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Anleihenmärkte: Regimewechsel statt Impf-Euphorie


14.01.21 12:42
Degroof Petercam

Brüssel (www.anleihencheck.de) - Die erste Woche des Jahres 2021 hat die Gemüter von Investoren in US-Staatsanleihen aufgewühlt, die Renditen 10-jähriger US-Treasuries stiegen um 20 Basispunkte von 0,91% auf 1,11%, so die Experten von Degroof Petercam Asset Management.

Hauptgrund hierfür sei die Einigung im US-Kongress zum Jahresende auf ein 900 Mrd. USD schweres Fiskalprogramm in Kombination mit den Ergebnissen der Stichwahl in Georgia gewesen. Ein vereinigter demokratischer statt eines geteilten Kongresses rufe geradezu nach einer erfolgreichen Umsetzung des US-Regierungsprogramms.

Was seien nun die Erwartungen der Marktteilnehmer? Dass expansive Staatsausgaben die Nachfrage angesichts eines anhaltenden Anstiegs der verfügbaren Einkommen ankurbeln würden? Dass wir uns im Sommer durch die Impfprogramme dem Niveau der Herdenimmunität annähern und sich der Konsum beschleunigt, fragen die Experten von Degroof Petercam Asset Management. Dass Ersparnisse angezapft würden, um die zurückeroberte Freiheit zu feiern? Dann könnte die US-Inflation in Kombination mit positiven Basiseffekten im Laufe des Jahres 2021 einen Wert von 2,5% und mehr erreichen und die Renditen für 10-jährige US-Staatsanleihen auf 2,00% steigen. So würden es zumindest einige Marktbeobachter sehen.

So plausibel sich die Abfolge der obigen Ereignisse auch lesen möge, Peter De Coensel, CIO Fixed Income bei DPAM, stelle dieses Szenario in Frage. Seine Gegenargumente würden sich auf den Regimewechsel auf der Ebene der monetär-fiskalischen Kooperation und Zusammenarbeit beziehen, der bereits im letzten Jahr oft diskutiert worden sei. Anhaltende fiskalpolitische Initiativen, mit bedingungsloser Unterstützung der Geldpolitik, seien seines Erachtens erforderlich, um den Übergang der Weltwirtschaft zu einem nachhaltigen Ökosystem zu ermöglichen, Wachstumsziele als Motor des Wohlstands neu zu formulieren und die Ungleichheit der Entlohnung von Arbeit und Kapital zu verringern.

Es sei zu erwarten, dass die quantitativen Programme der FED in den nächsten Jahren in Umfang und Dauer überraschen würden, um die Entfaltung fiskalischer Initiativen zu ermöglichen. Die FED werde den Anstieg der Kapitalbeschaffungskosten für das US-Finanzministerium begrenzen. Überraschungen bei der Inflation würden die US-Anleihenmärkte nicht verschrecken, sondern die US-Realzinsen allenfalls tiefer in den negativen Bereich drücken.

Schwellenländer würden nach Ansicht von Peter De Coensel weiterhin von einem starken geld- und fiskalpolitischen Stimulus profitieren. Sie würden die allmähliche Erholung von der Pandemie anführen. Die Finanzierungskapazität und die fiskalischen Puffer würden die entscheidenden Faktoren für die Länderauswahl sein. Die Schuldenstände der Schwellenländer seien durch eine Kombination aus negativem Wachstum und der Notwendigkeit höherer Ausgaben beeinflusst worden. Die Verschuldung im Verhältnis zum BIP sei zwar gestiegen, liege aber immer noch deutlich unter dem Niveau der Industrieländer. Sinkende Risikoprämien, das Niedrigzinsumfeld und ein schwächerer Dollar würden die Kosten für den Schuldendienst für viele Emerging Markets senken.

'Low for Longer' mache Schwellenländer-Staatsanleihen zu einer attraktiven Lösung. Ein gut diversifiziertes Portfolio, das in Lokalwährungsanleihen mit einem durchschnittlichen Investment-Grade-Rating investiert sei, rentiere heute um 5% und damit deutlich höher als Anlagen in US- oder EUR-Staatsanleihen sowie IG- und HY-Unternehmensanleihen. Aus historischer Sicht seien die absoluten Renditen und Spreads nahe dem Tiefpunkt. Die realen Renditen und Spreads in lokalen Währungen seien jedoch immer noch auf einem sehr attraktiven Niveau. Betrachtet man nicht die Spreads, sondern das Verhältnis von Lokalwährungsrenditen zu US-Treasury-Renditen, so liegen wir immer noch rund 50 Basispunkte über dem Höchststand, der während der globalen Finanzkrise verzeichnet wurde, so die Experten von Degroof Petercam Asset Management. Peter De Coensel erwarte, dass diese Risikoprämie weiter sinken werde. (14.01.2021/alc/a/a)