Bond-Anleger sollten nicht zu hoch auf die Renditeleiter klettern


21.08.19 11:45
AB

München (www.anleihencheck.de) - Der Marktsignale sind trübe: Seit die großen Notenbanken wieder auf Lockerungskurs sind, haben sich Teile der Renditekurven in den USA und in Japan invertiert, was häufig als Vorzeichen einer Rezession gedeutet wird, so die Experten von AB.

Zudem sei die deutsche Zinskurve auf ein historisches Tief verflacht. Ob die guten Zeiten für Anleger dennoch andauern würden, hänge jetzt davon ab, ob die Lockerung der Geldpolitik weiterhin ein wirksames Mittel zur Konjunkturstimulation sein werde, sage Douglas J. Peebles, Chief Investment Officer Fixed Income beim Asset Manager AllianceBernstein (AB).

"Unserer Meinung nach sollten FED-Zinssenkungen von 75 bis 100 Basispunkten in den nächsten sechs bis neun Monaten ausreichen, um das US-Wachstum zu stabilisieren und die Zinskurve etwas steiler zu gestalten", sage der Experte. Für die geld- und fiskalpolitischen Impulse in China ist er ebenfalls optimistisch.

Weniger zuversichtlich sei Peebles dagegen für Europa. "Die hohe Exportabhängigkeit und begrenzte politische Flexibilität macht viele Länder Europas anfälliger für einen globalen Konjunkturabschwung", warne er. Sollte jedoch die neue EZB-Präsidentin Christine Lagarde die europäischen Regierungen zu fiskalischen Impulsen bewegen können, werde sich der Ausblick verbessern. Risiken würden jedoch bestehen bleiben: Einerseits sei zu bezweifeln, wie wirksam weitere Lockerungsmaßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) angesichts der massiven globalen Kreditvergabe in den letzten zehn Jahren sein könnten. Des Weiteren dürften der Brexit, der Handelskonflikt zwischen den USA und China sowie die schwindende Liquidität an den Märkten weiterhin für Turbulenzen sorgen.

"Das bedeutet jedoch nicht, dass Anleiheanleger aussteigen sollten", betone Peebles. Bei derart niedrigen Zinsen sei ein Engagement in wachstumssensiblen Anlagen mit angemessenem Ertragspotenzial unerlässlich. Angesichts der Abwärtsrisiken für das globale Wachstum und des Bonitäts- und Liquiditätsrisikos sollten Anleger aber nicht zu hoch auf die Renditeleiter steigen. (21.08.2019/alc/a/a)