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Deutsche Staatsanleihen: Kleiner Anstieg der Renditen in den kommenden Monaten erwartet


23.04.19 09:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die in der abgelaufenen Woche veröffentlichte Schnellschätzung der Einkaufsmanagerindices für den Euroraum wies für das Verarbeitende Gewerbe eine geringfügige Verbesserung und für den Dienstleistungsbereich einen Rückgang aus, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

In Summe würden diese Umfragen keine unmittelbare Beschleunigung der Konjunkturdynamik signalisieren. Allerdings seien Umfrageindikatoren immer mit einer gewissen Unschärfe verbunden. Beispielsweise würden die vorliegenden monatlichen Daten zur Aktivität in einzelnen Wirtschaftssektoren - trotz Abwärtstrends vieler Umfrageindikatoren - auf ein höheres BIP-Wachstum im ersten Quartal 2019 als im Q4 2018 schließen lassen. In den kommenden Tagen stünden nationale Konjunkturumfragen und die vorläufige Schätzung des Konsumentenvertrauens in der Eurozone im Vordergrund. Die Stimmung der Haushalte dürfte sich eingetrübt haben. Auch die Frühindikatoren für die deutsche und belgische Wirtschaft bzw. französische Industrie würden nach Meinung der Analysten der RBI einen kleinen Rückgang verbuchen.

Am Zinsmarkt sei die mögliche Einführung eines gestaffelten Einlagesatzes bzw. eine nochmalige Absenkung des Einlagesatzes (Leitzinssenkung) weiter ein Thema. Die Einführung eines gestaffelten Einlagesatzes sähen viele als Vorbereitung der EZB auf eine Leitzinssenkung. Auf dem Terminmarkt sei zuletzt auf Jahressicht der Eoniaswap unter dem Einlagesatz gehandelt worden. Wir denken aber, dass die Debatte über einen gestaffelten Einlagesatz eher dadurch angestoßen wurde, da mit dem Auslaufen der bestehenden längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte (TLTRO II) eine Erhöhung der Belastung der Banken durch Negativzinsen verbunden ist, so die Analysten der RBI. Die TLTRO II seien ja - bei einer gewissen Ausdehnung der Kreditvergabe - mit einem Negativzins verbunden, welcher den Kosten aus dem negativen Einlagesatz entgegenstehe. Nach Meinung der Analysten der RBI sei daher die Wahrscheinlichkeit einer baldigen Einführung eines gestaffelten Einlagesatzes umso geringer je generöser die Preissetzung des TLTRO III Programms ausfalle (löse TLTRO II ab).

Viele EZB-Ratsmitglieder stünden einer teilweisen Befreiung aller Banken vom negativen Einlagesatz bislang skeptisch gegenüber. Vielmehr dürften die TLTRO III wieder mit einem Anreiz zur Ausweitung der Kreditvergabe in Form eines Negativzinses ausgestattet sein. Da wir bis Jahresende eher mit einer Verbesserung der Wirtschaftsdaten rechnen, sollten auch die Leitzinssenkungsfantasien abebben, so die Analysten der RBI. Dies sollte in den kommenden Monaten zu einem kleinen Anstieg der Renditen für deutsche Staatsanleihen mit mittlerer bis langer Laufzeit und zu einer etwas steileren Zinskurve führen. (Ausgabe vom 19.04.2019) (23.04.2019/alc/a/a)