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Auswirkungen von Anlagekäufen unbefriedigend? EZB könnte im Jahr 2021 zum Zinsinstrument zurückkehren


10.07.20 11:15
Degroof Petercam

Brüssel (www.anleihencheck.de) - Peter De Coensel, CIO Fixed Income bei Degroof Petercam Asset Management (DPAM), verweist auf eine Analyse der EZB, die die positiven Effekte der kombinierten quantitativen Maßnahmen untersucht, die sich derzeit auf monatlich rund 120 Milliarden Euro belaufen.

Dabei sei berechnet worden, wie tief der Einlagenzins sinken müsste, um ähnliche Auswirkungen auf die Inflation, die Kreditbereitstellung und die allgemeine wirtschaftliche Unterstützung zu erzielen. Das Ergebnis sei verblüffend. Der Einlagenzinssatz, der derzeit bei -50 Basispunkten liege, müsste in Richtung einer Spanne von -1,00% bis -1,50% sinken.

Die Studie komme zu dem Ergebnis, dass ein Einlagensatz von -1,50% ähnliche Auswirkungen hätte wie ein Kaufprogramm in Höhe von etwa 1,45 Billionen EUR. Vorerst habe sich die EZB eindeutig für den QE-Pfad entschieden. Dennoch könne man nicht ausschließen, dass die EZB - um ihr vorgeschriebenes Inflationsziel zu erreichen - im Jahr 2021 zum Zinsinstrument zurückkehren könnte, wenn die Auswirkungen von Anlagekäufen unbefriedigend bleiben würden. Man sollte bedenken, dass das deutsche Bundesverfassungsgericht für das Instrument des Asset-Kaufs bereits den Daumen nach unten gesenkt habe.

Der Ruf nach Realismus bei den Erholungserwartungen sei überfällig. Aufgrund der weltweiten geld- und fiskalpolitischen Reaktion seien die Märkte sehr optimistisch gewesen in ihrer Interpretation der von Monat zu Monat verbesserten vorlaufenden, nachlaufenden und übereinstimmenden Wirtschaftsindikatoren. Die von vielen erhoffte V-förmige Erholung werde höchstwahrscheinlich nicht eintreten.

Eher sei eine Erholung in Form eines Quadratwurzelzeichens (Ö) im Anmarsch. Der erste Sprung lässt uns allerdings noch meilenweit hinter den Werten des späten Jahres 2019 liegen, so die Experten von DPAM. Irgendwann werde sich die Entwicklung in Erwartung einer echten Lösung der globalen Gesundheitskrise jedoch in eine langsam wachsende Funktion verwandeln. Sobald man einen Impfstoff entwickelt und verbreitet habe, könne das Wachstum wieder an die frühere Wachstumsfunktion anknüpfen und sie sogar übertreffen. Die Experten von DPAM würden davon ausgehen, dass die globale politische Reaktion in allen Phasen anhalten werde. (Ausgabe vom 09.07.2020) (10.07.2020/alc/a/a)