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Corporate Bonds in Österreich: Volksbank mit neuem "alten Plan" zur Rückzahlung des staatlichen Partizipationskapitals


10.08.18 10:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die von der OMV AG (OMV) letzte Woche vorgelegten Zahlen zum Q2/2018 präsentieren sich gemischt, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Zwar habe man in Q2 gegenüber der Vorjahresvergleichsperiode bei CCS Operatives Ergebnis vor Sondereffekten einen Zuwachs von 10% auf EUR 726 Mio. verzeichnen können, jedoch sei dies ein Rückgang von -11% gegenüber dem Vorquartal. Ähnlich habe es sich bei der Öl- und Gasförderung der OMV von 419 Tsd. Fass Öläquivalent/Tag verhalten (-4% vs. Q1 2018; +24% vs. Q2 2107). Aus Cashflowgesichtspunkten zeige sich eine positive Entwicklung. Dieser habe sowohl gegenüber Q2 2017 (24%) als auch Q1 2018 (15%) auf EUR 1,2 Mrd. zulegen können.

U.a. die Akquisitionen von Jushno Russkoje (Q4 2017) sowie zuletzt des 20% Anteils an einer Offshore-Konzession in Abu Dhabi (Q2 2018) habe die von den Analysten berechnete Nettoverschuldung (inkl. sonstige finanzielle Verbindlichkeiten) auf EUR 5,8 Mrd. ansteigen lassen. Dementsprechend sei ausgehend von zuletzt sehr niedrigen Niveaus ein Anstieg der Verschuldungsratios zu verzeichnen. Für das laufende Q3 gehe das Management gegenüber dem Q2 bedingt durch Wartungen sowie den Verkauf von den pakistanischen Förderaktivitäten von einem Produktionsrückgang aus bzw. erwarte man für das Gesamtjahr eine Öl- und Gasförderung von 420 Tsd. boe/d.

Auch die Telekom Austria AG habe ihre Ergebnisse für das Q2 2018 präsentiert. Die Umsätze hätten um 1,3% von EUR 1.085 Mio. in Q2 2017 auf EUR 1.099 Mio. gesteigert werden können. Haupttreiber der positiven Entwicklung seien zum einen gestiegene Erlöse aus dem Verkauf von Endgeräten sowie das Festnetzgeschäft mit Privatkunden gewesen. Das Konzern EBITDA in Q2 2018 belaufe sich auf EUR 356 Mio. und liege damit 0,9% unter dem Wert aus dem Vorjahr (Q2 2017: EUR 360 Mio.). Vor allem die CEE Segmente hätten in diesem Zusammenhang einen wesentlichen Beitrag geleistet. Für das verbleibende Geschäftsjahr 2018 erwarte sich das Unternehmen, ungeachtet einer anhaltend schwierigen Wettbewerbssituation, vor allem in den mittel- und osteuropäischen Segmenten, eine positive Entwicklung der operativen Ergebnisse.

Bereits vor zwei Wochen habe die Verbund AG (Verbund) ihr H1 2018 Ergebnis veröffentlicht. Vor allem höhere Beiträge aus dem Netzgeschäft sowie eine gute Wasserführung hätten im Jahresvergleich zu einem um 21% höheren EBITDA geführt (auf EUR 503,7 Mio.; vor Effekten aus Werthaltigkeitsprüfungen), während die Umsatzentwicklung mit -7% auf EUR 1,4 Mrd. rückläufig gewesen sei. Eine dem EBITDA ähnliche Entwicklung habe der operative Cashflow verzeichnet. Dieser sei in H1 2018 gegenüber der Vorjahresvergleichsperiode um 25% auf EUR 480 Mio. angestiegen. Die Nettoverschuldung sei per 30.06.2018 sowohl im Jahresvergleich (-14%) als auch gegenüber dem 31.12.2017 (-7%) auf EUR 2,7 Mrd. rückläufig. Für das Gesamtjahr habe das Management die Prognose sowohl für das EBITDA (EUR 950 Mio.) als auch das Konzernergebnis (EUR 370 Mio.) erhöht.

