Erweiterte Funktionen

Ausblick für 2020: Der größte Fehler ist, nicht zu investieren


15.01.20 12:52
SYZ Asset Management

Genf (www.anleihencheck.de) - Noch vor kurzem raubte die Gefahr einer Währungskrise oder einer Rezession Zentralbankern den Schlaf. Heute ist es die "Japanisierung", sagt Eric Syz, CEO und Mitgründer der SYZ-Gruppe, im SYZ Investment-Ausblick für 2020.

Mit einer Reihe beispielloser Stützungsmaßnahmen hätten die Zentralbanken in Europa und Nordamerika eine Rezession verhindert. "Doch die geldpolitische Lockerung wirkt sich auf die Produktivität aus. Sie hält unrentable Unternehmen mit billigen Krediten am Leben und treibt die Vermögenspreise in die Höhe", so Syz. Was erwarte Anleger angesichts dessen 2020?

Für die Experten von SYZ gebe es zwei große Trends, die die Zukunft bestimmen würden: Der erste sei eine Kehrtwende in der Konjunkturentwicklung: "Während 2019 alles um eine Rezession kreiste, die letztendlich ausblieb, scheint sich dieser Trend 2020 ins Gegenteil zu verkehren und bahnt den Weg für eine positivere Wachstumsdynamik", würden die Experten von SYZ sagen. Ein weiterer Trend, der bestehen bleibe, sei die so genannte Japanisierung der westlichen Volkswirtschaften: Eine wirtschaftliche Situation mit schwachem Wachstum, geringer Inflation und niedrigen Zinsen - wie sie seit fast drei Jahrzehnten in Japan vorherrsche. Bezeichnend sei hierbei, dass ein Eingreifen der Zentralbanken mit jedem weiteren Zinsschritt weniger Wirkung entfalte.

Damit einhergehend würden die Experten kürzere und verhaltenere Konjunkturzyklen von maximal einigen wenigen Quartalen oder Jahren erwarten - mit Konsequenzen für die Anleger: "Die Verkürzung der Zyklen und ihre geringeren Ausschläge bedeuten für Anleger, dass sie sich an schwächere oder gemischte Signale vonseiten der traditionellen Indikatoren einstellen müssen."

Was die spezifischen Risiken für das kommende Jahr betreffe, so würden die Märkte die Beziehungen zwischen den USA und China laut SYZ genau im Blick behalten, ebenso die US-Wahl im November sowie die Entwicklung der britischen Brexit-Politik. Trotz dieser Unsicherheitsfaktoren seien die Experten von SYZ zuversichtlich: "Insgesamt bleiben die Konsumausgaben in den meisten Industrieländern robust." Solange dies der Fall sei und die wichtigsten Zentralbanken an ihrer akkommodierenden Geldpolitik festhalten würden, um den Konjunkturzyklus zu verlängern, sollten die Märkte in der Lage sein, eventuelle Volatilitätsschübe wegzustecken.

Wie könnten sich Anleger auf diese Situation einstellen und welche Taktiken seien am geeignetsten? "Negativzinsen zwingen die Anleger, ihre Barbestände in risikobehaftete Anlagen zu investieren - das könnte zu einem Wettlauf unterinvestierter Anleger um Renditen führen", würden die Experten von SYZ warnen. "In einem solchen Umfeld empfehlen wir, Derivate als Instrument zur Abfederung möglicher Verluste zu nutzen, insbesondere bei holpriger Fahrt an den Aktienmärkten."

Im Aktiensegment würden sie auf Titel von Qualitätsunternehmen mit niedriger Verschuldung setzen und dabei Marktführer mit starken Bilanzen wählen. Regional würden sie in Europa und Japan untergewichten, während sie die USA übergewichten würden. "Das Land wartet weiterhin mit einem soliden Gewinnwachstum auf", seien sie überzeugt.

In Zinspapiere würden die Anlagestrategen von SYZ aufgrund des anhaltenden Niedrigzinsumfelds über einen selektiven, gestaffelten Ansatz investieren. "Am kurzen Ende der Renditekurve sollten Schwellenländer- und Hochzinsanleihen aus unserer Sicht sowohl Euro- als auch Dollaranlegern ansehnliche Renditen bieten", würden die Experten erläutern.

Auch Gold dürfe mit Blick auf 2020 einen gewissen Wert behalten, da die realen Geldmarktsätze negativ bleiben würden: "Das Edelmetall kann im Portfolio ein nützliches Diversifikationsinstrument sein, besonders für den Fall, dass verstärkt von der Fiskalpolitik Gebrauch gemacht wird."

"Die wichtigste Voraussetzung für Anlageerfolg im Jahr 2020 besteht jedoch darin, investiert zu bleiben und einige Portfolio-Absicherungen beizubehalten", seien sie überzeugt. (15.01.2020/alc/a/a)