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Bank of England: Warten auf den Brexit-Deal


11.01.19 09:45
Berenberg

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Bank of England (BoE) ist gefordert, ihre Geldpolitik auf die Unwägbarkeiten rund um den Brexit bei gleichzeitig überraschend guten Konjunkturdaten abzustimmen, so der Experte von Berenberg Dr. Jörn Quitzau.

Die aktuellen Daten würden eine straffere Geldpolitik erfordern. Insbesondere der Boom am Arbeitsmarkt zeige, dass die bisherigen Zinserhöhungen - 2017 und 2018 je ein Schritt um 25 Basispunkte - berechtigt gewesen seien. Die Arbeitslosenquote sei auf das niedrigste Niveau seit 1975 gefallen. Sowohl die Beschäftigtenzahl als auch die Zahl der offenen Stellen (848 000) lägen auf Rekordniveau.

Unter normalen Umständen müsste die Zentralbank dem Inflationsdruck, der sich bei diesen starken Arbeitsmarktdaten aufbaue, entgegenwirken. Doch die Zeiten des Brexits seien nicht normal. Die Bank of England befinde sich in Lauerstellung, solange die Brexit-Frage nicht geklärt sei. Eine Zinserhöhung bereits im Februar wäre nur denkbar, wenn drei Bedingungen erfüllt seien: 1. Großbritannien ratifiziere bereits vorab eine Brexit-Vereinbarung, wodurch das Risiko eines harten Brexits frühzeitig beseitigt werde; 2. Das Lohnwachstum ziehe weiter an; 3. Das reale BIP-Wachstum bleibe auf oder oberhalb des Wachstumspotenzials, das die Bank of England mit 1,5% beziffere.

Derzeit sehe es allerdings nicht so aus, als könnte die Brexit-Unsicherheit bereits im Januar 2019 enden. Das Hauptszenario der Experten bleibe deshalb, dass die BoE erst im Mai 2019 wieder aktiv werde. Sofern ein harter Brexit verhindert werde, dürfte die Notenbank in den Jahren 2019 und 2020 jeweils zwei Zinsschritte nach oben machen. Damit würde der Leitzins von derzeit 0,75% bis zum vierten Quartal 2020 auf 1,75% steigen. (Ausgabe vom 02.01.2019) (11.01.2019/alc/a/a)