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Bank of England: Am seidenen Faden eines Brexit-Austrittsvertrages


13.09.18 14:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Das Monetary Policy Committee (MPC) der Bank of England (BoE) hat auf seiner heutigen Sitzung alle relevanten Steuerungsparameter unangetastet belassen, so die Analysten der NORD LB.

Die Bank Rate verbleibe damit bei 0,75%, nachdem sie auf der vorangegangenen Sitzung am 2. August um 25 Basispunkte angehoben worden sei. Die Zielvolumina für die Ankaufprogramme von Staats- und Unternehmensanleihen lägen weiterhin bei 435 bzw. 10 Mrd. GBP. Das MPC habe einstimmig für diesen geldpolitischen Geradeauskurs votiert, der damit auch von dem für den Falken Ian McCafferty neu in das Gremium gerückten Jonathan Haskel mitgetragen worden sei. Obwohl der angesehene Professor an der Imperial College Business School gewiss als weniger hawkish gelten möge als sein Vorgänger, sei dies von so gut wie allen Volkswirten und Marktakteuren erwartet worden.

Das um 13:00 Uhr veröffentlichte Sitzungsprotokoll dokumentiere, dass die Wachstumsdynamik in Großbritannien von den Währungshütern nun etwas stärker eingeschätzt werde als zunächst angenommen. Gleichzeitig bringe das MPC aber recht unverhohlen seine Besorgnis über die Risiken eines "No Deal"- oder "Cliff Edge"-Brexit zum Ausdruck. Auch die Gefahren sich zuspitzender Handelskonflikte und die jüngsten Krisen in einigen Emerging Markets würden der BoE Sorge bereiten. An ihrem Ausblick, wonach weitere begrenzte und graduelle Leitzinsanhebungen in den nächsten Jahren erforderlich sein würden, würden die Notenbanker aber festhalten.

Die berechtigte Nervosität mit Blick auf den Fortgang der nun in der entscheidenden Phase befindlichen Brexit-Verhandlungen um einen Austrittsvertrag lasse der Notenbank kaum eine andere Wahl, als sich zumindest vorerst über eine geldpolitische Kontinuität als Stabilitätsanker zu positionieren. In diese Richtung sei auch die Erklärung des Schatzkanzlers Philip Hammond vom Dienstag dieser Woche zu interpretieren, den BoE Governor Mark Carney um die Verlängerung seiner eigentlich im Juni 2019 endenden Amtszeit bis Januar 2020 zu bitten. Carney freilich habe bereits im voraus signalisiert, dass er dazu bereit wäre.

BoE Governor Carney habe zuvor das Kabinett von Premierministerin Theresa May über die Vorkehrungen informiert, die die Notenbank für den Fall eines "No Deal"-Brexit getroffen habe. Dies unterstreiche, dass sowohl des Ausblick auf eine noch recht robuste Konstitution der britischen Wirtschaft als auch die vorsichtige Hinwendung zu einer wieder neutraleren Geldpolitik am seidenen Faden einer Verständigung auf einen Austrittsvertrag hängen würden. Auch die Analysten der NORD LB würden in ihrem Baseline-Szenario genau dies unterstellen - wohl wissend, dass ein Scheitern nahezu ebenso wahrscheinlich sei.

Der Wechselkurs des Pfund und auch die Renditen britischer Staatsanleihen seien durch die heutige Notenbanksitzung nicht nachhaltig in Bewegung geraten. Für die Finanzmärkte bleibe der Fortgang der Brexit-Verhandlungen der entscheidende Parameter - für die geldpolitische Strategie der BoE auch.

Fazit: Die BoE habe auf ihrer heutigen Sitzung alle relevanten Steuerungsparameter unangetastet belassen. Diese Entscheidung sei einstimmig gefallen. Das Sitzungsprotokoll dokumentiere, dass die Wachstumsdynamik in Großbritannien von den Währungshütern nun etwas stärker eingeschätzt werde als zunächst angenommen. Gleichzeitig bringe das MPC aber recht unverhohlen seine Besorgnis über die Risiken eines "No Deal"- oder "Cliff Edge"-Brexit zum Ausdruck. Die vorsichtige Hinwendung zu einer wieder neutraleren Geldpolitik hänge damit am seidenen Faden einer Verständigung auf einen Austrittsvertrag. Auch die Analysten der NORD LB würden in ihrem Baseline-Szenario genau dies unterstellen - wohl wissend, dass ein Scheitern nahezu ebenso wahrscheinlich sei. (13.09.2018/alc/a/a)