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Doppelschlag für den Kreditmarkt - Abwärtsspirale droht


25.03.20 10:15
Merck Finck Privatbankiers

München (www.anleihencheck.de) - Der Markt für Unternehmensanleihen musste in den letzten Wochen gleich zwei heftige Schläge einstecken, so Daniel Kerbach, Chief Investment Officer bei Merck Finck Privatbankiers.

Zum einen würden sich seit Februar mit der zunehmenden Verbreitung des Corona-Virus die globalen Konjunkturaussichten immer weiter eintrüben. Zum anderen sei auch noch der Ölpreis binnen weniger Tage um 50 Prozent abgestürzt, nachdem es zwischen Russland und Saudi Arabien zu keiner Einigung auf Förderkürzungen gekommen sei. Beide Risikoquellen würden für die nächsten Wochen unkalkulierbar bleiben. Die gerade einsetzenden Rating-Herabstufungen von Unternehmen könnten sich leicht zu einer Abwärtsspirale auswachsen.

Sowohl die kurzfristige weitere Entwicklung der Corona-Pandemie als auch der Ölpreis würden für Unternehmen und Investoren ein hoher Unsicherheitsfaktor bleiben. Diese Unsicherheit führe zu hoher Risikoaversion, welche sich nicht nur in den Aktienmärkten zeige, sondern auch einen Käuferstreik bei Unternehmensanleihen verursache. Die Auswirkungen in den einzelnen Wirtschaftssektoren würden sich aber stark unterscheiden.

Besonders stark betroffen sei der Energie- und Öl-Sektor, da hier nicht nur das steigende Angebot für fallende Preise gesorgt habe, sondern gleichzeitig der Konjunktureinbruch und die drohende Rezession einen deutlichen Nachfragerückgang verursache. Am stärksten sei die US-Fracking-Industrie unter Druck, die beim gegenwärtigen Preisniveau nicht wirtschaftlich produzieren könne. Hinzu komme: Viele Fracking-Unternehmen seien wegen der erhöhten Risiken im High-Yield-Segment angesiedelt und hätten sich entsprechend teuer finanziert. Aktuell seien hier die Renditen mit über 20 Prozent bereits über das Niveau der letzten Öl-Krise im Jahr 2016 gestiegen. Der Markt preise damit bereits eine Ausfallrate von 25 Prozent ein.

Im breiten US-Hochzinsmarkt ohne den Energie-Sektor seien die Renditen ebenfalls deutlich gestiegen. Allerdings seien Belastungen hier hauptsächlich auf den zu erwartenden Konjunktureinbruch zurückzuführen und würden deshalb eine eindeutig geringere Ausfallwahrscheinlichkeit von rund 10 Prozent anzeigen.

Ähnlich sehe es im High-Yield-Markt im Europa aus, wo die Energieunternehmen einen deutlich geringeren Anteil am Gesamtmarkt hätten als in den USA. Weniger als der Ölpreis sei hier also die Dauer und Stärke der konjunkturellen Belastung durch die Pandemie der entscheidende Faktor. Je länger der Abschwung anhalte, desto heftiger werde die Welle der Ratingherabstufungen und Kreditausfälle werden. Dass diese Welle komme, würden die Experten für ausgemacht halten.

Aktuell sei im Markt ein starker Konjunktureinbruch im ersten und vor allem im zweiten Quartal eingepreist - verbunden mit einer beginnenden Erholung im zweiten Halbjahr. Für einige Firmen dürfte diese Erholung zu spät kommen. Gerade am unteren Ende des Investment Grade-Spektrums würden die Experten einige Wackelkandidaten sehen. Rutsche auch nur ein Teil von ihnen in den High-Yield-Bereich ab, sei eine Abwärtsspirale nicht mehr auszuschließen. (25.03.2020/alc/a/a)