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Bank of England wartet ab - Negativzinsen als letzte Möglichkeit später - besser aber gar nicht


23.02.21 12:15
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Mit recht soliden Konjunkturdaten für November hatte sich in Großbritannien bereits angedeutet, dass eine Double-Dip-Recession vermieden werden sollte, dennoch überraschte das BIP-Wachstum im 4. Quartal mit +1,0% Q/Q positiv, so die Analysten der Nord LB.

Der durch die erneute Ausbreitung von Covid-19 erforderlich gewordene Lockdown habe demnach deutlich geringere Spuren hinterlassen als noch im 2. Quartal, was daran gelegen habe, dass diesmal Bau und Produktion (sowie die Schulen) geöffnet geblieben seien. Dennoch liege das BIP zum Jahresende 2020 über 6,5% unter dem Niveau von vor der Krise. Im ebenfalls schwach zu erwartenden 1. Quartal werde entscheidend sein, ab wann der Lockdown gelockert werden könne.

Es bahne sich ein Wettlauf zwischen der ansteckenderen Virusvariante B.1.1.7 und der im Vereinigten Königreich weit rasanter als in der EU verlaufenden Impfkampagne - bereits ein Viertel der Bevölkerung sei geimpft. Insofern biete das Land beim Wettlauf "Anschauungsunterricht" für den Kontinent und dürfte schneller konjunkturell "durchstarten". Die miserabel ausgefallenen Einzelhandelsumsätze für Januar würden mit -8,8% M/M aber belegen, dass der private Verbrauch in Zeiten eines Lockdowns stark in Mitleidenschaft gerate. Die Fiskalpolitik sei wieder einmal gefordert!

Die BoE habe trotz der coronabedingten sowohl konjunkturellen als auch medizinischen Katastrophe im Vereinigten Königreich Anfang Februar erwartungsgemäß beschlossen, die Bank Rate bei 0,10% zu belassen und das Quantitative Easing gemäß des im November angepassten Kaufplans fortzusetzen. Aktuell seien die geldpolitischen Maßnahmen "angemessen", die Aussichten allerdings "ungewöhnlich unsicher". Die BoE werde sich dennoch unverändert mit aller Macht gegen die dämpfenden Effekte für die Konjunktur stemmen. Damit dürften Zinssenkungen perspektivisch also nicht grundsätzlich vom Tisch sein.

Für Governor Andrew Baileys sei es ein schwieriges Abwägen: Einerseits könnten niedrigere Zinsen der Konjunktur helfen, andererseits würden Negativzinsen einen erhöhten Stressfaktor für das Bankensystem implizieren. Letztlich sei die Quintessenz gezogen worden, dass Negativzinsen zwar im Fall einer sich weiter verdüsternden Konjunktur ein Mittel der Wahl sein könnten, sie aber für Banken belastend wären. Die BoE bediene sich dabei eines Bluffs, jederzeit noch etwas Wirksames in der Hinterhand zu haben (ohne es aber eigentlich einsetzen zu wollen). Folglich würden Anpassungen der Aufkaufprogramme praktisch die entscheidenden Mittel der Wahl bleiben. Ungleiche Fortschritte bei der Impfkampagne würden den Euro unter 0,87 GBP drücken. (Ausgabe vom 19.02.2021) (23.02.2021/alc/a/a)