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Drei Zentralbanken, drei sehr unterschiedliche Situationen


13.09.18 15:00
Investec Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Garland Hansmann, Portfolio Manager Investec Multi Asset Credit, kommentiert die Leitzinsentscheidungen der Bank of England, der Europäischen Zentralbank sowie der Türkischen Zentralbank:

Während es bei der Bank von England und der EZB mehr auf Nuancen angekommen sei, sei es bei der Entscheidung der Türkischen Zentralbank ein Bangen um das Ergebnis gewesen. Der Markt sei besorgt gewesen, dass die Zentralbank nur wenig oder gar nicht die Zinsen erhöhen würde, was der Krise in der Türkei neuen Zunder geben würde. Aber trotz der Bemerkungen von Präsident Erdogan zum Gegenteil nur Stunden zuvor, habe die Zentralbank entschieden den Zins um 3 Prozentpunkte von 21% auf 24% zu erhöhen. Diesen Schritt werde der Markt wahrscheinlich als ausreichend starkes Signal ansehen, um der Krise zumindest etwas entgegenzuwirken.

Anders die Situation bei der Bank von England, wo kein einziger Analyst oder Volkswirt eine Anhebung der Zinsen erwartet habe und somit sich nach der Verkündung auch nicht viel bewegt habe. Aber nur weil es auf der Oberfläche ruhig aussehe, heiße das nicht, dass sich im Tiefen nicht viel bewege. Die Bank von England merke nämlich an, dass die derzeitige Zinspolitik auf einer konjunkturellen Annahme beruhe, die von einer relativ ruhigen Anpassung der Konjunktur nach dem Brexit ausgehe. Das sei natürlich nicht unbedingt gegeben. Von daher erwarte Hansmann nicht unbedingt in der nächsten Zeit eine Zinserhöhung von der Bank of England. Der Markt scheine das auch so zu sehen, da die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung noch vor dem Brexitdatum bei 30% einpreist werde.

Kurz nach der Türkischen und der Englischen Zentralbank habe dann auch die EZB ihr Votum bekanntgegeben, das ähnlich wie bei der Bank of England zum größten Teil bereits vorher schon festgestanden habe. Der Markt habe keine Änderung erwartet, und somit habe er auch nicht reagieren müssen. Die einzige Unsicherheit sei gewesen, ob das Ende des Wertpapierankaufprogrammes bestätigt werde, denn die EZB habe sich hier die Option für den Risikofall noch etwas offen gelassen. Aber ab September werde nun der Ankauf auf EUR 15 Milliarden reduziert, aber noch nicht beendet. Auch ähnlich wie bei der Bank von England erwarte der Markt auch in naher Zukunft keine Zinserhöhung. Hier finde Hansmann, dass der Markt evtl. etwas zu optimistisch sei, und fast schon davon ausgehe, dass mit dem Euro, den Emerging Markets oder dem Handelskrieg etwas was schief laufe. Sollte das aber nicht eintreffen, werde die EZB vielleicht doch schneller die Zinsen anheben müssen als der Markt es heute einpreise. (13.09.2018/alc/a/a)