Bondmärkte: Anleger können sich für keine Richtung so richtig entscheiden


12.07.18 09:59
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Mit Verschärfung des Handelsstreits zwischen den Vereinigten Staaten und China war es mit der Herrlichkeit an den Aktienmärkten vorbei, berichten die Analysten der Helaba.

Die im Umkehrschluss aber übliche Flucht in den sicheren Hafen qualitativ hochwertiger Staatsanleihen sei aber der steigenden US-Inflation zum Opfer gefallen. Die höheren Erzeugerpreise hätten Sorgen geschürt, die FED könne stärkeren Anpassungsbedarf haben.

Keine Ruhe gebe unterdessen Donald Trump wenn es um die Destabilisierung bestehender Bündnisse gehe. Beim Nato-Gipfel fordere er höhere Militärausgaben der Bündnispartner und brüskiere Kanzlerin Merkel mit der Aussage, Deutschland sei auch wegen seiner Energiepolitik ein Gefangener Russlands. Man dürfe gespannt sein, was er Wladimir Putin beim Staatsbesuch in Moskau zurufe.

In diesem Spannungsfeld hätten sich Anleger an den Bondmärkten für keine Richtung so richtig entscheiden können. Im Euroraum hätten Gerüchte die Runde gemacht, einige EZB-Mitglieder würden einen früheren Zinsschritt im kommenden Jahr begrüßen.

Bundesanleihen hätten mit schwindender Risikobereitschaft wieder einmal den oberen Rand der seit Anfang des Monats etablierten Handelsspanne getestet. Die Versteigerung der neuen 10-jährigen Bundesanleihe habe den Markt bei einem 1,63fachen Nachfrageüberhang vor keinerlei Probleme gestellt. Während lange und ultralange Fälligkeiten weiter gut unterstützt geblieben seien, habe sich vorne und in der Mitte leichter Druck aufgebaut. Die Zinsstruktur zwischen 10- und 30-jährigen Bundesanleihen habe sich basierend auf neuer Renditebasis auf 65 BP verringert. 10-jährige Bonds aus Frankreich (0,64%) und Belgien (0,68%) hätten ihren Abstand zu Bunds verteidigt.

Anleihen der EU-Peripherie hätten nicht an diese positive Entwicklung des Vortages anknüpfen können. BTPs hätten im Vorfeld der heutigen Aufstockungen noch einige Zugeständnisse verkraften müssen. Portugal habe 10- und 16-jährige PGBs um insgesamt 950 Mio. Euro aufgestockt. Die längere Laufzeit (300 Mio. Euro) sei 2,8fach, 10-jährige Titel (650 Mio. Euro) immer noch gut zweifach überzeichnet gewesen. Der Risikoabstand 10-jähriger spanischer (1,30%) und portugiesischer Anleihen (1,76%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 3 bzw. 2 BP ausgeweitet, italienische Bonds (2,68%) hätten auf Bunds 2 BP verloren.

Am US-Bondmarkt seien Renditen nur anfänglich durch den Schwächeanfall der Aktien gedrückt worden. Letztendlich seien aber Inflationssorgen in den Fokus der Anleger gerückt. Die Erzeugerpreise (0,3%/3,4%) würden auch ohne Energie- und Nahrungsmittel (0,3%/2,8%) zunehmenden Preisdruck erkennen lassen und den geldpolitischen Kurs der Notenbank in keiner Weise infrage stellen. Die Auktion 10-jähriger Notes sei im Gegensatz zu der enttäuschenden Transaktion kurzer Titel vom Vortag erfolgreich verlaufen. Die erwartete Zinserhöhung der Bank of Canada auf 1,50% habe kurze Laufzeiten belastet. Der Renditeabstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries verringere sich geringfügig auf 20 BP. In Fernost würden US-Treasuries angesichts der Erholung an den asiatischen Aktienbörsen etwas leichter tendierten.

Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)- (162,64) und Bobl-Kontrakt (132,10) hätten 24 bzw. 6 Stellen zugelegt, der Schatz (112,025) sei unverändert aus dem Markt gegangen. Die Rendite der neuen 10-jährigen Bundesanleihe habe am Ende einen BP über dem Emissionsniveau von 0,36% bei 0,37% gelegen, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen (neu) habe sich auf 100 BP ausgeweitet. 10-jährige US-Treasuries würden 2 BP höher bei 2,86% rentieren. Der Euro verbillige sich auf 1,168 Dollar, der Preis für das Barrel Öl falle auf 70,8 Dollar.

Die US-Verbraucherpreise (0,2%/2,9%; Kernrate 0,2%/2,3%) würden heute eine weitere Indikation liefern, dass der Inflationsdruck zunehme und die US-Notenbank ihren Kurs der graduellen Zinsanpassung mit der eingeschlagenen Geschwindigkeit fortsetzen werde. Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (225K) würden den Datenkranz abrunden.

Endgültige Verbraucherpreise Frankreichs (0,1%/2,1%) und Deutschlands (0,1%/2,1%) für Juni sowie die Industrieproduktion der Eurozone im Mai (1,2%/2,4%) würden nur geringes Überraschungspotenzial bergen.

Am Primärmarkt stocke Italien heute 3-, 7-, 15- und 20-jährige BTPs um zusammen 4,5 bis 6,5 Mrd. Euro auf. Irland biete je 1,25 Mrd. Euro der im Mai 2028 und Februar 2045 fälligen Anleihen an. Das amerikanische Schatzamt versteigere 30-jährige Bonds im Volumen von 14 Mrd. US-Dollar.

Das Land Niedersachsen habe eine im März 2023 fällige Landesschatzanweisung um 400 Mio. Euro bei Midswap -20 BP aufgestockt. Berlin habe einen 15-jährigen Bond um 250 Mio. Euro bei Midswap -2 BP aufgestockt. (12.07.2018/alc/a/a)