es seien in diesem Meeting eine Veränderung des Maßnahmenmix beschlossen, die Guidance für 2022 festgelegt und neue Prognosen vorgestellt worden, wobei die Inflationsschätzung stark nach oben genommen worden sei. In der Diskussion sei der Inflationsausblick das Hauptthema gewesen. Die Ratsmitglieder seien sich einig gewesen, dass der jüngste Inflationsschub vor allem auf die Energiepreise zurückzuführen sei und die aktuell sehr hohe Teuerungsrate im Laufe des Jahres abklingen werde. Die Meinungen zum erwartenden zugrunde liegenden Teuerungsdruck bzw. mittelfristigen Inflationspfad seien dagegen sehr unterschiedlich gewesen und ein Teil des Rats rechne wohl mit einer höheren Inflation als prognostiziert. Zudem sei die Preisentwicklung am Immobilienmarkt stärker in den Fokus gerückt.

In Summe hätten sich die Entscheidungsträger bei der Aussicht zur Geldpolitik mehr Flexibilität erhalten wollen als in der vergangenen Zeit. Mehr noch: Es solle eine Anpassung der Geldpolitik erfolgen, sollte sich herausstellen, dass der Preisauftrieb mittelfristig etwas höher ausfalle als bereits unterstellt. Nach Interpretation der Analysten der RBI sei der Weg für eine erste Zinsanhebung schon Anfang 2023 und ein Ende der Negativzinspolitik im Laufe des kommenden Jahres prinzipiell frei. Ratsmitglieder würden somit in den kommenden Monaten nicht versuchen, einem entsprechenden Marktpricing entschieden entgegenzutreten.

Der europäische Anleihenmarkt habe letzte Woche mit der deutschen 10-jähirgen Rendite bei 0% eine viel beachtete Marke erreicht. Nach dem ausgeprägten Renditeanstieg seit Mitte Dezember könne die Renditebewegung auf 0% als Teil der seit zwei Wochen andauernden Stabilisierungsphase verstanden werden. Die Analysten der RBI würden kurzfristig nicht davon ausgehen, dass die 0%-Marke nachhaltig überschritten werde.

Die Möglichkeit, dass die EZB bei weiteren Inflationsüberraschungen bereits früher ihre Leitzinspolitik adaptiere, wie man aus dem Protokoll entnehmen könne, sei am Markt bereits reflektiert. Am Markt werde eine erste Zinserhöhung der EZB im vierten Quartal 2022 gepreist und ein Ende negativer Leitzinsen im Jahresverlauf 2023. Somit sollten sich die Marktreaktionen einer womöglich hawkishen EZB begrenzt halten. Möglich seien jedoch Spillover vom globalen Zinsmarkt, sollte sich Unsicherheit über das Ausmaß renditetreibender Effekte des früheren Bilanzabbaus der FED breit machen - ein QT-Tantrum sollte sich vorwiegend bei realen Renditen bemerkbar machen. Die EZB habe ihre Bilanzpolitik für den Großteil des Jahres bereits festgezurrt, weswegen die Analysten der RBI den Auswirkungen globaler Übertragungseffekte auf den Bund Markt eher eine kurze Lebensdauer zumessen würden. Die Analysten der RBI würden daher weiterhin an ihrer Bund-Prognose festhalten, wenn auch die jüngsten Entwicklungen Aufwärtsrisiken andeuten würden. (Ausgabe vom 21.01.2022) (24.01.2022/alc/a/a)