Gestern habe die voestalpine AG ihr Zahlenwerk zum Q1 2018/19 vorgestellt. Der Umsatz habe sich, unter anderem getrieben durch eine nochmals gestiegene Nachfrage aus dem Automobilsektor, im Vergleich zum Vorjahresquartal um 6,7% auf EUR 3.469 Mio. erhöht. Operativ habe das EBITDA bei EUR 513 Mio. stagniert, was sich unter anderem auf erste Effekte aus der Hochofen-Großreparatur zurückführen lasse. Für das GJ 2018/19 erwarte das Unternehmen stabile operative Ergebnisse (EBIT/EBITDA), sehe aber unter anderem die möglichen Auswirkungen einer potenziell restriktiveren Handelspolitik der USA als einen bedeutenden Risikofaktor für den Ausblick.

Weitere Unternehmenszahlen würden die Analysten in den nächsten Wochen noch von den österreichischen Bauunternehmen (PORR AG, Strabag SE, Wienerberger AG) sowie aus dem Versorgersektor (EVN AG) erwarten.

Trotz eines Rückgangs an Schuldscheindarlehen-Platzierungen 2018 in Europa gegenüber dem Vorjahr (-33%) zeige sich nach wie vor ein hohes Interesse an österreichischen Deals. So habe zuletzt die AT&S AG am 20. Juli bekannt gegeben EUR 292,5 Mio. in Form eines Schuldscheindarlehens platziert zu haben. Das Volumen habe damit die ursprünglich angepeilten EUR 150 Mio. laut Presseaussendung überstiegen. Der Schuldschein sei in zwei Tranchen (Juli und Oktober) mit Laufzeiten von fünf, sieben und zehn Jahren sowie variabler und fixer Verzinsung platziert worden. Rund 40% des Volumens sei auf die Laufzeiten mit sieben und zehn Jahren entfallen.

Ende Juli habe die Volksbank bekannt gegeben, wieder auf den ursprünglichen Plan zur Rückzahlung des vom Staat Österreich im Jahr 2012 erhaltenen Partizipationskapitals zurück zu schwenken. Der bisherige Plan den größten Teil der EUR 300 Mio. schon 2019 zurückzuzahlen und dann im Jahr 2020/2021 die vollständige Rückzahlung abgeschlossen zu haben, sei nun wieder auf einen Zeithorizont bis 2023 ausgeweitet worden. Die Bank habe bekannt gegeben, dass die Priorität auf der Verbesserung der Kapitalquote liege und wolle diese von einer harten Kernkapitalquote von 12,36% zum Jahresende 2017 auf 13% steigern. Ebenso habe die Bank angekündigt zur Erfüllung der MREL-Quote, bis zu EUR 1 Mrd. an nicht bevorrechtigten, vorrangigen Anleihen begeben zu wollen. Die Bank habe in einem Statement betont, dass diese Emissionen rein der Quotenerfüllung gelten würden, da aufgrund des soliden Stocks an Kundeneinlagen genug Liquidität vorhanden sei.

Per 1. Juli 2018 sei das Sanierungs- und Abwicklungsgesetz (BaSAG) in Österreich in einigen Punkten adaptiert worden. Unter anderem sei die Forderungsrangfolge im Insolvenzfall (§ 131) an die europäischen Vorgaben angepasst, und so die Anleiheklasse "Senior non-preferred" oder auch nicht bevorrechtigte, vorrangige Anleihen aus der Taufe gehoben worden. Die Frist für die Umsetzung ende mit Jahresende 2018. Nach dem Durchsetzen dieser Anleiheklasse und der "französischen" Lösung mittels vertraglichem Nachrang eine neue Anleiheklasse zur Erfüllung von TLAC bzw. MREL zu schaffen, sei diese nun auch in Österreich angekommen.

Der Abbau der Aktiva der HETA ASSET RESOLUTION AG verlaufe derzeit besser als budgetiert. Die erneute Zwischenausschüttung im Sommer 2018 mit einem Volumen von EUR 2,4 Mrd. sorge auch dafür, dass die Refinanzierungen der Republik Österreich 2018 geringer ausfallen würden wie von der Bundesfinanzierungsagentur prognostiziert. Im nun angepassten Abbauplan werde von einem Gesamt "Recovery Amount" der HETA aus den HETA Aktiva, inklusive der Zwischenausschüttungen, von EUR 10,5 Mrd. bis 2020 ausgegangen. Die Abwicklung solle weiterhin wie geplant 2020 abgeschlossen werden. (Ausgabe vom 09.08.2018) (10.08.2018/alc/a/a)